Super League
30 Minuten näher am alten Ich: FCB zeigt beim 3:1 über GC eine ideale Startphase – und bekannte Probleme

Der FC Basel zeigt im Spiel gegen GC eine perfekte Startphase und erspielt sich innert 17 Minuten einen Drei-Tore-Vorsprung. Danach aber zeigt der FCB auch bekannte Probleme.

Céline Feller
Merken
Drucken
Teilen
Nach überstandener Verletzung zurück in der Startelf, spielt Eder Balanta (Mitte) als Sechser stark auf und krönt seine Leistung mit dem Tor zum 2:0.

Nach überstandener Verletzung zurück in der Startelf, spielt Eder Balanta (Mitte) als Sechser stark auf und krönt seine Leistung mit dem Tor zum 2:0.

Keystone

Ob es nun zwanzig oder dreissig Minuten waren, darauf konnten sich die Beteiligten am Ende nicht ganz einigen. Übereinstimmend war aber die Meinung aller: In den ersten zwanzig oder eben dreissig Minuten des Spiels zwischen GC und dem FC Basel zeigte Letzterer eine sehr gute Leistung.

Nachdem die ersten Minuten noch dem Gastgeber aus Zürich gehörten, drehte die Partie noch schneller, als in der Folge der FCB den Sack zumachen sollte. Lediglich elf Minuten brauchten die Basler, um 3:0 zu führen. In der sechsten Minute lancierte Kevin Bua Albian Ajeti, dieser legte zurück auf Luca Zuffi, der nur noch einschieben musste. Fünf Minuten später zirkelte Bua einen Eckball auf den Kopf von Eder Balanta, der mit der ihm eigenen Wucht einköpfte. 2:0. Und erneut nur sechs Minuten später schickte Taulant Xhaka Ajeti in den Strafraum, wo ihm der Ball von seinem Bruder zwar weggegrätscht, aber nicht geklärt wurde.

Ricky van Wolfswinkel profitierte und erhöhte auf 3:0. Ein Resultat, das in dieser Höhe absolut gerechtfertigt war. Die Basler zündeten ein Startfeuerwerk wie lange nicht mehr. Sie agierten zielstrebig, schnell, mit schönen Kombinationen, ohne zu verspielt zu sein – und mit dem unbedingten Willen, nach dem so enttäuschenden 1:1 gegen Xamax von letzter Woche eine Reaktion zu zeigen. Dass dies gleich so eindrücklich glücken würde, durfte nicht erwartet werden. Vor dem Spiel appellierte Sportchef Marco Streller an die Mentalität seiner Mannschaft. «Dass wir nicht in der Lage sind, Champagner-Fussball zu spielen, wissen wir. Deshalb muss Mentalität auf das Feld gebracht werden.»

«So etwas habe ich lange nicht mehr gesehen»

An ebendieser mangelte es den Baslern in der Startphase definitiv nicht. Sie überzeugten in allen Belangen. «Hervorragend» bezeichnete Jonas Omlin, der erstmals seit über zwei Monat wieder im Tor stand, die ersten 30 Minuten. «So etwas habe ich von dieser Mannschaft lange nicht mehr gesehen.» Tatsächlich hätte der FCB in dieser Phase gegen ein überfordertes, nicht kompakt und falsch stehendes GC noch mehr herausholen können.

In der Folge überliess der FCB GC immer mehr die Spielanteile. Die Basler konzentrierten sich darauf, in der Defensive keine Fehler zu begehen und endlich die Null zu halten. Weil sich die Basler zurückzogen und GC das Spieldiktat nicht übernehmen konnte, wurde es zunehmend ereignisarm. In der 67. Minute hätte Fabian Frei den endgültigen Schlussstrich ziehen können, der Captain verschoss jedoch einen Elfmeter. Stattdessen gelang den Hoppers der aus Sicht der Basler absolut unnötige Anschlusstreffer. Unnötig, weil der FCB somit seit mittlerweile 18 Spielen auf eine Partie ohne Gegentor wartet. Und weil GC damit noch einmal Aufwind bekam. Am Ende aber gehörten den Hoppers einzig die ersten drei sowie die letzten drei Minuten und die Überlegenheit punkto Ballbesitz.

Der überraschende Tausch

Aus dem Spiel heraus liess der FCB nämlich so gut wie nichts zu. Dies war auch der Aufstellung zu verdanken. Trainer Marcel Koller nominierte Taulant Xhaka erneut an der Seite von Eray Cömert und scheint damit eine gute Lösung gefunden zu haben. Und auch die Nomination Eder Balantas auf der Sechs – wie das schon auswärts gegen Arnheim der Fall gewesen war – zahlte sich aus. Koller wollte vom «Hengst», wie er Balanta nannte, Präsenz, Power und Feuer sowie dass er seine Mitspieler mitreisst. Genau das hat Balanta getan. Doch auch wenn der FCB verdient den zweiten Auswärtssieg hat einfahren können, gibt es Kritikpunkte. In der 2. Halbzeit hat er jene Konsequenz aus der ersten vermissen lassen. Dies bemängelte Koller nach dem Spiel. «Wenn wir oben dabei sein wollen, müssen wir das bis zum Schluss durchziehen. Dieses Bewusstsein haben noch nicht alle.»

Der FC Basel hat sich mit diesem 3:1 aufgerappelt. Wie nach einer Grippe aber bleiben die Restsymptome lange in den Knochen stecken. Von einer hundertprozentigen Leistungsfähigkeit über 90 Minuten sind die Basler weit weg. Noch läuft die Phase der Regeneration. In dieser kann auch nicht verborgen werden, wie kleine Rückschläge wie ein Gegentor die Krankheitssymptome zurückbringen können. Gleich ist das Team wieder verunsichert, überhastet, nervös. Im Prozess der Besserung «tut dieses 3:1 gut», sagt Frei. Bis der FCB aber wieder ganz gesund, das noch immer fragile Selbstverständnis wieder da und der FCB wieder jener FCB aus alten Tagen ist, «dafür braucht es noch Zeit».