FC Basel
Alex Wilson analysiert den Oberlin-Sprint - «Meine Fresse, geht der ab!»

Da staunt sogar der momentan beste Sprinter der Schweiz. Dimitri Oberlins Sprint vor dem 2:0 beeindruckt sogar Alex Wilson!

Céline Feller
Merken
Drucken
Teilen
Alex Wilson schaut sich den Sprint von Dimitri Oberlin genau an.

Alex Wilson schaut sich den Sprint von Dimitri Oberlin genau an.

Martin Töng

«Das war doch kein Sprint», sagt Alex Wilson und lacht. Was der schnellste Mann der Schweiz über 100 und 200 Meter meint, ist der Lauf von Dimitri Oberlin, den dieser vor seinem Tor zum 2:0 für seinen FC Basel gegen Benfica Lissabon hingelegt hatte.

Es war der Moment des Abends. Auch wenn es davon viele gab in dieser magischen Champions-League-Nacht im Joggeli, wird die Szene des erst 20-jährigen Oberlin wohl am längsten haften bleiben. Nach einem Eckball von Benfica köpfte das Geburtstagskind den Ball mit einer unglaublichen Wucht aus dem eigenen Strafraum zu Renato Steffen, dieser rannte mit dem Ball am Fuss in Richtung gegnerisches Tor. An ihm vorbei zog in der Mitte Oberlin, mit phasenweise Höchsttempo 37 km/h (gemessen von der Uefa), bis vor den Strafraum der Portugiesen, wo er den Ball von Steffen zurückbekam und diesen per Beinschuss zum 2:0 versenkte. 95 Meter war Oberlin unaufhaltsam von Strafraum zu Strafraum gerannt. Als wäre er ein Sprinter. «Gegen einen echten Sprinter hätte er aber keine Chance, sorry. Da müsste er vieles anders machen», sagt Wilson.

Kommts zum Direktvergleich?

Wirklich? Irgendwann ist sich Wilson nicht mehr sicher, was er da gesagt hat. Schliesslich war er nicht im Stadion, hat nur Ausschnitte der denkwürdigen Partie gesehen. Nachdem er sich dann die Szene noch mal anschaut, gibt er zu: «Okay, ich muss meine anfänglichen Worte zurücknehmen. Der ist ja abgegangen! Meine Fresse!» Der beste Schweizer Sprinter ist plötzlich beeindruckt. Und wie. «Für einen Fussballer macht er das perfekt.

Da kann man gar nicht mehr viel dazu sagen», fällt die Stilstudie aus. Woher Oberlin das hat? «Das hat er natürlich mir abgeschaut!» Ist Oberlin denn so gut, dass er mit Wilson mithalten könnte? Dieser wiegelt ab, auch wenn er den Jungen nicht desillusionieren wolle. Oberlins Spitzentempo wurde wohl nur auf einer Kürzest-Distanz erreicht, während Wilson über länger Phasen seiner Sprints auf zirka 40 Stundenkilometer komme, wie er erklärt. Usain Bolt, der Übersprinter und schnellste Mann der Welt, erreichte bei seinem Lauf zu Olympia-Gold über 100 Meter im Jahr 2008 gar unglaubliche 43,9 km/h.

Aber zurück zu Wilson und Oberlin. Ein Laufduell zwischen den beiden wäre spannend. So spannend, dass es sich der eine oder andere sogar wünscht. Sein Management winkt ab, bevor es Wilson überhaupt fragt, ob er Lust darauf hätte. Und dieser wiederum sagt: «Wieso sollte ich das tun?» Oberlin habe nun Aufschwung, und den wolle er nicht bremsen, indem er ihm um die Ohren laufe und die Show stehle.