Eishockey
Auston Matthews spielt die erste Geige bei den Lions

Die Premiere des jungen Amerikaners in der Schweizer NLA ist gelungen. Der 18-Jährige hat sein erstes Tor erzielt. Trotzdem aber ging das Spiel der ZSC Lions gegen Fribourg-Gottéron verloren (3:4 n.P.).

Klaus Zaugg
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Auston Matthews musste sich trotz seines Tors geschlagen geben.

Auston Matthews musste sich trotz seines Tors geschlagen geben.

Keystone

Der Ort und die Zeit werden drüben in Amerika in den nächsten Jahren noch oft erwähnt werden. Am 19. September 2015 erzielt Auston Matthews im Zürcher Hallenstadion um 20.44 Uhr nach 29 Minuten und 37 Sekunden sein erstes Tor im Männerhockey. Es ist das 3:2 gegen Fribourg-Gottéron. Der Bub lenkt den Puck mit leichter Hand an Torhüter Benjamin Conz vorbei ins Netz.

Wann und wo ein Superstar seinen ersten Treffer erzielt hat, wird später gerade von nordamerikanischen Chronisten oft und gerne wiederholt. Er wird nach dem Spiel zu seinem ersten Tor genau das sagen, was von einem Amerikaner erwartet wird. Keine Allüren, alles fürs Team. «Es war ein wunderschöner Pass, ich musste den Puck nur noch ablenken.» Er sei vor seinem ersten Spiel schon etwas nervös gewesen. Aber das Publikum sei grossartig. Dieses erste Spiel sei ein spezielles Erlebnis, auch weil seine Eltern dabei gewesen seien.

Pouliot wie eine Mauer

Auston Matthews hat bei seinem Debut im Zürcher Hallenstadion einen starken Gegenspieler. Gottérons Trainer Gerd Zenhäusern setzt gegen den US-Boy wenn immer möglich den zwölf Jahre älteren, schlauen Defensivfuchs Marc-Antoine Pouliot ein. Der Kanadier kann, wenn er will, fast jeden Gegenspieler neutralisieren.

Auston Matthews erzielt seinen ersten Treffer im Powerplay. Als Marc-Antoine Pouliot auf der Strafbank sitzt. Aber am Ende wird Gottérons Kanadier triumphieren. Er trifft im Penalty-Schiessen. Auston Matthews nicht. Er scheitert an Benjamin Conz.

Die hohe Kunst des Eishockeys

Doch der Amerikaner hat zuvor bei seinem NLA-Debut viel bewirkt. Er hat eine prickelnde, belebende Wirkung auf das eher schematische Spiel der mächtigen Zürcher Hockey-Maschine. Er ist kein Durchreisser. Kein Brecher. Kein Spektakelmacher und erst recht kein Solist, der alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er hat dafür eine Prise Gretzky in seiner Hockeykunst: Er beschleunigt das Spiel, indem er den Puck blitzschnell weiterleitet und dabei hie und da die eigenen Mitspieler überrascht.

Er erahnt, wie einst der grosse Gretzky, das Spiel ein paar Züge zum Voraus. Und nur nebenbei: Auch Gretzky war kein Penalty-Spezialist. Auston Matthews Hockeykunst offenbart sich eher dem Kenner, der die kleinen Feinheiten sieht. Er ist Stürmer, der mit der Nagelfeile vollendet und nicht mit der Brechstange knackt.

Wichtigstes Instrument

Der Bub aus Amerika muss nicht das Niveau der Männer um ihn herum erreichen. Vielmehr müssen die Männer in den nächsten Partien noch lernen, die Spielkunst des Buben zu verstehen. Er ist bereits bei seinem ersten Spiel der erste Geiger der Zürcher Hockey-Philharmoniker.

Aber bei diesen Hockey-Philharmonikern fehlte nicht nur gestern die klare Ordnung. Der legendäre Dirigent und Komponist Robert Schumann, der etwas von der Abstimmung eines Orchesters verstand, hat einmal gesagt: «Wenn alle die erste Geige spielen wollen, kommt kein Orchester zusammen.» Erst im Verbund mit dem Orchester kann der erste Geiger richtig glänzen. Eine Geige allein klingt schön und gut, aber erst zusammen mit dem ganzen Orchester ergibt sich die Magie der Musik.

Noch viel dahinter

Und so haben wir gestern erst die Magie des ersten Geigers aus Amerika in ein paar lichten Momenten aufblitzen sehen – die Magie des Mannschaftsspiels aber noch nicht. Auston Matthews muss auch einen Minus-Treffer (zum 2:1) hinnehmen. Er ist unschuldig. Einer im Orchester (Torhüter Lukas Flüeler) verpasste seinen Einsatz genauso wie beim haltbaren zweiten Gegentor.

Und so kommt es, dass die Zürcher Philharmoniker schliesslich nachsitzen müssen. Sie verlieren das Penalty-Schiessen. Nur Robert Nilsson trifft. Den 10. und letzten und entscheidenden Penalty verwertet Sakkari Salminen. Er ist Gottérons erster Geiger in einem besser abgestimmten Orchester.
Es bleibt viel Arbeit für den grossen ZSC-Dirigenten Marc Crawford.