Schwingen
Andreas Henzer wills am 100. Kantonalen nochmals wissen!

Andreas Henzer, 35 Jahre alt und damit bereits über dem altersmässigen Zenit eines Spitzenschwingers, will es am Ormalingen am 100. Basellandschaftlichen nochmals sich selbst beweisen. Hier erfahren Sie mehr über die Gedankenwelt des Turnschwingers.

Anita Biedert–Vogt
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Andreas Henzer (rechts) schwingt gegen Joel Wicki am 98. Baselstädtischen Schwingertag im Mai 2015.

Andreas Henzer (rechts) schwingt gegen Joel Wicki am 98. Baselstädtischen Schwingertag im Mai 2015.

Keystone

Andreas Henzer, wie verlief Ihre Saison bis anhin?

Mit meinen Leistungen bin ich recht zufrieden, erfreulich ist, dass ich unfallfrei geblieben bin. Im Grossen und Ganzen ziehe ich dementsprechend eine positive Bilanz.

Welches Ziel haben Sie sich fürs Kantonale in Ormalingen von diesem Wochenende (15. und 16. August 2015) gesteckt?

Einerseits möchte ich das Möglichste geben, um betreffend Tagessieg mitreden zu können, andererseits bin ich auch bestrebt darum, meinen Baselbieter Teamkollegen zu helfen und sie zu unterstützen in der Hoffnung, den Tagessieg in den eigenen Reihen ausmachen zu können.

Wie haben Sie es zustande gebracht, mit 35 Jahren noch derart an der Spitze mithalten zu können? Was macht Ihre Motivationsquelle aus?

Schlicht und einfach ist das die Faszination am Schwingsport generell, die mich seit der frühen Kindheit fesselt. Nach wie vor beeindruckt mich der faire Kampf Mann gegen Mann.

Darf ich Ihrer Grundhaltung – Sie kämpfen vor allem, um Ihren ganz persönlichen Ehrgeiz zu stillen – entnehmen, dass es Ihnen als Spitzensportler eher darum geht, sich selbst herauszufordern und nicht primär den Festbesuchern zu beweisen, dass Sie noch ein Wörtchen mitzureden haben?

Diese Einschätzung ist absolut richtig. Die Selbstbestätigung hat in meinem Leben einen hohen Stellenwert. Ebenso gibt das gemeinsame Erreichen eines spitzenmässigen Resultats mit meinen Kameraden ein fantastisches Gefühl. Was zeigt, dass das Schwingen mitunter auch ein Teamsport ist.

Wie umfangreich ist Ihr wöchentlicher Trainingsaufwand?

Alternierend bin ich dreimal im Schwingkeller und zweimal im Kraftraum.

Wie schaffst Sie es, Ihren körperlich anspruchsvollen Beruf als Metzger und den Aufwand für das Schwingen zu kombinieren? Schwinger sein kommt heutzutage einem Spitzensportler gleich.

Schwingen ist für mich ein optimaler Ausgleich; körperlich wie auch mental. Ich erachte das Schwingen als eine Ergänzung zu meinem Beruf, den ich zu 100 Prozent ausübe.

Wie gestalten Sie Ihr Trainingsprogramm vor einem Schwingfest?

Prinzipiell behalte ich das übliche Programm bei. Unmittelbar vor einem Fest fokussiere ich mich ausschliesslich auf den Anlass und gehe im Kopf die Abläufe wieder und wieder durch.

Gehen Sie als Routinier das Anschwingen gelassen an?

Vor dem ersten Gang fühlt es sich wie damals vor meinem ersten Schwingfest an: Speziell, unruhig, gespannt. Grund dafür ist, dass noch keine Entscheidungen vorliegen, aufgrund derer ich die Situationen besser abschätzen könnte.

Wie und wovon ernähren Sie sich?

Nach meinem Gutdünken. Ich lebe nicht nach einem fixen Ernährungsplan, ich esse so, dass ich mich gut fühle. Einzig vor einem Schwingfest trifft sich das ganze Team regelmässig am Vorabend zum gemeinsamen Essen, vor allem eiweissreich. Dabei wird über das Fest und die Einteilungen diskutiert.

Bei so viel komprimierter Aktivität ist eine Erholungsphase unabdingbar. Wo bauen Sie diese ein?

Nach einem Schwingfest gönne ich mir einen trainingsfreien Tag, je nach körperlicher Verfassung erlaube ich mir gar eine Pause bis maximal einer Woche. Sämtliche Tage beginnen aber stets um 04.44 Uhr.

Wie ist Ihre Einstellung gegenüber Alkohol und Nikotin?

Mit dem Konsum von Alkohol und/oder Nikotin ist es nicht möglich, erfolgreich sein zu können.

Wie verarbeiten Sie eine Niederlage?

Ich suche den Fehler einzig und alleine bei mir selbst. Die Situation, die das Verlieren eines Ganges ausgelöst hat, schwirrt solange in meinem Kopf, bis ich mir vorzunehmen vermag, mich mental vollumfänglich auf den nächsten Kampf vorzubereiten.

Ist die Angst für Sie ein Thema?

Den Sport betreffend kenne ich keine Angst, Respekt sehr wohl. Angst habe ich einzig um meine Gesundheit.

Wie Sie s es geschafft, Ihre gesundheitlichen Rückschläge - Ihre schweren Rückenoperationen - derart wegzustecken, um wieder unbeschwert schwingen zu können?

Die Liebe zum Schwingen ist der Schlüssel! Dazu habe ich hart trainiert, was mir Selbstvertrauen und Sicherheit gibt.

Welche Werte des Schwingsports haben Ihr Privatleben mitgeprägt?

Fairness, Ehrlichkeit, Bodenständigkeit, Verwurzelung, Altbewährtes beibehalten, am Ursprünglichen festhalten; unsere Schweizer Traditionen.

Ist Ihr Amt als Technischer Leiter des Schwingklubs Binningen eher eine Doppelbelastung oder ein Vorteil für Sie als Aktiver?

Es ist eindeutig ein Vorteil, denn ich kann das Training nach meinen Bedürfnissen gestalten. Meine Aufgabe untermalt zudem meine vorhandene Motivation.

Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Situation betreffend Nachwuchsschwinger im BLKSV?

Im Unterbaselbiet siehts gar nicht so übel aus. Natürlich ist der ganze Basellandschaftliche Kantonalschwingerverband froh um jeden Neueintritt eines Jungschwingers.

Sorgen Sie sich um den Nachwuchs in unserer Region? In den Innerschweizer Kantonen und im Bernbiet ist Schwingen überaus populär; man hat Not an genügend Platz zum Trainieren, vor allem bei den Jungschwingern. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz?

Das Traditionelle nimmt in den erwähnten Regionen einen höheren Stellenwert ein. Auch der Umstand, dass handwerkliche Berufe, die eine stabile körperliche Verfassung voraussetzen, in städtischen Gebieten weniger attraktiv sind und deshalb weniger gewählt werden, könnte bestimmt auch Grund dafür sein.

Wie und mit welchen Argumenten würden Sie einen Jungen vom Schwingsport zu überzeugen versuchen?

Schwingen ist ein Spitzensport verbunden mit wertvollen Schweizer Traditionen. Eine tiefe Freundschaft mit den Kameraden bleibt zeitlebens über alle Kantonsgrenzen hinweg.

Was macht das Schwingen attraktiv für Jugendliche?

Eine gute Körperbildung, das Erlernen von Respekt, der Umgang mit Sieg und Niederlage.

Welche realistischen Ziele schweben Ihnen noch vor? Ist das Eidgenössische Schwingfest 2016 in Estavayer ein Thema?

Eindeutig ja! Die Teilnahme am Eidgenössischen wäre für mich eine würdige Abrundung meiner Schwingerkarriere. Den definitiven Abschluss erhoffe ich mir am Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest 2018 in Schönenbuch, meiner Heimatgemeinde.

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