EM 2016
Bale oder Ronaldo? Heute kann es nur einen geben!

Der Halbfinal zwischen Wales und Portugal steht im Zeichen der Real-Teamkollegen Bale und Ronaldo, den beiden teuersten Spielern der Welt.

Markus Brütsch, Paris
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m Team von Real Madrid haben Gareth Bale (links) und Cristiano Ronaldo gemeinsam den Sieg in der Champions League bejubelt, im Nationaltrikot kann heute aber nur einer feiern.

m Team von Real Madrid haben Gareth Bale (links) und Cristiano Ronaldo gemeinsam den Sieg in der Champions League bejubelt, im Nationaltrikot kann heute aber nur einer feiern.

KEYSTONE/EPA EFE/JUAN CARLOS HIDALGO

Werden die beiden das Trikot tauschen? Man könnte glauben, diese Frage sei wichtiger als jene nach dem Sieger. Selten ist ein Spiel eines grossen Turniers so sehr auf zwei Spieler reduziert worden, wie die Halbfinalpartie Ronaldo gegen Bale in Lyon. Dabei treffen eigentlich Portugal und Wales aufeinander, die turniererfahrenen Iberer und die forschen Debütanten von der Insel. Aber Fakt ist eben auch, dass sich die zwei teuersten Spieler begegnen, die beide bei Real Madrid angestellt sind, dort die Flügelpositionen besetzen und schon zwei Mal zusammen die Champions League gewonnen haben.

Doch besonders spannend ist das nicht. Viel reizvoller ist es doch, etwas Pfeffer auf die Affiche zu streuen und den beiden Stürmern eine Feindschaft anzudichten. Eine englische Boulevardzeitung hat deshalb just vor dem Duell der beiden Weltstars die alte Eifersuchtsstory ausgegraben, die Ronaldo nach Bales Ankunft im Bernabeu initiiert haben soll. Der portugiesische Platzhirsch habe den Waliser gemobbt und dieser habe deshalb einen Sportpsychologen aufgesucht, schrieb «Daily Mail». Allerdings hat der frühere Real-Trainer Carlo Ancelotti in einer Dokumentation nichts von einer Kluft zwischen den beiden wissen wollen und erklärt, die beiden verstünden sich gut.

Wie auch immer. Wenn sich Bale und Ronaldo nicht zum Nachtessen einladen und nicht gemeinsam mit ihren Familien in die Ferien reisen, bedeutet dies noch lange nicht, sie könnten einander nicht ausstehen. Es gibt sogar die Meldung aus Spanien, Ronaldo sei einer der ersten Stars von Real gewesen, der Bale im Trainingszentrum in Valdebebas willkommen geheissen habe. Auf dem Platz jedenfalls waren nie irgendwelche Animositäten zu beobachten.

Interessanter ist die Frage, wer denn eigentlich der wertvollere Spieler sei. Ginge es nur nach der Transfersumme, hätte Bale die Nase vorn: Real Madrid hatte für Ronaldo 94 Millionen Euro an Manchester United, für Bale jedoch 101 Millionen an Tottenham überwiesen. Doch das ist viel zu kurz gegriffen.

Was stimmt: Bale hinterlässt in Frankreich den frischeren Eindruck als Ronaldo. Dies ist damit zu erklären, dass der Waliser wegen einer hartnäckigen Verletzung bei Real weniger im Einsatz stand als Ronaldo, der sich zudem am Ende der Saison noch eine Muskelverletzung zugezogen hatte.

Tatsache ist jedoch auch, dass der viereinhalb Jahre ältere Ronaldo und dreifache Weltfussballer im Vergleich mit Bale einen ungleich höheren Leistungsausweis besitzt. Dies, obwohl Bale bei seinem Debüt in der Premier League sogar fünf Monate jünger war als Ronaldo. Doch dieser sammelte mit ManUnited und Real bisher 18 Titel, dagegen sehen die fünf von Bale bescheiden aus. Wie auch die 141 Tore des früheren Aussenverteidigers gegenüber 547 Treffern Ronaldos. Dass dieser in fünf Direktbegegnungen im Verein – die Nationalteams standen sich vor 16 Jahren letztmals gegenüber – vier Mal gegen Bale gewann und noch nie verlor, hängt viel damit zusammen, dass seine Teams jeweils besser besetzt waren als Tottenham.

Was auffällt: Obwohl beide in ihren Länderteams die absoluten Superstars sind, stellen sie sich bedingungslos in den Dienst der Mannschaft. Ist dies vom bodenständigen Bale so erwartet worden, so führt sich auch Ronaldo alles andere wie eine Diva auf. Gegen Polen war zu beobachten, wie er sich nach einem eigenen Ballverlust nicht zu schade war, dem Balldieb über fünfzig Meter nachzujagen.

«Ronaldo ist ein fantastischer Spieler, jeder weiss, was er leisten kann», sagt Bale. «Aber das Spiel heute ist nicht Ronaldo gegen Bale, sondern Portugal gegen Wales. Und wenn ich an Griechenland und Dänemark denke, warum sollten nicht auch wir eine solche Überraschung schaffen?»

Weil Ronaldo etwas dagegen hat. «Der Traum wird konkret, wir wollen Europameister werden», sagt der 31-Jährige. Wird er aber mit Bale das Trikot tauschen?