2. Bundesliga
Auf den Spuren von Paderborn: Ingolstadt marschiert in Richtung Bundesliga

Mit dem FC Ingolstadt 04 könnte bald neben Bayern München und Augsburg ein dritter Verein aus dem Bundesland Bayern in der höchsten Spielklasse spielen. Die Erfolgsgeschichte erinnert stark an jene von Bundesligist Paderborn.

Markus Brütsch
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Ralph Hasenhüttl, der Baumeister des Ingolstädter Erfolgs.

Ralph Hasenhüttl, der Baumeister des Ingolstädter Erfolgs.

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Ramazan Özcan? Nie gehört. Benjamin Hübner? Nie gehört. Stefan Wannenwetsch? Nie gehört. Wer das Kader des FC Ingolstadt 04 durchforstet, vermisst bekannte Namen. Einzig Mathew Leckie ist vielleicht ein Begriff, weil der Australier bei der WM in Brasilien dabei gewesen ist. Und natürlich weiss man, wer Hinterseer ist. Aber Hansi, nicht Lukas Hinterseer ...

Immerhin hat dieser Lukas Hinterseer schon sieben Tore geschossen. Er führt damit die interne Torschützenliste an. Der 23-Jährige ist im Sommer von Wacker Innsbruck nach Ingolstadt in die 2. Bundesliga gekommen und der Neffe von Schlagersänger Hansi Hinterseer. Auch hat er unter Marcel Koller schon für Österreich gespielt. Apropos: Neben Goalie Özcan und Stürmer Hinterseer ist auch Ralph Hasenhüttl Österreicher. Und ohne Zweifel mit Sportdirektor Thomas Linke der Baumeister der wundersamen Verwandlung des FC Ingolstadt von einem Abstiegskandidaten in einen Aufstiegsaspiranten.

Als der 47-Jährige im Oktober letzten Jahres Marco Kurz als Cheftrainer ablöste, standen die Oberbayern auf dem letzten Rang. Jetzt, nach einem 2:0-Heimsieg über den 1. FC Kaiserslautern im Spitzenkampf am Sonntag, führen sie die Tabelle nach Abschluss der Vorrunde mit acht Punkten Vorsprung auf den ersten Nichtaufstiegsplatz an. Seit der Einführung der Dreipunkteregel 1995/96 hat am Ende der Saison nur einmal ein Verein mit einer solch starken Bilanz den Aufstieg nicht geschafft. «Zu einem Aufstieg würde ich nicht nein sagen», spricht Hasenhüttl Klartext. «Unbestritten ist, dass er über uns führt.»

Erste Niederlage am 14. Spieltag

Ein paar Fakten verdeutlichen, weshalb die Ingolstädter ganz oben stehen: Sie haben in 9 Heimspielen nie verloren und in 17 Partien lediglich 11 Gegentore kassiert. Sie haben nach einem Führungstor seit 20 Partien nie mehr verloren. Sie haben zehnmal zu null gespielt und sind in der ganzen Hinrunde nur einmal unterlegen gewesen: am 14. Spieltag in Nürnberg beim Debüt von René Weiler als Trainer der Franken. Zuvor hatte Ingolstadt in der Liga saisonübergreifend 19 Auswärtspartien ohne Niederlage überstanden und einen Rekord für diese Liga aufgestellt.

Die Ingolstädter, die unter Thorsten Fink 2008 erstmals in die 2. Bundesliga aufgestiegen waren, überzeugen mit ihrem schnellen Umschaltspiel, wenn sie dank aggressiver Störarbeit dem Gegner wieder einmal den Ball abgenommen haben. Sie sind auch unberechenbar, weil sich die 28 Tore auf zehn verschiedene Torschützen verteilen. Müsste man aus dem ausgeglichen besetzten Team einen Spieler herausheben, dann den 23-jährigen Regisseur Pascal Gross.

Er hat in dieser Vorrunde schon über 200 Kilometer zurückgelegt, drei Treffer erzielt und gleich elfmal eine Torvorlage geliefert. «Wir haben einen Riesenschritt in unserer Entwicklung gemacht», sagt Hasenhüttl. «Wir können nicht nur spielerisch, sondern auch kämpferisch dagegenhalten.»

Viel Erfolg, wenig Zuschauer

Es deutet also vieles darauf hin, dass nach dem SC Paderborn erneut ein Aussenseiter den Sprung in die 1. Liga schafft. Er würde nach dem Abstieg des 1. FC Nürnberg dafür sorgen, dass das Bundesland Bayern neben Bayern München und dem FC Augsburg wieder einen dritten Verein im Oberhaus hätte. Doch in der Donaustadt zwischen München und Nürnberg, immerhin 130 000 Einwohner stark, ist von Euphorie nicht viel zu spüren.

Zwar bedeuteten die 13 359 Zuschauer gegen Kaiserslautern Saisonrekord, doch im Schnitt kommen nur 8099 Fans zu den Heimspielen; lediglich Aalen, der FSV Frankfurt und Sandhausen haben weniger Publikum. Umringt von Traditionsvereinen – auch 1860 München und Greuther Fürth zählen dazu – hat es der FC Ingolstadt schwer, zumal er seit dem Jahr 2004 und der Fusion zwischen dem MTV und dem ESV Ingolstadt noch immer seine Identität sucht.

Doch gut Ding will Weile haben. Der 2006 als Trikotsponsor eingestiegene Autobauer Audi hat die Lust am Investieren nicht verloren. Bisher hat er mit dem Bau des schmucken Stadions (Fassungsvermögen 15 690 Zuschauer) und von Trainingsanlagen viel Geld vor allem in die Infrastruktur gesteckt. Gut möglich, dass Audi für den FC Ingolstadt 04 einmal sein wird, was VW für den VfL Wolfsburg geworden ist: Ein Geldgeber, der einem Verein zu ungeahnten sportlichen Möglichkeiten verhilft. Der traditionsreiche FC St. Pauli könnte morgen im Audi Sportpark einen Vorgeschmack davon bekommen.