Fussball

Andy Rihs: Der Tag der «cheibe Zwischenfällen» brachte die Wende

Andy Rihs

Andy Rihs

Andy Rihs, einer der grössten Sportförderer der Schweiz, ist tot. Der Unternehmer engagierte sich mit Kalkül und Distanz im Fussball. Unser Fussball-Experte Markus Brütsch erinnert sich.

Der Tod von Andy Rihs trübt die Vorfreude. Kurz bevor die Young Boys die Ziellinie zum ersten Meistertitel seit 1986 überqueren, ist jener Mann gestorben, ohne den dieser Triumph nicht möglich wäre.

13 Jahre lang haben Andy und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Hans-Ueli als Besitzer der Young Boys und des Stade de Suisse auf diesen Tag hingewirkt, sich aber nie ins operative Geschäft eingemischt.

In dieser Zeit gab es bei YB kaum Kontinuität, manchmal aber Chaos und immer wieder neue Strategien. Die Erfolge blieben jedoch aus. Zweimal in der Meisterschaft und zweimal im Cup waren die Berner nahe dran, aber eben: Es reichte nie zum Titel. So wurde das Verb «veryoungboysen» zu einem geflügelten Wort.

Die gelb-schwarzen Ringelsocken von Andy Rihs

Die gelb-schwarzen Ringelsocken von Andy Rihs

Dass aber ausgerechnet jener Septembertag im Jahr 2016, an dem YB mit den Entlassungen von Sportchef Fredy Bickel und CEO Alain Kappeler einen Tiefpunkt erreichte und an dem Andy Rihs in gelbschwarzen Ringelsocken von «cheibe Zwischenfällen» und «dummen chline Sächeli» sprach, als Tag der grossen Wende in die YB-Geschichte eingehen würde, konnte damals niemand ahnen.

Doch der gewiefte neue Sportchef Christoph Spycher vollbrachte das Wunder und trimmte den Klub so fit, dass er nun Meister und vielleicht auch Cupsieger wird. Mit Spycher hatten die Gebrüder Rihs nach einigen personellen Missgriffen (Ilja Kaenzig, Urs Siegenthaler) für einmal ein goldenes Händchen bewiesen.

Es ist traurig, dass Andy Rihs nun nicht mehr dabei sein kann, wenn die Ernte in Form des Meisterpokals und von grossen Batzen eingefahren wird. Erreicht YB die Champions League, verdient es gegen 30 Millionen Franken. Und auf dem Transfermarkt stehen die Chancen gut, dass nach den letztjährigen Einnahmen von 25 Millionen Franken in diesem Sommer erneut eine grosse Summe reinkommt.

Fussball als «Opportunity»

Viele Jahre lang haben die Zürcher Brüder Rihs, deren Mutter aus dem bernischen Meinisberg kommt, viel Geld in YB gebuttert. Man spricht, bei einem Break-even von 48 Millionen Franken, von zehn Millionen jährlich.

Milliardär Andy Rihs hat in seiner eigenen Diktion von insgesamt «50 Chischte» (50 Millionen; die Red.) gesprochen; es sind wohl einige mehr. Eingestiegen in Bern waren die Rihs’ kurz vor der Stadioneröffnung 2005 mit 20 Prozent der Aktien. 2012 wurden sie alleinige Besitzer.

Andy Rihs hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass für ihn der Radsport Passion sei, der Fussball die «Opportunity», Geld zu verdienen. Weil in ihm aber später die Erkenntnis reifte, der Fussball gleiche eher einem Fass ohne Boden, liess er durchblicken, dass er Klub und Stadion verkaufen würde, sollte der Preis – die Rede war von 120 Millionen Franken – stimmen. Am liebsten an einen Berner, aber nie an einen Scheich oder Oligarchen.

In einem Interview aus dem Jahre 2011 sticht eine Passage ins Auge. Andy Rihs sagte: «Reines Mäzenatentum bringt nichts. Was ist, wenn ein Mäzen stirbt? Dann bricht alles zusammen. Unsere Projekte müssen nachhaltig sein.» Allein der letzte Satz bietet Gewähr dafür, dass Andy Rihs vor seinem Tod mit seinem Bruder die Zukunft von YB aufgegleist hat.

Gestern Abend meldete YB, Hans-Ueli Rihs und dem Verwaltungsrat sei es ein Anliegen, festzuhalten, dass sich an der wirtschaftlichen Situation des Vereins nichts ändere. Die Besitzverhältnisse seien klar und blieben unverändert.

Hans-Ueli Rihs, der in der Öffentlichkeit dezenter aufgetreten ist als Andy, ist bei jedem YB-Heimspiel präsent. YB darf guten Mutes sein, dass nach langem Anlauf die kurze Erfolgsgeschichte noch nicht zu Ende ist. Den Rihs’ sei Dank.

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