Judo
Auf der Suche nach dem grossen Wurf

Die Aescherin Deborah Jäggi hält es im Judo wie im ganzen Leben: Ohne Freude läuft nichts. Ihr Vorbild Sergei Aschwanden hat mit diesem Rezept Olympia-Bronze geholt.

Fabian Kern
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Deborah Jäggi (in Blau) befördert ihre Gegnerinnen reihenweise auf die Matte. Fabian Kern

Deborah Jäggi (in Blau) befördert ihre Gegnerinnen reihenweise auf die Matte. Fabian Kern

bz Basellandschaftliche Zeitung

Der Weg in den Trainingsraum von Judo Sport Liestal gleicht einem Gang in den Heizungskeller. Mit jedem Abbiegen in den Katakomben des Schild-Areals wird es etwas dunkler. «Ja, wir sind gut versteckt», sagt Deborah Jäggi lächelnd. Doch trotz zehn Trainingseinheiten pro Woche – davon die Mehrzahl in Liestal – lässt sich die 17-Jährige die gute Laune nicht verderben: «Ohne Spass beim Training kann ich auch keine Leistung bringen.» Dass sie den Grossteil ihrer Freizeit auf der Judomatte verbringt, macht ihr nichts aus. Sie findet auch neben ihrem enormen Pensum noch Zeit für Ausgang, Shopping und um Freundschaften zu pflegen.

Zu ihrem heute heiss geliebten Sport hat die Aescherin eher unfreiwillig gefunden. Vor zehn Jahren musste die damals siebenjährige Deborah ihren kleinen Bruder ins Judotraining begleiten, weil sie noch zu jung war, um allein zu Hause zu bleiben. Aus Langeweile machte sie selbst einmal mit und war sofort begeistert. «Als ich zum ersten Mal einen Kampf gewann, hatte ich ein unbeschreibliches Glücksgefühl», erinnert sich die Schülerin der Sportklasse an der Wirtschaftsmittelschule Reinach. Ihr Talent in Kombination mit ihrem Willen und Ehrgeiz brachten Deborah Jäggi sportlich bis ins Junioren-Nationalkader. Vor zwei Jahren wurde sie in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm der U17 Schweizer Meisterin, letztes Jahr bei den U20 Dritte. Ihren bisher grössten internationalen Erfolg erzielte sie ebenfalls 2010: einen zweiten Platz beim internationalen Turnier in Sindelfingen (De) – in ihrem ersten Jahr bei den U20.

Die Erfolge machen Lust auf mehr. Die Ziele in diesem Jahr lauten: eine Medaille an den Schweizer Meisterschaften und Qualifikation für die Junioren-Europameisterschaft in Belgien. Dafür braucht Deborah Jäggi möglichst viele Erfolge an den internationalen Turnieren, die sie von Russland bis Portugal bestreitet. «Um mich zu qualifizieren, brauche ich ungefähr drei dritte Plätze», erklärt die Judoka. Hinzu kommt der Nachteil der grossen nationalen Konkurrenz. In ihrem Alter gibt es noch drei weitere Kämpferinnen in ihrer Gewichtsklasse, die alle etwa gleich stark wie sie sind. Darunter befindet sich mit Tina Berger auch eine Trainingskollegin von Deborah Jäggi. An ihrer Seite kämpft sie mit Judo beider Basel in der Schweizer Mannschaftsmeisterschaft in der Liga A – als aktueller Tabellenführer mit dem dritten Platz als Saisonziel.

Die Faszination am Judo, dass sich alles in den vier Minuten des Kampfes entscheidet, nach denen man völlig ausgepumpt ist, ist bei Deborah Jäggi auch nach zehn Jahren ungebrochen. Als Quelle der Motivation dient ihr auch Sergei Aschwanden, der an den Olympischen Spielen in Peking 2008 die Bronzemedaille gewann. «Er zeigt, dass man auch mit Spass Erfolg haben kann», sagt die 17-Jährige. Und vielleicht wird auch sie einmal mit einem Olympia-Auftritt ein Nachwuchstalent motivieren.