FC Basel
Als vor drei Jahren Martin Hansens Zauberfuss zuschlug

Der Goalie des FC Basel erzielte vor drei Jahren im Spiel zwischen Den Haag und Eindhoven eines der schönsten Torhüter-Tore der Geschichte.

Sébastian Lavoyer, Limassol
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Mit der Hacke ins Glück: Martin Hansen trifft gegen Eindhoven für Den Haag in der Nachspielzeit zum 2:2.

Mit der Hacke ins Glück: Martin Hansen trifft gegen Eindhoven für Den Haag in der Nachspielzeit zum 2:2.

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Die Zuschauer liegen sich jubelnd in den Armen. Sie können kaum fassen, was sie eben gesehen haben. Es läuft die 95. und letzte Minute zwischen ADO Den Haag und PSV Eindhoven. Die Gastgeber liegen 1:2 hinten, als sie einen Freistoss zugesprochen kriegen. Bei Den Haag kommt sogar Torwart Martin Hansen mit nach vorne.

Der Ball senkt sich in den Strafraum, Hansen lässt ihn zwischen den Beinen durch, lenkt mit der Hacke ab zum 2:2. Hansen erzielt damit schon am ersten Spieltag das Tor des Jahres, und das wohl das schönste Tor, das je ein Goalie geschossen hat.

«Ein verrückter Moment»

Darauf angesprochen lacht der FCB-Ersatzkeeper und sagt: «Ein absolut verrückter Moment, den ich nie vergessen werde. Wann immer ich daran denke, habe ich ein Lachen im Gesicht.» Danach wurde er immer wieder gefragt, ob er noch mehr Tore schiessen werde.

«Ja, natürlich», habe er geantwortet. Und so schickte ihn der Trainer gegen Ende Saison mehrfach bei Freistössen mit nach vorne. Geklappt hat es nie mehr. Das Zaubertor gegen PSV blieb bisher das einzige seiner Karriere.

Aber er soll ja Tore verhindern. Insbesondere heute Abend im Spiel gegen Apollon Limassol. Hält er seinen Kasten rein, ist der FCB in der Gruppenphase der Europa League. «Das stimmt, aber wer so denkt, wird passiv. Wir müssen das Spiel angehen, als ob es im Hinspiel 0:0 ausgegangen wäre und wir einen Sieg bräuchten», sagt der 1,88 Meter grosse Däne.

Er will den Sieg. So sei seine Mentalität, und die hat ihn nach Basel gebracht. «Ich habe auf Profi-Niveau noch nie einen Titel gewonnen. Das will ich ändern, bevor ich aufhöre. Das war für mich die Hauptmotivation, nach Basel zu kommen», sagt er.

Und das, obschon er wusste, dass er beim FCB die Nummer 2 sein wird – hinter Jonas Omlin. Der 28-Jährige sagt aber: «Der Transfer zum FCB war für mich auch eine Möglichkeit, alles ein bisschen zu beruhigen und meiner Vaterrolle gerecht zu werden.» Basel ist schon die neunte Station seiner Karriere.

Angefangen hat er in Bröndby, doch schon mit 16 Jahren zog es ihn in den Nachwuchs von Liverpool. Er machte kein einziges Spiel. Sein Debüt im Profibereich gab er während einer einmonatigen Leihe bei Bradford City. Er ging zurück nach Dänemark (Viborg FF und dann FC Nordsjaelland) und dann weiter nach Holland zu Den Haag, ehe er im Sommer 2016 in die Bundesliga wechselte.

Er stieg mit Ingolstadt in die 2. Bundesliga ab und wurde danach letzte Saison zum SC Heerenveen in die Eredivisie ausgeliehen. Hansen: «Meine Frau und meine drei Kinder blieben in Deutschland. Das war nicht einfach. Umso glücklicher bin ich jetzt, wo sie mit mir in der Schweiz sind.» Ihnen zuliebe hätte er den Platz auf der Bank in Kauf genommen.

Doch weil sich Jonas Omlin vor einer Woche beim Aufwärmen verletzte und für mehrere Wochen ausfällt, rückt er unerwartet früh und lange in den Fokus. Und wenn der FCB kurz vor Schluss hinten liegen sollte, «dann würde ich alles dafür machen, um weiterzukommen», sagt Hansen. Vielleicht sogar noch einmal ein Traumtor.

Der FC Basel wäre in Lostopf 1 gesetzt

Noch ein Spiel muss der FC Basel überstehen, dann hat er es geschafft, steht in der Endrunde der Europa League und hat zumindest sein Minimalziel erreicht. Gelingt dem FCB dies, dann wartet bereits am Freitag der nächste, wichtige Termin: Die Auslosung der Gruppenphase, welche dann am 20. September losgehen wird.

Gezogen werden die Lose am morgigen Freitag um 13 Uhr. Während normalerweise sämtliche Auslosungen der Uefa in Nyon durchgeführt werden, entscheidet sich für dieses eine Mal im Grimaldi Forum in Monaco, mit wem es der FCB in der Europa League zu tun bekommen wird.

Auch wenn die Rückspiele der Playoffs erst heute Abend stattfinden und somit noch nicht alle Lostöpfe definiert sind, ist etwas bereits klar: Schafft es der FCB in die Europa League, dann ist er in Top 1 gesetzt. Zu verdanken haben die Basler dies ihrem starken Klub-Koeffizienten.

Dieser ist entscheidend bei der Einteilung der Teams in die vier Lostöpfe. Der FCB hat mit einem Wert von 71.000 – den er sich in den letzten fünf Jahren mit seinen starken internationalen Leistungen erspielt hat – einen der besten Koeffizienten aller teilnehmenden Teams.

An der Spitze steht der Rekord-Sieger der Europa League (5 Titel), der FC Sevilla, mit 113.000 Punkten. Die definitive Einteilung in den ersten Topf heisst für den FCB, dass er Schwergewichten wie Chelsea, Arsenal oder eben Sevilla (sofern Letztere sich in den Playoffs ebenfalls durchsetzen) vorerst aus dem Weg gehen könnte.

Ebenfalls bereits sicher in Topf 1 sind Bayer Leverkusen, Dynamo Kiew und Villarreal. Mit diesen Gegnern kann es der FCB also erst ab der K.-o.-Phase zu tun bekommen – wenn er diese denn erreichen sollte.

Dennoch warten in den weiteren drei Töpfen nicht nur kleine Kaliber, sondern noch einige grosse Namen, die den Baslern zugelost werden könnten. So sind beispielsweise die AC Mailand, Sporting Lissabon oder Olympique Marseille aller Voraussicht nach in Topf 2 zu finden – könnten aber noch in Top 1 rutschen.

Sicher nicht im ersten Topf und damit mögliche Gegner des FC Basel wären Teams wie Fenerbahçe Istanbul, Spartak Moskau, Standard Lüttich oder Slavia Prag. (cfe)

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