Fünfmal in Folge gewann Daniela Ryf zuletzt ihr Heimrennen, den Ironman in Rapperswil. Im vergangenen Jahr hängte sie die Konkurrenz über die Halbdistanz (1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer auf dem Rad und 21 Kilometer Laufen) um 15 Minuten und mehr ab. Und dies, obschon sie zuvor eine längere Pause eingelegt hatte und erst im Frühling ins Training eingestiegen war.

In diesem Jahr hat sie schon zwei Wettkämpfe in Nordamerika bestritten – und natürlich beide gewonnen. «Weil der Aufbau ganz anders war, war die Ungewissheit im vergangenen Jahr grösser. Diesmal habe ich mehr Sicherheit», sagt Ryf. Für die Gegner der Solothurnerin sind das keine guten Nachrichten.

Unschlagbar in Rapperswil

2018 bewältigten nur sechs Männer die Strecke noch schneller als sie. Sie sind denn auch der Massstab der vierfachen Siegerin des Ironman Hawaii. «Sich an die Männer heranzukämpfen und an ihnen vorbeizuziehen – das beflügelt.» Auf Hawaii waren im Marathon nur neun Männer schneller als Ryf.

Aller Unabwägbarkeiten zum Trotz – aus sportlicher Sicht dürfte Ryf auch in Rapperswil nicht zu schlagen sein. Weil es der einzige Heimauftritt ist, geniesst das Rennen gleichwohl eine besondere Aufmerksamkeit. «Vor allem auch, weil meine Fans und meine Familie hier vor Ort sind», sagt sie. «Die Strecke gefällt mir, und sie ist anspruchsvoll.» Rapperswil ist auch der Geburtsort ihrer Karriere auf der Langdistanz.

2014 gab die frühere U23-Weltmeisterin und zweimalige Olympia-Teilnehmerin über die olympische Distanz hier ihr Debüt und liess dabei Olympia-Siegerin Nicola Spirig hinter sich. «Hier wurde meine Karriere so richtig lanciert.» Im gleichen Jahr startete Ryf auch erstmals auf Hawaii und wurde auf Anhieb Zweite.

«Eine Art Trainingswettkampf»

Inzwischen markiert das Heimrennen den Startpunkt für die Vorbereitung auf den Ironman Hawaii am 12. Oktober. Ryf macht daraus kein Geheimnis. «Es ist es eine Art Trainingswettkampf. Es geht darum, ein Stück weiterzukommen. Das Rennen über die Halbdistanz ist ein wichtiges Puzzlestück auf dem Weg nach Hawaii.» Für Ryf ist es nicht nur die Möglichkeit, sich dem Heimpublikum zu präsentieren, sondern auch, um Termine mit Sponsoren wahrzunehmen. Denn die Hälfte des Jahres verbringt sie im Ausland.

Unmittelbar nach dem Heimrennen beginnt für Ryf die intensivste Phase der Vorbereitung auf den Ironman auf Hawaii. Ryf sitzt bereits auf gepackten Koffern. «Bereits am Montag reise ich direkt ins Engadin, wo ich die nächsten vier Monate verbringe.» Im Höhentraining in St. Moritz gibt sie sich den letzten Schliff für den Ironman auf Hawaii, wo sie mit einem Triumph Geschichte schreiben könnte. Nie zuvor hat eine Frau die härteste Ausdauerprüfung der Welt fünfmal in Folge gewonnen.

Längst bewegt sie sich in einer eigenen Welt. In den vergangenen sechs Jahren hat sie nur drei Rennen über die ganze oder die halbe Ironman-Distanz nicht gewonnen. Selbst Wettkämpfe, die alles andere als nach Drehbuch verlaufen, dominiert Ryf nach Belieben. Wie auch bei ihren beiden Siegen in diesem Jahr. Einmal siegte sie trotz Bronchitis, ein anderes Mal trotz Magenproblemen. In bester Ironman-Manier eben.