Der Kumpel nickt . Nur über das Wann ist sich das optimistische Duo uneins, man rechnet mit Runde 2 oder 3. Genauso geradeheraus wie sein Umfeld ist Sean „Big Sexy“ Turner dann im Ring. Der tätowierte 115-Kilo-Brocken hält nichts von Abwarten und stürzt sich von Beginn weg auf seinen Gegner. Dieser ist immerhin Arnold „The Cobra“ Gjergjaj, 16 Zentimeter grösser und hat das Publikum im Rücken.

The Cobra am Boden.

The Cobra am Boden.

Doch der Favorit startet verhalten und findet nie wirklich in den Kampf. Verfehlen die ersten Treffer des 180-Zentimeter-Mannes aus Dublin in der ersten Runde noch ihre Wirkung, geht der Prattler im zweiten Durchgang erstmals zu Boden – zum Erstaunen und Entsetzen seiner Fans. Der angezählte Gjergjaj steht aber wieder auf, muss sich aber weiterhin dominieren lassen. Immerhin landet „The Cobra“ in Runde 4 die ersten Wirkungstreffer.

Der nächste Abschnitt geht aber wieder an den Iren: Turner trifft den Schweizer mit einer harten Linken und reisst beim Gong schon mal demonstrativ die Arme hoch. Doch Arnold Gjergjaj beweist Nehmerqualitäten und lässt sich in Runde 6 nichts mehr anmerken. Im Gegenteil: Er scheint die bessere Kondition zu haben und tänzelt leichtfüssig durch den Ring, während die Schläge des sieben Jahre jüngeren Underdogs nun plötzlich öfters ins Leere gehen.

Das Publikum schöpft Hoffnung

Das Publikum schöpft wieder Hoffnung, die „Arnold“-Rufe werden lauter . Turner legt aber in den nächsten beiden Runden wieder zu, der Punktsieg ist ihm sicher. Nach einer harten Trefferserie in Durchgang 8 schickt schickt er den Favoriten nach 2 Minuten und 32 Sekunden auf die Bretter.

Turners K.o.-Schlag könnte auch Gjergjajs Profikarriere beendet haben. Der 33-Jährige richtete zum Abschluss ein paar Sätze an seine Fans, bedankte sich für die Unterstützung und entschuldigte sich für die Niederlage. Vor allem aber betonte er, eine Pause einlegen zu wollen, deren Dauer offen sei.

Profiboxer Arnold Gjergjaj (r.) und sein kubanischer Trainer Liesser Guzman.

Profiboxer Arnold Gjergjaj (r.) und sein kubanischer Trainer Liesser Guzman.

Vor die Presse trat der beste Schweizer Schwergewichtsboxer der letzten Jahrzehnte nicht mehr. Dies tat sein Manager Angelo Gallina, der im Publikum mit seinem Schützling gelitten hatte. „Das ist ein harter Schlag für uns“, meinte Gallina zum Ausgang und gab zu, dass Gjergjaj nie Tritt gefunden hatte. Der Grund dafür sei aber der starke Turner gewesen: „So ist das im Schwergewicht – wenn es Fäuste hagelt, kann es so herauskommen!“

Von einem weiteren Titelkampf dürfte Arnold Gjergjaj nach der Niederlage in diesem Aufbaukampf sehr weit entfernt sein. „Das Boxgeschäft ist ein 'Leiterli-Spiel'“, sagte Angelo Gallina im Wissen, dass „The Cobra“ um sehr viele Sprossen zurückgefallen war.