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Basels Marcelo Diaz: Bei Chiles Nationalmannschaft der Dreh- und Angelpunkt

Vier Tage, bevor Marcelo Diaz mit dem FC Basel zum Cupspiel in Münsingen antritt, hat er noch schnell an der Weltelite Mass genommen. Diaz zeigt im Nationalteam Chiles gegen Spanien eine starke Vorstellung.

Markus Brütsch
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Kein Durchkommen: Marcelo Diaz (links) blockt den Spanier Nacho ab. Keystone

Kein Durchkommen: Marcelo Diaz (links) blockt den Spanier Nacho ab. Keystone

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Eingeflogen aus Santiago, wo die chilenische Nationalmannschaft in der WM-Ausscheidung beim 3:0 mit Venezuela kurzen Prozess gemacht hat, ist Diaz am Dienstag in Genf gegen Welt- und Europameister Spanien aufgelaufen. Und beim leistungsgerechten 2:2 in diesem kurzweiligen Testspiel neben Chiles zweifachem Torschützen Eduardo Vargas der auffälligste Spieler gewesen.

Derselbe Diaz, der vor gut einem Jahr für 4,5 Millionen Franken von Universidad de Chile zum FC Basel gekommen ist und dort bisher ein zwiespältiges Bild abgegeben hat. Der zwar immer mal wieder andeutet, welch guter Spieler er ist, seine Position im Meisterteam aber auch nach Ablauf einer reichlich langen Schonfrist noch immer nicht gefunden hat und weit öfter auf der Ersatzbank sitzt, als einem Akteur seiner Klasse lieb ist.

Er müsse die Sicherheit, die er in Chile gehabt habe, erst noch finden, hat Diaz in einem Interview sieben Monate nach seiner Ankunft in der Schweiz gesagt. «Hier wird disziplinierter und taktikbezogener gespielt als in Südamerika.»

Auf die chilenische Nationalmannschaft trifft dies allerdings kaum zu. Die Equipe von Jorge Sampaoli lässt gegen Spanien diesbezüglich keine Wünsche offen. Sie bestätigt, weshalb sie in Südamerikas WM-Poule zwei Runden vor Schluss auf Rang 3 liegt und auf gutem Weg an die WM 2014 nach Brasilien ist.

Interessant: Der Nationalcoach lässt seine Mannschaft in einem System spielen, dessen Vorzüge Murat Yakin schon verschiedentlich gepriesen hat, das der FCB-Trainer aber seit dem missglückten Einstand in Luzern vorderhand wieder in der Schublade verschwinden liess. Sampaoli aber setzt auf dieses 3-4-1-2, eine Formation mit drei Verteidigern, fünf Aufbauern und zwei Stürmern.

In dieser nimmt Diaz, der am 11.11.11 beim 0:4 in Uruguay debütiert hatte und gegen Spanien sein 16. Länderspiel bestritt, in der Mittelfeld-Viererkette die halbrechte Position ein. Dabei ist offensichtlich, dass er unter Sampaoli, der schon bei Universidad sein Trainer war, eine Leaderrolle einnimmt. Fast alle ruhenden Bälle sind seine Sache, und auch die Gestik des 1,66 Meter kleinen Aufbauers verrät, dass er innerhalb des Teams ein Grosser ist.

Der laufstarke Diaz nimmt gegen Spanien auch konkreten Einfluss aufs Geschehen: Mit einem magistralen Zuspiel, vorbei an vier spanischen Defensivspielern, bereitet er den 1:1-Ausgleich von Vargas vor. Im chilenischen Kurzpassspiel, das jenem der Spanier in nichts nachsteht, ist Diaz der viel gesuchte, äusserst ballsichere, Dreh- und Angelpunkt. Und in der zweiten Halbzeit verhindert er mit einem grossartigen Tackling gegen Pedro, dass der Gegner allein aufs Tor ziehen kann.

Gleichwohl ist die Welt des Marcelo Diaz am Ende des Abends nicht in Ordnung. «Es ist frustrierend, so spät noch den Ausgleich zu bekommen», sagt Diaz, ehe er im Mannschaftsbus verschwindet. Die Vorbereitung aufs Spiel in Münsingen hat begonnen.

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