Aufstiegskampf
Carlos Berneggers ganz spezielles Fernduell mit den Grasshoppers

Der Trainer des FC Thun hat eine lange Vergangenheit bei den Zürchern, möchte diesen nun aber den Direktaufstieg wegschnappen. Heute Freitag empfangen die Berner Oberländer in der zweitletzten Runde der Challenge League den FC Aarau.

Markus Brütsch
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Ein Trainer mit Emotionen: Carlos Bernegger möchte mit dem FC Thun aufsteigen.

Ein Trainer mit Emotionen: Carlos Bernegger möchte mit dem FC Thun aufsteigen.

Freshfocus

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Nach dem harterkämpften 1:0-Sieg am Dienstag in der Stockhorn-Arena gegen Schaffhausen war beim FC Thun Regeneration angesagt, bevor es heute Abend mit dem Heimspiel gegen den FC Aarau weitergeht. «Auch er wird uns alles abverlangen», ist sich der Thuner Trainer Carlos Bernegger sicher. Mit einem Punkteschnitt von 1,94 ist der schweizerisch-argentinische Doppelbürger der erfolgreichste Coach der laufenden Challenge-League-Saison. Doch Leader ist Thun dennoch nicht, weil Bernegger die Mannschaft nach dem verkorksten Saisonstart erst nach der dritten Runde übernommen hatte.

Aber zwei Runden vor Schluss punktgleich mit Tabellenführer GC auf Rang 2 zu stehen, ist für die Oberländer doch viel mehr, als noch vor wenigen Wochen möglich schien. Nach einer 1:3-Auswärtsniederlage gegen GC lagen sie sieben Punkte hinter den Zürchern zurück und der Barrageplatz schien das einzige noch realistische Ziel zu sein. Doch als der Rekordmeister schwächelte und drei Mal in Serie verlor, war der FC Thun parat, schloss punktemässig auf und möchte GC nun den Direktaufstieg wegschnappen.

Der Trainerwechsel wird bei GC etwas auslösen

Die Hoppers treten heute bei Xamax an und empfangen am nächsten Donnerstag Kriens, Thun reist dann nach Wil. Bernegger glaubt indes nicht, dass sein Team das Momentum auf seiner Seite habe. «Der Trainerwechsel wird bei GC etwas auslösen», rechnet der 52-Jährige damit, dass Zoltan Kadar und Ricardo Cabanas Blau-Weiss Auftrieb verleihen. Für Bernegger steht das Fernduell vor einem besonderen Hintergrund. «Weil ich lange in verschiedenen Funktionen bei GC war und als Assistent von Marcel Koller Meister geworden bin, ist diese Ausgangslage für mich schon etwas ganz Spezielles», sagt Bernegger. Und:

«Ich habe GC viel zu verdanken. Es ist noch immer viel Empathie da. Aber natürlich investiere ich nun alle Energie in den FC Thun.»

Der direkte Wiederaufstieg wäre eine grosse Sache für die Berner. Trotz einer starken Rückrunde waren sie in der letzten Saison in die Barrage verwiesen und vom FC Vaduz zum Abstieg verurteilt worden. Sie hatten an Trainer Marc Schneider festgehalten, doch nach dem schwachen Saisonstart mit nur einem Punkt aus drei Spielen hatte dieser den Rücktritt gegeben und den Weg für Bernegger freigemacht. «Es war zu spüren, dass es hier personell und strukturell grosse Veränderungen gegeben hatte», sagt Bernegger. Präsident Markus Lüthi war zurückgetreten und später von Sportchef Andres Gerber beerbt worden. Für diesen war Dominik Albrecht nachgerückt.

«Der Aufstieg ist für uns kein Muss», will Bernegger Druck von seinem Team nehmen. Er weiss: «Der mentale Aspekt spielt nun eine entscheidende Rolle.» Aber klar würde bei den Thunern keiner Nein sagen, sollte es klappen. Sie schafften im März nach vier Niederlagen die Wende und zeigen trotz den Ausfällen von Nicolas Hasler und Kenan Fatkic gute Leistungen. Nicola Sutter, Chris Kablan und Saleh Chihadeh sind die Teamleader, das 18-jährige Eigengewächs Daniel Dos Santos hat schon drei Tore geschossen, zuletzt den umjubelten Siegtreffer gegen Schaffhausen. Für Bernegger wäre der Aufstieg der grösste Erfolg in seiner Karriere. Aber er sagt: «Ich bin so oder so ein glücklicher Trainer. Ich kann in Ruhe in einem bodenständigen Verein arbeiten.»