Kantonales Schwingfest
Aufnahme in den legendären 100er-Klub: Ein goldener Kranz für Christoph Bieri

Der 35-jährige Aargauer hat am Aargauer Kantonalschwingfest seinen 100. Kranz gewonnen. 18 Jahre nach der Premiere kam es zum Jubiläum. Christoph Bieri ist erst der 29. Schwinger, der die magische Marke erreicht.

Martin Probst
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Christoph Bieri blickt auf die Tafel, auf der alle seine 100 Kränze vermerkt sind.

Christoph Bieri blickt auf die Tafel, auf der alle seine 100 Kränze vermerkt sind.

Alexander Wagner / FOTO Wagner

Den letzten Strich durfte er selbst auf die Tafel setzen. Dann schritt Christoph Bieri zur Krönung. Er hat es geschafft. Als 29. Schwinger erreichte der 35-jährige Aargauer die magische Marke von 100 Kränzen. 707 Tage lang blieb er bei 99 stehen. Teils selbst verschuldet, «weil ich zuvor so manche Chance liegen gelassen habe, um schon früher den Sack zuzumachen».

Aber vor allem wegen Corona. Eine ganze Saison wurde Bieri geklaut und trotzdem musste er sich fit halten, bereit sein für die nächste Chance. Weil unendlich viele Möglichkeiten würde es nicht mehr geben. Das wusste er. Weil das sein Körper nicht mitmachen würde. Seit Jahren plagen Bieri immer wieder Rückenprobleme.

Ein Kranz so schön wie ein Festsieg

Als er dann am Sonntagmorgen den Kofferraum seines Auto schloss und in den Himmel blickte, «klarte es gerade auf und ich dachte, heute ist ein guter Tag».

Und irgendwie passt es gut, dass Bieri das Jubiläum, diesen Meilenstein, an einem Aargauer Kantonalschwingfest feiert. Kein anderes Fest hat er in seiner Karriere öfter gewonnen. Sechsmal, zuletzt 2016. An 22 Kranzfesten war er insgesamt Sieger und holte an drei Eidgenössischen den Kranz. Und trotzdem ist dieser 100., ein goldener, und zwar im Sinn des Wortes – er wurde vergoldet –, ein ganz spezieller.

Bieris Fanklub hat extra ein Plakat für den Moment drucken lassen. Ob sie es im Gefühl hatten?

Bieris Fanklub hat extra ein Plakat für den Moment drucken lassen. Ob sie es im Gefühl hatten?

Alexander Wagner / FOTO Wagner

«Er ist vergleichbar mit einem Festsieg», sagt Bieri. «Und vor allem macht er mich sehr stolz.» Nur zwei Aargauer zuvor fanden Einlass in den illustren Kreis.

Beide waren gestern in Lenzburg dabei. Matthäus Huber, der für den Schwingklub Aarau aktiv war, obwohl er aus dem solothurnischen ­Eppenberg kommt, als Funktionär des Aargauer Schwingerverbandes. Mario Thürig aus Möriken, der für den Schwingklub Lenzburg an den Start ging, als Kommentator auf Tele M1. Beide haben in ihren Karrieren 103 Kränze gewonnen.

Rekordhalter ist der noch immer aktive Arnold Forrer mit 147 Kränzen. Christian Stucki, der Sieger in Lenzburg, steht bei 129.

Es sind Marken, die Bieri nicht mehr erreichen wird. Ob er überhaupt weitermachen wird, wusste er im Moment des Triumphs nicht. Er sagt:

«Ich werde nun sicher feiern, als ob es mein letztes Fest war. Morgen schauen wir dann weiter.»

Am kommenden Sonntag stünde mit dem Solothurner Kantonalen bereits ein nächstes Fest an. Nur so weit, obwohl es nah ist, will Bieri nicht denken. Stattdessen einfach geniessen.

Die Freiämter nehmen gleich vier Kränze mit nach Hause

Während sich Bieri also dem Ende der Karriere nähert, steht ein anderer noch am Anfang. Der 18-jährige Philip Joho durfte gestern zum ersten Mal überhaupt zur Krönung schreiten. Der erste Kranz in seiner Karriere zeigt, dass dem Schwingklub Freiamt die Talente nicht ausgehen.

Insgesamt vier Schwinger des Vereins erreichten in Lenzburg eine Kranzplatzierung: Die Eidgenossen Joel Strebel (24) und Andreas Döbeli (23) auf den Rängen zwei und drei. Und neben Joho Yanick Klaussner (25), der sich vor dem Neukranzer auf dem siebten Rang klassierte.

Vor einem Jahr war das Aargauer Kantonale in Beinwil geplant, konnte aufgrund von Corona aber nicht durchgeführt werden. Die Freiämter hätten ihr Fest gerne ins Jahr 2021 verschoben, die Organisatoren in Lenzburg waren allerdings nicht einverstanden. Die Geschichte sei vergessen, heisst es. Und sonst sind vier Kränze ein schöner Trost.