FC Luzern

Babbel hängt in den Seilen

Die Luzerner Spieler schleichen vom Platz, die Fans machen auf der Tribüne deutlich, dass ihre Stimmung im Keller ist.

Die Luzerner Spieler schleichen vom Platz, die Fans machen auf der Tribüne deutlich, dass ihre Stimmung im Keller ist.

Fussball Das 2:5 gegen YB ist für den FC Luzern die fünfte Niederlage in Folge

In den nächsten Tagen wird Walter Stierli von seiner Südamerika-Reise in die Schweiz zurückkehren. Man kann nur
hoffen, dass der Ehrenpräsident des FC Luzern während der Kreuzfahrt seine Batterien geladen und frische Kräfte gesammelt hat. Die Realität rund um den kriselnden Klub dürfte Stierli schnell einholen. Es herrscht Alarmstufe rot: Mit Bernhard Alp-
staeg soll der wichtigste Mäzen des Zentralschweizer Super-Ligisten Stierli nämlich bereits zu einer Unterredung unter vier Augen gebeten haben.

Druck macht Babbel zu schaffen

Über den Inhalt des Gesprächs von Stierli und Alpstaeg kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren. Ein Thema dürfte zweifellos Trainer Markus Babbel sein. Ob der Deutsche am nächsten Samstag im Heimspiel gegen Lugano noch an der Seitenlinie stehen wird, muss bezweifelt werden. Schliesslich geht es im
Abstiegskampf langsam, aber sicher ans Eingemachte. Babbel hängt nach dem
miserablen Start in die zweite Saisonhälfte buchstäblich in den Seilen. Unter Druck unterlaufen dem Bayer mehr und mehr Fehler. Wie schon bei der 1:2-Heimpleite im Cup gegen Lugano am vergangenen Mittwoch verzichtete Babbel auch gegen die Young Boys auf die Kreativspieler
Markus Neumayr und Jakob Jantscher. Und was hat sich Babbel wohl gedacht, als er François Affolter und Nicolas Haas als Sechser vor die Viererabwehrkette gestellt hatte? Beide waren auf dieser Position
völlig überfordert.

Es ist unklar, wie lange Babbel noch am Ruder ist. Klar ist jedoch, dass der FC Luzern die Young Boys seit dem Rückrundenauftakt in der Rolle des Prügelknaben
abgelöst hat. Das 2:5 war für die Zentralschweizer die fünfte Niederlage in der Meisterschaft in Serie.

Dass man gegen die Berner vier Treffer nach Standardsituationen kassiert hat, sagt vieles über die Zerfallserscheinungen innerhalb des Teams aus. «Es kann nicht sein, dass wir drei Tore nach Eckbällen und einen Treffer nach einem Einwurf kassieren», sagte Torhüter David Zibung. «Wir verlieren zu viele Zweikämpfe im Strafraum.» Babbel sprach während seiner Spielanalyse davon, dass seine Spieler zu lieb, zu nett und zu brav seien. «Das Ganze ist eine Charaktersache», erklärte der deutsche Trainer. «Es fehlt die Gier, zu verteidigen. Es ist an der Zeit, dass sich alle zur Wehr setzen. In dieser schwierigen Situation muss jeder Verantwortung übernehmen.»

Hoarau mit Mustervorführung

Dass der FC Luzern Moral gezeigt und aus einem 0:2 ein zwischenzeitliches 2:2 gemacht hat, ist das einzig Positive aus Sicht des Dauerverlierers. YB aber war vor 16 051 Zuschauern auf dem Kunstrasen im Stade de Suisse das klar bessere Team. Der Mann des Spiels heisst Guillaume Hoarau! Der Franzose schoss nicht nur seine Saisontreffer fünf, sechs und sieben, nein, er war beim 2:1 nach Ablauf einer halben Stunde für die grosse Showeinlage verantwortlich. Nach einem Corner von Milan Gajic bezwang Hoarau Luzern-Keeper
Zibung mit einem herrlichen Fallrückzieher aus acht Metern. Und als Luzern zu
Beginn der zweiten Halbzeit drauf und dran war, die Wende zu schaffen, schlug Hoarau erneut zu und markierte das 3:2. YB also schüttelte sich nach den zwei Gegentoren kurz, legte den Schlendrian ab, setzte im Schlussspurt zur Kür an, gab dem FC Luzern den Rest und verbesserte sich auf Kosten von GC auf Rang 2 der Super-League-Tabelle.

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