Der Effiziente
Auf der Überholspur: Lars Forsters unglaublich schneller Weg nach Rio

«Die Nordwestschweiz» porträtiert Sportler, die im Schatten der Superstars stehen. Für sie ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen ein Karriere-Highlight. So auch für Mountainbiker Lars Forster, dessen Teilnahme in Rio vor kurzem noch niemand erwartete.

Kristian Kapp
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Hat Routinier Florian Vogel aus dem Olympia-Team verdrängt: Lars Forster.EQ Images

Hat Routinier Florian Vogel aus dem Olympia-Team verdrängt: Lars Forster.EQ Images

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Lars Forster kam wortwörtlich aus dem Nichts. Denn als 2015 die Selektionsphase der Cross-Country-Mountainbiker für Rio begann, war der 22-Jährige aus Jona gar nicht berechtigt, gegen jene Schweizer Fahrer anzutreten, die ebenfalls um einen Platz an den Olympischen Sommerspielen kämpften. Er fuhr in den Weltcups in der U23-Kategorie, was er zwar äusserst erfolgreich tat, aber eben: Jene Resultate zählten nicht für Rio. Und so blieb Forster 2016 nur ein Monat mit drei Rennen Zeit, um sich zu qualifizieren. Er tat dies äusserst effizient und präzis. Den geforderten Top-5-Rang verpasste er in Australien bei seinem Weltcup-Debüt bei der Elite um einen Platz, beim zweiten Versuch klappte es: Forster wurde in Albstadt Fünfter.

Der Überraschungsmann

So ist Forster nun der Überraschungsmann im Schweizer Mountainbike-Aufgebot nebst den beiden erwarteten Routiniers Nino Schurter und Mathias Flückiger. Auch der St. Galler selbst gesteht: «Richtig konkret wurde für mich die Olympia-Teilnahme erst nach Albstadt.» Automatisch war Forster in Rio auch nach dem Rennen in Deutschland nicht dabei. Denn mit dem 34-jährigen Florian Vogel hatte auch ein vierter Schweizer die Kriterien erfüllt – einer, der bereits 2015 mehrfach Top-5-Ränge realisiert hatte. Die Selektionäre entschieden sich indes für die Jugend Forsters.

Lars Forster hat damit sogar sich selbst überrascht. «Ich bin äusserst zufrieden und über meinen Erwartungen. So macht es Spass.» Für ihn selbst kam der Erfolg aber nicht «aus dem Nichts». Er habe gewusst, dass die Qualifikation für Rio theoretisch möglich sein würde. Vor einem Jahr hatte er sich bei Blicken in die Zukunft als Elite-Fahrer zumindest Top-10-Ränge zugetraut. «Es brauchte im Winter eine Leistungssteigerung.» Dass diese gelang, ist in seinem Alter und bei dem bisherigen Werdegang nicht überraschend: «Bei den Leistungstests im Frühling gehen meine Werte seit Jahren regelmässig nach oben.»

Den Kindheitstraum Olympia wird sich Lars Forster nun bereits früh erfüllt haben. Eigentlich vier Jahre zu früh, denn in seinem persönlichen Plan war immer Tokio 2020 das grosse Ziel. Wie sich ein echtes Profileben als Biker anfühlt, erfährt er indes bereits jetzt. Nach seiner starken letzten U23-Saison wechselte er das Team. Er verliess Wheeler, wo alles etwas familiärer zu- und herging, der Vater auch Mechaniker und die Mutter für die Verpflegung zuständig war. Doch er blieb in der Schweiz, «weil das für mich immer die beste Lösung war». Er fährt nun für BMC und ist damit Teamkollege von Altmeister und Superstar Julien Absalon. Gleich für zwei Jahre konnte der «Rookie» unterschreiben. «Das ist nicht selbstverständlich», sagt Forster. Erstmals weiss er nun auch ein professionelles Management hinter sich. GFC, die Firma von Giusep Fry, die unter anderen auch Nino Schurter betreut, hat ihn im Juni unter Vertrag genommen.

Traumberuf «Bikeprofi»

Forster braucht sich nun quasi um nichts mehr kümmern: «Ich muss nur noch gut trainieren und an den Rennen schnell fahren. Der Rest wird für mich erledigt.» Finanziell geniesst er auch eine Sicherheit. Aus der eigenen Tasche muss der ehemalige Polymechaniker nichts mehr beisteuern. Über finanzielle Aspekte mag Forster nicht reden. Er weiss: Es brauchte den Erfolg, damit ihn seine Berufung nichts mehr kostet. Berufung? Dass er das, was er heute ist, werden wollte, stand früh fest. Mit zehn Jahren schrieb er in der Primarschule in einem Steckbrief unter Traumberuf «Bikeprofi» hin. Auf grossem Fuss lebt er allerdings auch noch nicht. Forster wohnt nach wie vor in Jona im Elternhaus. «Vorerst werde ich da auch nichts ändern», sagt er. «Ich bin schliesslich eh das halbe Jahr unterwegs.»

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