Dass Arno Del Curto nach über 22 Jahren als Trainer des HC Davos zurückgetreten ist, ist aufgrund der sportlichen Entwicklung im HC Davos über die vergangenen Woche und Monate keine Überraschung. Überraschend war eher der Zeitpunkt des Vollzugs. Zwei Tage nach einem 5:1-Sieg bei den ZSC Lions, dazu noch am Morgen eines Spieltags. Und – aller Vorzeichen zum Trotz – war eben auch die schlichte Tatsache, dass es wirklich passiert ist, eine Überraschung. Denn: ein HC Davos ohne Arno Del Curto an der Bande – das ist auch jetzt noch eine surreale Vorstellung.

Aber heute Abend werden im Cupspiel gegen die Rapperswil-Jona Lakers die bisherigen Assistenten Sandro Rizzi und Remo Gross die Mannschaft führen. Die grosse Frage ist, was danach kommen wird. Wie sieht das Leben nach Arno aus in Davos? Spätestens hier kommt die Fantasie schon gehörig ins Stocken. So abgedroschen es tönt - aber selten passte diese Phrase besser: Der Nachfolger tritt ein ganz schwieriges Erbe an. Selbst wenn der Abschluss der Ära Del Curto geprägt war von Misstönen und einer sportlichen Talfahrt, so bleibt sein Vermächtnis immens.

Die Chance für einen Neustart

Auf der anderen Seite hat der neue Mann in Davos nun auch die Chance, einen totalen Neustart durchzuführen. Nichts ist mehr so, wie es vorher war. Das Projekt HCD der Zukunft startet an diesem 27.11.2018 quasi auf der grünen Wiese. Der Acker, den Arno Del Curto über 20 Jahre lang bestellt hatte, war im übertragenen Sinne überdüngt und nicht der fruchtbare Boden, auf dem sportliche Höchstleistungen gedeihen konnten.

Für den HCD steht nicht nur punkto Trainerwahl viel auf dem Spiel. Er muss in den kommenden Tagen und Wochen auch seine wichtigsten Spieler im Hinblick auf die kommende Saison unter Vertrag nehmen. Die beiden Nationalspieler Enzo Corvi, Andres Ambühl sowie die Gebrüder Marc und Dino Wieser haben allesamt auslaufende Arbeitsverhältnisse per Ende der laufenden Meisterschaft.

HCD-Trainer Arno del Curto tritt zurück

HCD-Trainer Arno del Curto tritt zurück

Nach 22 Jahren nimmt der 62-Jährige den Hut. Grund sei die miserable Leistung des Clubs, der zum ersten Mal seit 1993 die Playoffs verpassen könnte.

Gehen diese einheimischen Kräfte verloren, dann sieht die sportliche Zukunft des Rekordmeisters erst recht zappenduster aus. Vor diesem Hintergrund kommt das Ende der Ära Del Curto nicht überraschend. Dem Vernehmen nach machten einige Spieler ihre mögliche Unterschrift in Davos davon abhängig, wer hinter der Bande steht. Eine weitere Zusammenarbeit mit der Trainerlegende war da offenbar schlicht keine Option mehr. Bedauerlich, dass es so weit kommen musste. Und, dass einem der grössten Trainer des Schweizer Eishockeys kein schönerer Abgang von der grossen Bühne vergönnt war.