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Auf der Suche nach dem nächsten Shaqiri: Die Nachwuchsstrategien von YB und Basel im Vergleich

Zwei ehemalige Jugendspieler im Direktduell: Taulant Xhaka und Michel Aebischer stammen beide aus dem eigenen Nachwuchs

Zwei ehemalige Jugendspieler im Direktduell: Taulant Xhaka und Michel Aebischer stammen beide aus dem eigenen Nachwuchs

Neun Punkte trennen den FC Basel von den Berner Young Boys vor dem Spiel am Samstag im Joggeli. Bei beiden Vereinen werden eigene Jugendspieler zum Einsatz kommen. Die Nachwuchsstrategien der beiden Mannschaften unterscheiden sich, gleichen sich in einem Punkt aber auch an.

Sie sind jung und hochtalentiert. Die meisten von ihnen dürfen sich erst seit Kurzem hinter ein Steuerrad setzen. Es sind die Vishis, Isufis und Marchands vom FC Basel. Und die Mambimbis, Petignats und Ballets von YB.  Auf den Jugendspielern lasten die Hoffnungen von Fans und Klub. Sie sollen erst sportlich den Erfolg sichern und dann Geld in die Kassen spülen. Immer unter Beobachtung von Scouts, die sie wie ein Adler seine Beute im Blick haben.

Eigene Nachwuchsspieler gelten als identitätsstiftend. «Das ist einer von uns», rufen Fans und Verantwortliche stolz, wenn ein eigener Junger bei den Grossen für Furore sorgt. Bei YB lautet das Ziel: Pro Jahr sollen zwei solcher Spieler in die erste Mannschaft integriert werden und möglichst auch zu Einsätzen kommen. Rund ein Drittel der Spieler soll aus den eigenen Reihen stammen. Ein Ziel, das sich auch der FCB gesteckt hat. Beide Mannschaften sind aktuell im Soll. Ein Blick auf die Einsatzminuten zeigt aber, dass es junge Spieler des FCB einfacher haben als ihre Berner Pendants. Dort stehen meist nicht mehr als drei eigene Nachwuchsspieler in der Startelf. Beim FCB waren es bei der jüngsten Niederlage gegen Sion deren sieben.

Der sportliche Erfolg erschwert es den YB-Talenten

Eine Ausrichtung auf junge Talente birgt das Risiko, die Meisterschaft aus den Augen zu verlieren. «Es ist eine Gratwanderung. Es braucht einen guten Mix zwischen gestandenen und jungen Spielern», sagt Christian Franke, Technischer Leiter des YB-Nachwuchses. Aufgrund der sportlichen Erfolge sei es für Berner Talente schwieriger geworden, den Schritt in die erste Mannschaft zu vollziehen. «Es gibt aber viele Wege, die zum Ziel führen. Es braucht für einen hoffnungsvollen Spieler auch Geduld.»

Mit den Titeln steigen die Anforderungen, nur die talentiertesten Juwelen können da Schritt halten. YB-Trainer Gerardo Seoane hat die Qual der Wahl. FCB-Trainer Marcel Koller ist auf die Jungen angewiesen, da er sonst die Startelf kaum besetzen kann. Sportlicher Misserfolg erhöhen die Chancen der Nachwuchsspieler. Dazu kommt in Basel der Spardruck.

Ein Konzept soll die Aufnahme möglichst vieler Talente ermöglichen. Basel baut dies mit dem neuen Nachwuchschef, Percy van Lierop, gerade kräftig um. Die Sportschule Bebbi gibt es ab der nächsten Saison nicht mehr. Sechs-, sieben- oder achtjährige Kinder sollen sich in ihren regionalen Klubs entwickeln und nicht mehr im Leistungszentrum. Gemäss van Lierop sei es «fast unmöglich bei solch jungen Spielern eine Entscheidung treffen zu können, wer ein grosses Potenzial hat.»

YB kennt dieses System schon lange, eine Kinderschule gibt es nicht. In Bern werden Spieler gar bis zum 15. Lebensjahr bei den Partnervereinen gelassen, etwa beim Team Köniz. Erst ab der U15 stossen die besten Talente zu YB. «Der Selektionsentscheid wird besser, je älter der Spieler ist», sagt Franke.

Ist die Spreu einmal vom Weizen getrennt, beginnt die Einimpfung der gewünschten Philosophie. Der FCB träumt von Ajax Amsterdam, YB legt Wert auf eine ganzheitliche Ausbildung. «Die Spieler sollen bei uns fähig sein, unterschiedlichen Fussball zu spielen», sagt Franke. Ob der Trainer der Profis nun lieber mit einer Dreier- oder einer Viererkette spielen möchte, soll für Nachwuchsspieler einerlei sein.

Basel hat im Nachwuchsbereich noch Vorteile

Die Suche nach Juwelen findet auch in anderen Gewässern statt, vornehmlich bei nationalen Vereinen. YB tätigt im Nachwuchsbereich nur selten Transfers. Hoffnungsvolle Spieler verpflichten sie meist erst in einem reiferen Alter. Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Integration in die erste Mannschaft soll dadurch gesteigert werden. So stiess etwa Denis Zakaria erst mit 18 Jahren zu den Bernern. Beim FCB müssen  sich Talente von anderen Vereine hingegen oftmals ihre Sporen erst im Nachwuchs abverdienen. So war es auch bei Fabian Frei oder Valentin Stocker.

Sportlich kann der FCB aktuell dem Rivalen aus Bern nur selten das Wasser reichen. Im Nachwuchsbereich hat er dank dem Campus aber Vorteile. YB-Talente trainieren auf Sportanlagen, die der Stadt Bern gehören. Eigene Trainingsmöglichkeiten gibt es nicht. «Da haben wir Aufholbedarf und suchen intensiv nach Lösungen», sagt Franke. Ebenso bei den Nachwuchsspielern, die nach dem Weggang eine erfolgreiche Karriere an den Tag legen. Einen Sommer, Xhaka oder Shaqiri gab es in Bern bisher nicht. Deren Nachwuchstalente, wie etwa ein Yvan Mvogo, versauern entweder auf der Bank oder kämpfen wie Michael Frey gegen den Abstieg in die 3. Deutsche Liga an. «Bei uns fehlt der eine oder andere Topshot», sagt Franke und meint damit einen Xhaka oder Shaqiri. Er begründet dies mit vergangenen Phasen, in denen es bei YB schwierig war, sich bei den Profis zu etablieren und mit falschen Karriereentscheidungen einzelner Spieler.

YB versucht nun auch bei der Nachwuchsarbeit aufzuholen. Für den FCB sind das keine guten Zeichen. Trotz Campus und zahlreicher Topshots haben sie die sportliche Machtposition bereits an die Berner verloren.

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