Olympia
Auch Tokio kämpft schon jetzt mit vorolympischen Pannen

Ausufernde Kosten, ein offensichtlich geklautes Logo und kein Platz fürs olympische Feuer im Stadion - die Vorbereitungen für die Sommerspiele 2020 in Tokio laufen auch nicht gerade rund.

Merken
Drucken
Teilen
So soll das von Zaha Hadid designte Olympiastadtion für die Spiele 2020 in Tokyo aussehen.. Das Fassungsvermögen des Hauptstadtions beträgt 80000 Menschen.

So soll das von Zaha Hadid designte Olympiastadtion für die Spiele 2020 in Tokyo aussehen.. Das Fassungsvermögen des Hauptstadtions beträgt 80000 Menschen.

Keystone

Wo steht eigentlich die Schale für das Feuer? Die Architekten des Stadions von Tokio haben schlicht vergessen, einen Platz für das wichtigste olympische Symbol einzuplanen. Aufgefallen war es im vergangenen März.

Gut, es sind noch vier Jahre, bis am 24. Juli 2020 im Olympiastadion die Flamme entzündet wird. Doch die Panne zeigt, dass sieben Jahre für Gastgeber Olympischer Spiele letztlich wenig Zeit sind. Und wenn dann noch wegen möglicher Schmiergeldzahlungen bei der Vergabe ermittelt wird, ist der anfängliche Jubel endgültig verflogen.

Heidi Diethelm zielt – schiesst – und trifft. Die 47-jährige Kauffrau begann erst 2003 mit dem Schiessen. Fünf Jahre später stieg sie bereits ins Nationalkader ein.
14 Bilder
Mit ihrer Bronzemedaille im Sportpistole 25 Meter brach sie schon am vierten Tag den Edelmetall-Fluch für die Schweiz. Sie gewann 2014 sowohl die Schweizer- als auch den Weltcup mit der Sportpistole. Ausserdem 2013 die Europameisterschaften.
Nur ein Tag später tritt Fabian Canellara zu seinem letzten Rennen an. Der 35-Jährige gewann bereits 2008 die Olympische Goldmedaille im Zeitfahren – und war von 2006 bis 2010 vier Mal Weltmeister im Zeitfahren.
Er überzeugt vollkommen und beschert der Schweiz Olympia-Gold. Zwischen Ihm und dem Zweitplatzierten, Tom Dumoulin, lagen stolze 47 Sekunden.
Der Schweizer Leichtgewichts-Vierer rudert sich tags darauf zu einer weiteren Gold-Medaille. Noch vor vier Jahren, an den Olympischen Spielen in London, lag das Ruderteam lediglich auf Platz fünf.
Lucas Tramèr, Mario Gyr, Simon Schürch und Simon Niepmann holen damit die dritte Medaille für die Schweiz. Für den Schweizerischen Ruderverband ist es jedoch bereits die siebte Goldene die sie von den Olympischen Spielen mit nach Hause nehmen kann.
Trotz des frühen Out von Timea Bacsinsky im Einzel, zeigte sie im Doppel, zusammen mit Martina Hingis, eine solide Leistung. Nachdem Hingis ursprünglich mit Bencic im Doppel und mit Roger Federer im Mixed antreten hätte sollen – beide aber verletzungsbedingt Forfait gaben – Bacsinsky rückte als Doppel-Partnerin nach.
Auch wenn sie sich im Finale gegen Russland geschlagen geben müssen, so bleibt ihnen trotzdem eine Silbermedaille für die Schweiz. Hingis gewann in ihrer langen Karriere, abgesehen vom French Open im Einzel, jedes der vier Grand Slam-Turniere – sowohl im Einzel, im Doppel als auch im Mixed. Für Bacsinsky ist der zweite Platz an den Olympischen Spielen der bisherige Karriere-Höhepunkt.
Turn-Sternchen Giulia Steingruber qualifiziert sich gleich für drei Finals. Bei ihrer Paradedisziplin, dem Sprung, springt sie auf den Schweizer Turnolymp. Nachdem sie bereits zwei Europameister-Titel an der heimischen Meisterschaft in Bern holte – am Sprung und am Boden – waren die Erwartungen an Steingruber hoch.
Sie holt das erste Olympia-Edelmetall im Turnen seit 1996 – und ist die erste Turnerin, welche an den Olympischen Spielen eine Medaille gewinnt. Die Turnerin durfte bereits bei den Eröffnungsspielen die Schweizer Fahne tragen und zeigte, abgesehen von zwei Stürzen am Sprung, eine sehr solide Leistung an den Olympischen Spielen in Rio.
In Rio musste sich Nicola Spirig nur gegen die US-Amerikanerin Gwen Jorgensen geschlagen geben. Ihren ersten Titel gewann die Zürcherin bereits 1999: Sie gewann die ETU Europameisterschaft in Portugal. Ausserdem gewann Spirig 2001 den Junioren-Weltmeistertitel sowie 2003 den U23-Weltmeistertitel. Von 2009 bis 2015 wurde sie nochmals fünf Mal Europameisterin.
Sie konnte zwar nicht an die Leistungen aus London 2012 anknüpfen, dort gewann sie Gold, zeigte trotz allem eine herausragende Leistung. Mitstreiterin Jolanda Annen erreichte einen starken 14. Rang.
Schon vor dem Rennen wurde bekannt gegeben, dass Mountainbiker Nino Schurter die Schweizer Fahne an der Schlussfeier tragen wird. Doch nicht nur deswegen hatte er Grund zu Jubeln.
Nach Bronze 2008 in Peking, Silber 2012 in London, was fehlte da? Richtig. Gold in Rio! Die Schweiz hat somit an den Olympischen Spielen in Rio drei Mal Gold, zwei Mal Silber und zwei Mal Bronzemedaillen gewonnen.

Heidi Diethelm zielt – schiesst – und trifft. Die 47-jährige Kauffrau begann erst 2003 mit dem Schiessen. Fünf Jahre später stieg sie bereits ins Nationalkader ein.

KEYSTONE/AP/EUGENE HOSHIKO

Auch Rio de Janeiro musste schmerzlich erfahren, dass die Wirklichkeit anders aussieht als die Bilder im fröhlichen Werbevideo. Hoffnungsvoll gestartet in einem aufstrebenden Brasilien, fehlte es Rio Monate vor der feierlichen Eröffnung am Nötigsten: Wettkampfstätten wurden erst auf den letzten Drücker fertig, im olympischen Dorf erlebten die Athleten Pfusch am Bau, das Geld reichte vorne und hinten nicht. Doch wer konnte die schwere politische und wirtschaftliche Krise des Landes vorausahnen?

Auch Tokio erlebt nun die Mühen der Ebene. Die japanische Hauptstadt hatte sich am 7. September 2013 bei der Wahl in Buenos Aires gegen Madrid und Istanbul durchgesetzt. Seit französische Ermittler auf verdächtige Zahlungen von rund 1,8 Millionen Euro rund um die Vergabe stiessen, hat Tokio ein echtes Imageproblem. Nur zögerlich reagierten Nationales Olympisches Komitee und Regierung, bis eine Untersuchung in Gang kam.

Ärger ums Olympiastadion

Noch hat der Präsident des Organisationskomitees, Yoshiro Mori, Zeit, Makel von den Spielen zu nehmen und die Pannen abzustellen. Der Ärger rund ums Olympiastadion zeigt die Tücken. Der im Dezember beauftragte Architekt Kengo Kuma wehrte sich, eine Feuerschale sei bei der Ausschreibung gar nicht erwähnt worden.

Sein Entwurf war ausgewählt worden, nachdem Premierminister Shinzo Abe im Juli 2015 die Pläne der irakisch-britischen Architektin Zaha Hadid aus Kostengründen verworfen hatte. Hadids Projekt sollte schätzungsweise 252 Milliarden Yen (2,4 Milliarden Franken) kosten - fast doppelt soviel wie zu Anfang geplant, das Projekt des japanischen Architekten dagegen nur 149 Milliarden Yen (1,42 Milliarden Franken).

Schon jetzt sind die Bauarbeiten in Verzug. Geht es nach Kumas Büro, sollen sie bis November 2019 beendet sein - zwei Monate vor dem vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geforderten Termin und sieben Monate vor Beginn der Spiele, den zweiten in Tokio nach 1964. Doch daraus wird wohl nichts wegen der Verzögerungen rund um den Architektenwechsel.

Re-Design des Olympia-Logos

Und dann war da noch der schwere Patzer mit dem Olympia-Logo. Es musste vor einem Jahr ersetzt werden, weil Designer Kenjiro Sano bei einem Belgier abgekupfert haben soll.

Das Tokio-Konzept hatte sich wegen der versprochenen günstigen Lage der Stadien in Zentrumsnähe durchgesetzt. Inzwischen wird überlegt, einige Wettkampfstätten weiter nach draussen zu verlegen. Funktionäre wollten die Erstrundenspiele beim Softball und Baseball gar in die Präfektur Fukushima nördlich von Tokio verlegen und damit in die Nähe des berüchtigten Atomkraftwerks, in dem es nach dem Tsunami im März 2011 zu Kernschmelzen gekommen war.

In der Kritik bleiben die Ausgaben. Das ursprüngliche Budget habe bei 450 Milliarden Yen (4,3 Milliarden Franken) gelegen, sagte der Tokioter Journalist Takashi Uesugi. «Aber die Kosten könnten Berichten zufolge auf ein Mehrfaches ansteigen».

Uesugi hatte sich Ende Juli um das Amt des Gouverneurs von Tokio beworben. Am Ende gewann die ehemalige Verteidigungsministerin Yuriko Koike, die nun als erste Frau die Hauptstadt regiert. Koike versprach, die Kosten noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Mit der Entgegennahme der olympischen Flagge bei der Abschlussfeier am Montag Schweizer Zeit in Rio rückt Tokio nun noch mehr in den Fokus.

«Olympia der kurzen Wege»

Die Gastgeber wollen auf alle Fälle dafür sorgen, dass die Athleten nur kurze Wege zurücklegen müssen. «Alle werden weniger als 30 Minuten von jeder Anlage entfernt sein», sagte Logistikchef Motoki Tanaka vom Organisationskomitee dem brasilianischen Portal «O Globo». Das Olympische Dorf werde sich in einer sehr zentral gelegenen Gegend befinden.