Ski Nordisch-WM
Auch kleine Freuden haben ihren Wert: Simon Ammann springt in Lathi auf den 21. Platz

Simon Ammann freut sich nach seinem Sprung auf den 21. Platz wie ein Weltmeister. Es war einer der besten Sprünge des Toggenburgers in dieser Saison. Auch Teamkollege Kilian Peier zeigt eine gute Leistung und klassiert sich vor seinem Idol auf dem 18. Rang.

Rainer Sommerhalder
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Simon Amman feiert seinen Sprung ausgelassen und trommelt sich mit den Fäusten auf die Brust.

Simon Amman feiert seinen Sprung ausgelassen und trommelt sich mit den Fäusten auf die Brust.

Keystone

Achtung Trommelwirbel! Skisprung-Legende Simon Ammann zelebriert seinen Satz auf 92 Meter von der kleinen Schanze in grösstmöglicher Manier. Der 35-Jährige klopft im Auslauf mit beiden Fäusten auf seine Brust, als hätte er soeben Ausserordentliches vollbracht.

Das mag aus der Sicht von Ammann durchaus so sein. Für die breite Öffentlichkeit war es schlicht die Bestätigung des 21. Rangs aus dem ersten Durchgang, rund acht Weitenmeter hinter der absoluten Weltspitze.

All die nüchternen Fakten zählen für den Doppel-Doppelolympiasieger in diesem Moment nicht. Erstmals seit langer Zeit nimmt er in der Leaderbox Platz, wenn auch nur für eine knappe Minute, bis er vom Polen Piotr Zyla vertrieben wird. «Wir nehmen auch die kleinen Erfolgserlebnisse», sagt ein lachender Simon Ammann. Und bei Zyla handelt es sich immerhin um den Zweiten der Vierschanzentournee.

Eine knappe Minute darf Amman auf dem Podest verweilen - dann wird er verdrängt.

Eine knappe Minute darf Amman auf dem Podest verweilen - dann wird er verdrängt.

Keystone

«Ich bin richtig happy!» bilanziert der Schweizer. Je länger er über seinen Wettkampf sinniert, desto glücklicher wirkt er. «Das war einer meiner besten Sprünge in dieser Saison», stellt er fest. Dass dieser im Finaldurchgang einer WM gelingt, sorgt beim Toggenburger für Genugtuung.

«Der Sprung war sehr flüssig und ohne Wackler bei der Landung». Für Ammann hohe Noten von 17,5 gibt es dafür von den Punktrichtern. Offensichtlich hat die Tarzan-Geste im Auslauf auch bei ihnen Eindruck hinterlassen.

Simon Ammanns Glück steckt an. Skisprung-Chef Bernie Schödler macht ebenfalls ein Gesicht, als sei er soeben grosszügig beschenkt worden. Seine Freude beschränkt sich nicht auf die Darbietung seines Aushängeschilds.

Schödlers Kummerbuben finden offensichtlich rechtzeitig zum wichtigsten Event der Saison wieder den Vorwärtsgang. Alle vier angetretenen Athleten überstehen die Qualifikation. Keiner schifft im Wettkampf ab. Und neben Simon Ammann steht mit dem Waadtländer Kilian Peier noch ein zweiter Schweizer im Finaldurchgang.

Für Ammans Landung gab es hohe Noten.

Für Ammans Landung gab es hohe Noten.

Keystone

Peier läuft es sogar eine Spur besser als seinem Vorbild. Zum dritten Mal in seiner Karriere bezwingt der 21-Jährige das eigene Idol. Der 18. WM-Platz kommt für das grosse Talent nach einer völlig verkorksten Saison wie ein Geschenk daher. «Es steckt harte Arbeit dahinter», sagt Peier. Auch ohne entsprechende Resultate sei es ihm in den letzten Wochen gelungen, sein Selbstvertrauen wieder aufzubauen.

Und Finnland ist für ihn aus mehreren Gründen zur grossen Liebe geworden. «Ich habe einen Riesenspass auf dieser Schanze», sagt Peier. Vor dem Wettkampf bringt ihn finnische Volksmusik in Stimmung, seine Freundin aus Helsinki drückt ihm im Publikum die Daumen und die Mutter macht im Auslauf mit dem Handy ein Erinnerungsfoto. Kleine Freuden eben.