Triathlon
Auf in den nächsten Überlebenskampf: Daniela Ryf startet in die Ironman-Saison

Daniela Ryf startet am Sonntag in Südafrika frühzeitig in die Ironman-Saison. Das Ziel der Solothurner Triathletin: Die Qualifikation für die Ironman-WM auf Hawaii. Schmerzen sind dabei vorprogrammiert.

Silvan Hartmann
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Gewohntes Bild: Daniela Ryf hält am Ende eines Ironman das Zielband in die Höhe

Gewohntes Bild: Daniela Ryf hält am Ende eines Ironman das Zielband in die Höhe

KEYSTONE/SIGGI BUCHER

Wenn Ausnahmetriathletin Daniela Ryf am Sonntag vor der Traumkulisse am Nelson Mandela Bay in Port Elizabeth als grosse Favoritin zu ihrem ersten Ironman der Saison startet, dann spürt die 29-jährige Solothurnerin trotz ihrer Erfahrung einen gesunden Respekt vor der Mega-Distanz, die sie während knapp neun Stunden zurücklegen wird: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42 Kilometer Laufen.

Als Amateursportler fragt man sich: Wie schafft man das bloss? «Ein Ironman ist eine Art Überlebenskampf. Während acht, neun Stunden bewegst du dich in einem Bereich, in dem du es gerade noch aushältst. Die Schmerzen sind nie sehr stark, aber dein Körper tut immer ein bisschen weh, und das eben über eine sehr lange Zeit», sagte Daniela Ryf dem «Magazin».

Schmerzen sind ein dauerhaftes Thema im Ausdauersport Triathlon: «Ich würde nie einen Ironman absolvieren, wenn ich nicht trainiert wäre, dann ist er ewig lang und mit unendlich vielen Schmerzen verbunden. Darum denke ich auch bei kleineren Motivationsproblemen oft: Du gehst besser trainieren.»

Eine erste Standortbestimmung

Ryf steigt am Sonntag bei ihrer Südafrika-Premiere in Port Elizabeth, dem insgesamt neunten Ironman ihrer Karriere, ohne grosse Erwartungen ins Rennen: «Einen Ironman-Tag kann man nie planen. Ein Sieg steht dabei nicht im Zentrum. Ich befinde mich inmitten der Aufbauphase, weshalb es vielmehr eine erste Standortbestimmung sein wird. Ich hoffe, dass mein Körper so mitmacht, wie das mein Kopf will», erzählt Daniela Ryf nur wenige Stunden nach ihrem Nachtflug von der Schweiz nach Südafrika gut gelaunt am Telefon.

Bereits mit einem Finish würde sich die 29-Jährige zum vierten Mal für die legendäre Ironman-WM vom 14. Oktober auf Hawaii qualifizieren. «Die Qualifikation steht im Fokus. Ich bin glücklich, wenn ich das bereits so früh in der Saison abhaken kann.»

Bloss ins Ziel kommen? Es klingt fast ein wenig so, als würde sie wie ein Amateursportler, der zum ersten Mal einen Marathon läuft, die Distanz unterschätzen. Doch davon ist Vollblutprofi Ryf selbstredend meilenweit entfernt.

Bereits im Januar zeigte sie zum Auftakt der Triathlon-Serie mit dem Sieg des Ironman-70.3 (Olympia-Distanz) in Dubai, dass sie in Form ist.

Wenige Tage vor der Abreise nach Südafrika kehrte sie von einem intensiven dreiwöchigen Trainingscamp auf Gran Canaria zurück, in welchem sie täglich drei Trainingseinheiten absolvierte: «Ich hatte mit einer Trainingskollegin ein Appartement gemietet. Wir hatten hart trainiert und mussten gegen den Schluss aufpassen, dass wir nichts überstrapazieren.»

Unter einem harten Training versteht sich als Beispiel eine erste Einheit um sieben Uhr morgens mit zwei Stunden Schwimmen. Gelegentlich absolviert sie dieses auf nüchternen Magen, damit ihr Körper lernt, sich auch dann durchzubeissen, wenn er leer ist und signalisiert: «keine Energie».

Ein nächstes Training folgt kurz nach dem Mittag: zehnmal tausend Meter auf der Bahn, Vollgas. Schliesslich steht gegen Abend noch eine Trainingseinheit auf dem Rad an.

Etliche Trainingsstunden, um dem Körper abermals beizubringen, wie Schmerzen auszuhalten sind. Für Ryf, die ihr Hobby längst zum Beruf gemacht hat, ist es mehr als bloss qualvolle Arbeit: «Traumjob» schreibt sie auf ihren Social-Media-Kanälen gelegentlich unter stimmungsvolle Trainingsbilder.

Vielleicht folgt schon bald ein nächstes triumphales Bild aus Südafrika. Ryf: «Ich hoffe, dass ich das Rennen nebst all den Strapazen auch noch ein wenig geniessen kann. Ich habe gehört, es sei ein wunderschönes Rennen.»