Eishockey

Andres Ambühl: stiller Leader und rurales Topmodel

Seine Wanderjahre haben ihn geprägt: Andres Ambühl wird jetzt anders wahrgenommen.

Seine Wanderjahre haben ihn geprägt: Andres Ambühl wird jetzt anders wahrgenommen.

Andres Ambühl startete seine Laufbahn einst als Lehrling in Davos – heute ist er Lehrmeister – und kompletter denn je. Der Captain startet mit dem HCD in die Playoffs.

Seine Beine sind nicht lang, sein Gesicht ist nicht frei von Narben und auch die Haare sind selten gestylt. Und doch ist er ein Topmodel. Nicht etwa weil sein Lifestyle mit jenem einer hübschen Dame korrespondiert: Ständig herumreisen, voller Körpereinsatz, das Publikum entzücken, ein Thema in der Gesellschaft sein. Auch nicht, weil er vieles «hübsch» findet oder so bezeichnet. Elementar ist für ihn einzig die Beziehung zwischen ihm und dieser Hartgummischeibe. Sie bestimmt seine Aktionen, sie geniesst seine volle Aufmerksamkeit. Deshalb fällt immer wieder sein Name, wenn man über die grössten Führungspersönlichkeiten und Leader der National League A diskutiert: Andres Ambühl.

Der Bauernsohn aus dem Sertigtal verkörpert das Rurale, das Ländliche. Seit je pflegt er provinzielle Tugendenden: Arbeite hart. Pausenlos. Abstriche in Ambühls Arbeitsethos sucht man vergebens. Schon damals kurz nach der Jahrtausendwende, als das junge Davoser Talent erstmals in der NLA Duftmarken setzte. Damals als Ambühl noch einer von vielen Models war. Auch er ordnete seinem Traum alles unter, weil es ja eine hübsche Sache sei, die er hier machen dürfe.

Garstiger Umgang mit Ausländern

Ambühl spricht gerne von einem Privileg. Auch, weil ihm die Leader-Rolle, in die er beim HC Davos über die Jahre hineingewachsenen war, einen noch grösseren Traum erfüllte: ein Engagement in der Organisation der New York Rangers. Eine Bühne, wie sie die Laufstege von Mailand oder Paris für Topmodels sind. 2009 war das, als Ambühl nach Übersee aufbrach. Er sah sich bald mit grosser Konkurrenz und rauem Umgang konfrontiert. Zwei Wochen gaben ihm die Verantwortlichen, um eine Wohnung zu finden. «In der Schweiz ist der Umgang mit Ausländern völlig anders, da wird einem alles organisiert, man erhält sogar Unterstützung bei der Eröffnung von Bankkonten», vergleicht Ambühl.

Beschweren will er sich aber nicht, es sei wertvoll gewesen, einmal die Komfortzone verlassen zu müssen. Ein Jahr weilte Ambühl in Nordamerika, für das Team am Broadway kam er nie zum Einsatz, nur im Farmteam der Rangers. In der ruppigen AHL lernte Ambühl, sich durchzubeissen. Weil die Tür zur NHL verschlossen bleibt, kehrt er im Herbst 2010 in die Schweiz zurück. Jedoch nicht in seine Heimat. Ambühl unterschreibt im urbanen Zürich, erweitert dort seinen Horizont.

Die wertvollen Wanderjahre

Eine Zeit, die ihm extrem gutgetan habe. Drei Jahre später aber spürt Ambühl, dass die Rückkehr nach Davos das ist, was er will. Arno Del Curto sieht in ihm Führungsfähigkeiten für seine Mannschaft, die im Umbruch steckt. Ambühls aufsässige Art, sein Hang zu Überraschendem, sein authentisches Wesen, all das haben sie im Bündnerland vermisst.

Seine Laufbahn rechtfertigt Ambühl gerne am Beispiel einer beruflichen Karriere: «Wenn man eine Lehre macht und danach für immer im gleichen Betrieb arbeitet, bewegt man sich irgendwann im Trott, bleibt in der Entwicklung stehen.» Deshalb erachtet er es als unabdingbar, auch mal etwas anderes zu sehen. «Man wird danach anders wahrgenommen», sagt Ambühl, der damit nicht seinen Nimbus, sondern die gesteigerte Wertschätzung unterstreichen will. In der Fremde feilte der Stürmer an seinen Fähigkeiten. Noch spitzfindiger, noch gezielterer Körpereinsatz, noch entscheidendere Einzelleistungen. Ambühl ist kompletter denn je. Der einstige Lehrling ist jetzt Lehrmeister.

Der Lehrmeister nimmt eine neue Hürde in Angriff

Seine Führungskompetenzen stehen ab Donnerstagabend wieder unter besonderer Beobachtung, denn mit dem Kräftemessen gegen die Kloten Flyers starten die diesjährigen Playoffs. Ambühl will den jungen HC Davos wieder so führen, wie er das im vergangenen Frühjahr gemacht hat. Damals mündete dies im ersten Meistertitel seit vier Jahren für die Bündner. Seine Maxime ist simpel: Arbeite hart. Pausenlos. Kein Zuckerschlecken, dieses Modelbusiness.

Der HCD liess es an seiner Meisterfeier 2015 krachen:

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