Weltcup Oberstdorf

Auch das Sturmtief Burglind drückt Dario Cologna die Daumen

Ein Sponsorenwürfel hätte die Schweizerin Laurien van der Graaff beinahe erwischt – danach landete er in den Baumwipfeln des nahen Waldes.

Ein Sponsorenwürfel hätte die Schweizerin Laurien van der Graaff beinahe erwischt – danach landete er in den Baumwipfeln des nahen Waldes.

Nur die Frauen trotzten dem Orkan. Nachdem die Organisatoren in Oberstdorf Nathalie von Siebenthal, Laurien van der Graaff und Co. in eine irreguläre Sprint-Qualifikation geschickt hatten, mussten auch sie einsehen: die Sicherheit der Athleten geht vor.

Dass der peitschende Dauerregen den Schnee in einen einzigen weissen Matsch verwandelte. Dass die unregelmässigen Windböen das Rennen der Frauen zu einer Lotterie verkommen liessen. All dies wäre bis zu einem gewissen Grad verkraftbar gewesen. Dass den Sportlern aber Werbebanderolen und Streckenmarkierungen um die Ohren flogen, ging zu weit. Eine Minute bevor der Italiener Giandomenico Salvadori das Rennen der Männer hätte eröffnen sollen, zog die Jury die Notbremse und brach die garstige Veranstaltung ab. Niemand protestierte.

Sturmtief hilft

Am wenigsten wohl der Schweizer Tour-Leader Dario Cologna. Offensichtlich gehört auch Sturmtief Burglind zu seinen Bewunderern und sorgte dafür, dass die sprintstärkeren Hauptkonkurrenten Sergej Ustjugow und Alex Harvey keine Gelegenheit erhielten, im Gesamtklassement Zeit gutzumachen. Cologna kommentierte die Absage nüchtern: «Ich kann die Entscheidung verstehen, die Sicherheit geht vor.»

Wenige Minuten vor dem geplanten Start der Qualifikation kam der Schweizer als letzter Athlet von der Streckenbesichtigung zurück. Kein Konkurrent hielt es so lange im scheusslichen Sturm aus. Und Cologna hatte ein Lächeln auf dem Gesicht, als er die Ski abzog und sich in den Schutz des Athletenzelts zurückzog. Nicht, weil er bereits vorzeitig von der Absage erfuhr. Sondern, weil er sich derzeit auch nicht von äusseren Umständen aus dem Konzept bringen lässt. Und seien sie noch so energisch wie «Burglind».

Überforderte Helfer

Was Dario Cologna auf seiner Einlaufrunde gesehen hatte, war nicht alltäglich. Im hinteren Teil der Männerstrecke stand kaum noch eine Banderole an ihrem ursprünglichen Ort. Die beiden mächtigen Torbogen bei den Zwischenzeiten lagen bereits vor dem Rennen quer über der Loipe und mussten notfallmässig abmontiert werden. Überall auf den 1,2 Kilometern versuchten überforderte Helfer, herumfliegendes Material zu sichern oder zu entfernen.
Während dem Schweizer Überflieger der Survival Trip durch die Qualifikation erspart blieb, bot sich den Schweizerinnen ein Erlebnis, das sie später einmal ihren Enkelkindern erzählen werden.

Nathalie von Siebenthal erwischte eine Startnummer, die ihr im dümmsten Augenblick eine Orkanböe bescherte. Anstatt sich in der Hocke in die Abfahrt zu stürzen, musste die 50 Kilogramm leichte Athletin froh sein, nicht rückwärts geschoben zu werden. «Das war komplett irregulär. Ich stand für einige Momente sogar still und Nicole Fessel hinter mir erging es genau gleich», empörte sich von Siebenthal. Die Berner Oberländerin und die Deutsche verloren auf den lediglich 1200 Metern je monumentale 36 Sekunden auf Siegerin Maiken Caspersen Falla.

Vom Würfel knapp verfehlt

Sportlich besser lief es der siebtplatzierten Laurien van der Graaff. Aber auch die Sprint-Siegerin in der Lenzerheide kam nicht ohne aussergewöhnliches Abenteuer durch. Im Zieleinlauf löste sich unmittelbar hinter ihr ein gigantischer blauer Sponsorenwürfel, fegte quer über die Loipe und blieb schliesslich in den Baumwipfeln des nahen Waldes hängen.

Van der Graaff schaute auf den letzten Metern irritiert nach links und rechts. «Da war ziemlich was los. Ich bin froh, dass mich kein Gegenstand erwischt hat», sagte die völlig durchnässte Schweizerin.

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