Tennis

Andy Murray ist der unbestrittene König des Sommers

Dieses Bild bekam man in den letzten Monaten oft zu Gesicht: Andy Murray freut sich über einen Punktgewinn.

Dieses Bild bekam man in den letzten Monaten oft zu Gesicht: Andy Murray freut sich über einen Punktgewinn.

Der Schotte ist der Spieler der letzten Monate – doch kann er seine starke Form auch an den US Open unter Beweis stellen?

Bei allen überbordenden Glücksgefühlen, die dieser Sommer für Andy Murray bereit hielt mit dem Wimbledonsieg und der Goldmedaille von Rio, wartete der beste Moment nun in New York auf den 29-jährigen Schotten: Er durfte nach drei Wochen endlich seine kleine Tochter Sophia wieder in die Arme schliessen. So lange war er in den sechs Monaten seit ihrer Geburt noch nie von ihr getrennt gewesen.

«Tennis ist nicht mehr das Wichtigste in meinem Leben», sagte Murray, «die neue Perspektive hat mir sehr geholfen, ich setze mich nicht mehr so unter Druck.» Und diese neue Leichtigkeit hat dem Weltranglistenzweiten die Form seines Lebens beschert. Bei den letzten sieben Turnieren schaffte er es jedes Mal ins Endspiel und gewann vier Titel. Bei den US Open könnte Murray Geschichte schreiben und als erst vierter Spieler der Profi-Ära seit 1968 alle vier Grand-Slam-Finals in einer Saison erreichen. Das schafften vor ihm nur Rod Laver, Roger Federer – und Novak Djokovic. Und den Serben möchte Murray in New York gerne endlich bezwingen.

Eheprobleme bei Djokovic

Denn so schön sich der furiose Lauf des Schotten anhört, ein bisschen glücklich war er irgendwie auch. In Wimbledon und Rio war Djokovic sehr früh ausgeschieden, so vermied Murray den direkten Schlagabtausch mit dem Weltranglistenersten. Und der hat weiterhin in ihren Duellen die Oberhand, fünf von sechs gewann Djokovic in den letzten zwölf Monaten.

Doch dass der dauersiegende Serbe seit seinem Triumph bei den French Open im Frühjahr überraschend ins Straucheln geraten war, lag auch an dessen Privatleben: allerdings im schlechtesten Sinne. Denn Djokovic hatte handfeste Eheprobleme, seine Gattin Jelena soll sogar gedroht haben, ihn mitsamt ihres Sohnes Stefan zu verlassen. «Alles ist wieder in Ordnung», sagte Djokovic in New York, «wir haben doch alle unsere privaten Probleme. Es passierte während Wimbledon, aber das ist geklärt. Das Leben geht weiter.»

Doch alles scheint bei Djokovic noch nicht wieder in Ordnung zu sein, denn hinter seiner Fitness steht ein Fragezeichen. Das Training am Freitag musste der zwölfmalige Grand-Slam-Champion abbrechen, wegen Schmerzen im linken Handgelenk. Das plagt den Serben seit Wochen und soll auch für das frühe Aus in Rio und die Absage in Cincinnati verantwortlich gewesen sein.

Murray traut jedoch nicht: «Wir werden am Montag im Match sehen, wie es seinem Handgelenk geht. Er würde kein Risiko eingehen, wenn die Verletzung ernst wäre.»
An einen Vorteil, zum zweiten Mal in Flushing Meadows nach 2012 zu triumphieren, glaubt er noch nicht. «Novak wird sehr viel frischer als ich ins Turnier gehen», sagt Murray, «er hat in letzter Zeit wenig gespielt, ich dagegen sehr viel. Mein einziger Vorteil ist, dass ich viel Selbstvertrauen tanken konnte.»

Und, dass seine Auslosung sehr viel angenehmer aussieht. Mit seinem Erstrundengegner Lukas Rosol ist Murray zwar mal aneinandergeraten («Niemand auf der Tour mag dich. Alle hassen dich.»), doch spielerisch ist der Tscheche keine Herausforderung. Anders dagegen der mögliche Weg für Djokovic, dem wohl reihenweise nur harte Aufschläger gegenüber stehen werden. Ein Härtetest für das lädierte Handgelenk.

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