Weltcup Oberstdorf

Auch vierte Ränge können entzücken: Cologna und von Siebenthal knapp nebem dem Podest

Nathalie von Siebenthal (im Vordergrund) feierte mit dem vierten Rang das beste Weltcupresultat ihrer Karriere.

Nathalie von Siebenthal (im Vordergrund) feierte mit dem vierten Rang das beste Weltcupresultat ihrer Karriere.

Die Gesichtsausdrücke passten irgendwie nicht zum Resultat. Wer Vierter wird, der hadert normalerweise, dass es ihm nicht aufs Podest gereicht hat. Den Schweizer Teamleadern Dario Cologna und Nathalie von Siebenthal stand hingegen die Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben.

Cologna schlug alle direkten Gegner und baute mit diesem Resultat seine Führung in der Gesamtwertung der Tour de Ski aus, Von Siebenthal feierte gar das beste Weltcupresultat ihrer Karriere.

Entsprechend positiv äusserten sich die beiden zum Rennen und zu den Aussichten für die entscheidenden Etappen. «Ich hatte es recht gut im Griff», lautete Colognas Bilanz mit starker Tendenz zum Understatement. Er hätte auch sagen können, dass er der absolute Chef im Feld war und bei den zwei Zwischensprints als Erster und Zweiter so viele Zeitgutschriften sammelte wie kein anderer Läufer. Auch das ein Indiz für die blendende Verfassung des 31-Jährigen.

Nathalie von Siebenthal war glücklich, dass sie dieses hektische Rennen ohne Zwischenfälle über die Bühne brachte. «Es war einer dieser Wettkämpfe, bei denen man primär darauf schauen musste, wie sich die anderen Athletinnen verhalten. Es war ein riesiges Gedränge und Ellbögeln unterwegs.» Im Normalfall nicht die Stärke der 1,59 m kleinen und 50 kg leichten Berner Oberländerin.

Hoffen auf den Schlussaufstieg

Man musste damit rechnen, dass sich von Siebenthal in einem derart kompakten Feld und einer Strecke ohne nennenswerte Schwierigkeiten nur mit Mühe würde behaupten können. Lange hielt sich die 24-Jährige auch beängstigend weit hinten im Pulk auf. Doch auf der zweitletzten Runde fand sie auf der langen Fläche eine freie Aussenbahn. «Während die anderen in der Hocke blieben, habe ich mit ein paar Stockeinsätzen viele Athletinnen überholt», freute sich von Siebenthal.

Auch im Endkampf liess sie sich nicht abschütteln, was sie auf die gute Form zurückführt. «Ich bin sehr zufrieden. Jetzt hoffe ich, dass ich gesund bleibe und den Schlussaufstieg auf die Alpe Cermis etwas schneller zurücklege als in den vergangenen beiden Jahren.» Bei der Tour de Ski 2017 lag von Siebenthal zwar als Gesamtachte besser im Rennen als nun auf Platz 11. Doch die starken Leistungen verlangten damals ihren Tribut und in ihrer vermeintlich stärksten Sparte, dem steilen und langen Anstieg, enttäuschte sie. Diesmal scheinen die Aussichten besser, auch weil die Abstände bis zur fünftplatzierten Finnin Kerttu Niskanen knapp sind.

Turbulente Szenen

Auch bei den Männern kam es im Massenstartrennen in Oberstdorf zu vielen turbulenten Szenen. Es herrschte unterwegs ein Gedränge wie in den Sommerferien am Strand von Rimini. Vor allem die russischen Athleten waren immer wieder in Stürze verwickelt, so auch die drei Trümpfe Ustjugow, Bolschunow und Tschervotkin. Für die Konkurrenz lautete deshalb die beste Taktik, sich ja nicht zu nahe bei den Russen aufzuhalten. Dario Cologna gelang dies gut.

Mit Ausnahme eines Stockbruchs in der vorletzten von sechs Runden blieb er – teilweise nur knapp – von Zwischenfällen verschont. «Die Russen sind manchmal ein wenig hektisch unterwegs. Sie gehen ab und zu kopflos zu Werk», sagte der Schweizer schmunzelnd zur Sturzorgie der Konkurrenz. «Es war eine zu einfache Strecke für eine Selektion. Umso mehr musste man bei den Bonussprints unterwegs dabei sein. Dort konnte man die grössere Zeitdifferenz machen als im Ziel», sagte Dario Cologna zu seiner Taktik, die «sehr gut aufgegangen sei».

Die misslichen Bedingungen im strömenden Regen machten dem Bündner nichts aus. Er wäre auch gerne den Klassisch-Sprint gelaufen. «Ich hätte mir in der momentanen Form auch da durchaus etwas ausgerechnet.» Deshalb sieht er sich auch nicht als Profiteur der sturmbedingten Absage.

Doch noch ein wenig Wehmut

Bei allem Optimismus, den die beiden Schweizer Aushängeschilder vor den zwei letzten Etappen der Tour de Ski versprühten, kam ganz am Schluss des jeweiligen Fazits doch noch ein Hauch Wehmut über den verpassten Podestrang auf. Nathalie von Siebenthal wurde im letzten Aufstieg vor dem Ziel von der Schwedin Maria Nordström ausgebremst. «Ich glaube, ich wäre im Kampf um die Podestplätze nicht chancenlos gewesen», mutmasste sie.
Auch Cologna sah sich im entscheidenden Moment etwas eingeklemmt.

Es war die einzige taktische Fehlentscheidung des dreifachen Olympiasiegers, der ansonsten stets im richtigen Moment vorne im Feld präsent war. Auch nach dem hauchdünn gegen Martin Johnsrud Sundby verlorenen ersten Zwischensprint reagierte Cologna taktisch brillant und wählte beim zweiten Spurt die schnellere Innenbahn. «Ich fühlte mich gut und wollte eigentlich auch um den Tagessieg mitreden», sagte der Bündner im Ziel.

Im letzten Aufstieg wählte er den Rücken des langjährigen Konkurrenten Sundby. «Er war unterwegs sehr aktiv, machte auf mich einen spritzigen Eindruck», begründete Cologna seine Entscheidung, «aber Sundby war leider das falsche Hinterrad».

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