Fussball
Arisdorf tritt gegen die Britischen Jungferninseln zum «Länderspiel» an

Bademäntel für Auswärtsspiele, Wanderweekends in Zeglingen oder ein Freundschaftsspiel gegen das Asylzentrum Ramlinsburg. «Lietsch City» wollte schon immer anders sein. Was die Mannschaft diesmal organisiert hat, setzt schweizweit neue Massstäbe.

Jonas Burch
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Bereit für das grosse Abenteuer: Die Kicker der ersten Mannschaft des FC Arisdorf, auch bekannt als «Lietsch City».

Bereit für das grosse Abenteuer: Die Kicker der ersten Mannschaft des FC Arisdorf, auch bekannt als «Lietsch City».

Zur Verfügung gestellt

Die Spieler dachten zuerst an einen Scherz. Simon Wahl, der Kopf hinter der Idee, erinnert sich noch haargenau an den Moment, an welchem sogar die bittere 2:3-Cup-Achtelfinal-Niederlage zu Hause gegen 2.-Ligist Timau zur Nebensache wurde. «Jungs, wir werden zwei Länderspiele machen», sagte Wahl damals Sekunden nach dem Schlusspfiff am 18. Oktober. Man wollte, ja konnte es nicht glauben. Acht Monate später steht der Verein aus Arisdorf vor den wichtigsten und prägendsten Wochen der 9-jährigen Vereinsgeschichte.

Vom Wege abgekommen

Seinen Anfang nahm das Märchen im April des letzten Jahres. «Irgendwie fingen wir langsam an, ein ganz normaler Klub zu werden», sagt Simon Wahl. Drei Jahre waren da bereits vergangen, seit «Lietsch City» mit dem Freundschaftsspiel gegen eine Auswahl des umstrittenen Asylzentrums Ramlinsburg eine überraschende Aktion organisierte. «Es brauchte wieder einen solchen Kick», blickt Wahl zurück.

Neuauflage von «The Other Final»

Den Ansporn gab der niederländische Film «The Other Final» aus dem Jahre 2002 als Bhutan und Montserrat, die beiden Letzten der Fifa-Weltrangliste (damals Platz 202 und 203), zeitgleich während des WM-Finals zwischen Deutschland und Brasilien in Bhutan aufeinandertrafen. «Es war unglaublich zu sehen, wie sich diese beiden Kulturen in einem solchen Rahmen begegneten», sagt Wahl.

Nummer 195 der Welt

In der Folge ging der 31-Jährige die Weltrangliste von hinten durch und schrieb auf gut Glück mögliche Nationalverbände an. Turks- und Caicos-Inseln, Cook-Inseln, Bhutan oder eben die Britischen Jungferninseln, die derzeit auf dem 195. Platz von 207 Teams rangiert sind.

Zwei Tage Reaktionszeit

Danach ging alles ganz schnell. Als einziges Team schrieb der 31 000-Seelen-Staat aus der Karibik zurück – nach nur zwei Tagen. «Ich konnte es zuerst gar nicht glauben», sagt Wahl. Danach nahmen die Gespräche ihren Lauf und gipfelten im letzten Januar anlässlich eines Fifa-Kongresses sogar in ein persönliches Treffen in Zürich. «Wir kamen sofort auf einen gemeinsamen Nenner, auch für die Britischen Jungferninseln soll dieses Spiel ein Pilotprojekt werden, um für den Tourismus zu werben», weiss der Liestaler. Mit einer 28-köpfigen Delegation reisen die Baselbieter in gut einem Monat los und treten am 31. Juli und 3. August zu zwei «Länderspielen» an, unterstreicht Wahl mit einem Lächeln.

Grosse Werbetrommel auf der Insel

Die Britischen Jungferninseln haben ihrerseits zugesichert, die beiden Freundschaftsspiele im Vorfeld prominent zu bewerben. Der Inselstaat rechnet mit 800 bis 1000 Zuschauern.

Mail an den Verband

Was wie ein Spassprojekt wirkt, setzt sogar schweizweit neue Massstäbe. Noch nie gab es eine solche Art von Länderspiel – schon gar nicht auf Regionalfussball-Ebene. Entsprechend informierte der FC Arisdorf im Januar auch den Schweizerischen Fussballverband per Mail über das Projekt, «schliesslich vertreten wir ja ein Stück weit auch die Schweiz.» Bislang ohne Antwort. «Wir werden die Eindrücke aber per Video festhalten, und dann nochmals einen Anlauf machen», entgegnet Wahl.

Ricola ist augesprungen

Immerhin hat das Laufner Traditionsunternehmen Ricola vier Kilogramm des beliebten Bonbons zur Verfügung gestellt. Auch diese Seite gibt es. Schliesslich geht es auch in der Karibik nicht nur um Fussball. Sondern um sehr, sehr viel mehr.

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