Armon Orlik ist bekanntermassen kein Mann der grossen Worte. Der Bündner lässt lieber Taten sprechen. Und das hat er in dieser Saison bislang eindrücklich getan. Fünf Kranzfeste hat er bestritten, fünf Siege sind seine Bilanz. Bis am Sonntag. In Flüelen musste sich Orlik für einmal mit einem dritten Platz begnügen. Bereits im Anschwingen stellte er gegen Pirmin Reichmuth, nachher vergab er eine Schlussgang-Teilnahme - oder gar den Festsieg - mit drei 9,75. Die Maximalnote blieb ihm bei den Siegen gegen Philipp Gloggner, Werner Suppiger und Marcel Bieri verwehrt.

Doch diese «Vierteli», wie er den Abzug bei einem Sieg mit Nachdrücken am Boden nennt, konnte Orlik ganz gut verkraften. Denn dieser dritte Rang, als Gast praktisch auf sich allein gestellt, ist ein weiterer Erfolg in einer ohnehin schon sehr erfolgreichen Saison. Das weiss auch Orlik: «Innerhalb einer Woche konnte ich zwei Mal vorne mitschwingen. Deshalb bin ich sehr zufrieden», bilanziert der 24-Jährige seinen Wettkampf. Vor einer Woche gewann Orlik das Nordostschweizer Teilverbandsfest in überlegener Manier.

Zögerlicher Start im Anschwingen

Sein Gastauftritt in Flüelen war für ihn eine Standortbestimmung im Hinblick auf das Eidgenössische Schwingfest in Zug. Sieben Wochen dauert es noch bis zum Saisonhöhepunkt. Orlik gehört wegen der gewonnenen Kranzfeste zu den ganz grossen Favoriten. Das Aufeinandertreffen mit den besten Innerschweizern war mit Spannung erwartet worden. Auch von ihm: «Dieser Tag war für mich wichtig, um die stärksten Innerschweizer besser kennenzulernen.» Im Anschwingen ging er gegen Pirmin Reichmuth zögerlich in den Kampf. «Es war schwierig, mich auf ihn vorzubereiten. Pirmin schwingt unberechenbar», sagt Orlik auf den gestellten Gang angesprochen.

In Zug werden es aber genau Gegner wie Erich Fankhauser oder Philipp Gloggner sein, die Orlik zurückbinden möchten. Eidgenossen, die für ihre besten Teamkollegen aus der Innerschweiz mit einem Gestellten den Weg zum Schwingerkönig frei machen wollen. Diese Herausforderungen hat Orlik in Flüelen gemeistert, auch wenn es manchmal eine «Geduldsprobe» war, wie er sagt. Der Bündner bleibt auch nach diesem Fest einer der ganz grossen Anwärter auf den Königstitel.