Analyse
Seoanes Wechsel zu Leverkusen ist gut für den Schweizer Fussball, gut für YB und gut für ihn selbst

Dreimal in Serie wurde Gerardo Seoane als Trainer mit den Young Boys Schweizer Meister. Nun kriegt er die Chance, sich in der Bundesliga zu behaupten. Er wird sie nutzen.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Letztes Jahr gewann Gerardo Seoane Cup und Meisterschaft. Doch der Wechsel in der Bundesliga folgt erst ein Jahr später.

Letztes Jahr gewann Gerardo Seoane Cup und Meisterschaft. Doch der Wechsel in der Bundesliga folgt erst ein Jahr später.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Dem Schweizer Klubfussball ging es schon besser. Platz 19 im Uefa-Ranking. Hinter Nationen wie Zypern, Dänemark, Serbien oder Tschechien, die allesamt nicht zur Beletage des europäischen Fussballs zählen. Ja, die Schweiz hat sogar den Anschluss an den Nachbarn Österreich (Platz 10) verloren. Dabei haben wir den österreichischen Klubfussball jahrelang belächelt, weil Krösus Salzburg elfmal in der Qualifikation zur Champions League scheiterte, während «unser» FC Basel in der Königsklasse für Furore sorgte.

Der Absturz hat einen Reputationsverlust zur Folge. Für Klubs aus den grossen Ligen stehen wir auf der Schwelle zur Kammer der Nonvaleure. Ein Beispiel: Was denken Sie, weshalb Jean-Pierre Nsame trotz einer sensationellen letzten Saison (33 Tore) weiter in Bern spielt? Weil er schlicht kein Angebot erhalten hat, das besser ist als das, was ihm YB bietet.

«Die Hälfte meines Herzens ist unheimlich traurig»: Gerardo Seoane im Video-Interview.

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Der Torschützenkönig bleibt auf dem Schnäppchen-Wühltisch übrig. Andere wie Basel-Keeper Jonas Omlin (Montpellier), St. Gallens Stürmer Cedric Itten (Glasgow Rangers) und Ermedin Demirovic (SC Freiburg) realisierten den Wechsel in eine grössere Liga. Aber entweder sorgen sie bei ihren Klubs nicht für Furore oder die Champions League ist in der neuen Umgebung so weit weg wie zuvor in der Schweiz.

Besonders schmerzhaft: Die Schweizer Trainer sind in den grossen Ligen kaum noch gefragt. Christian Gross, Marcel Koller und Lucien Favre haben ihren Zenit überschritten. René Weiler verharrt nun schon länger in der Warteschlaufe. Urs Fischer (Union Berlin) ist der einzige Schweizer Trainer in der Bundesliga.

Die Österreicher ziehen an uns vorbei

Auch die Zahl der Schweizer Spieler ist rückläufig. In der Saison 2016/17 waren wir mit 25 Profis noch Spitzenreiter in der Bundesliga. Auch hier haben uns die Österreicher überholt. 31 Spieler haben sie in der Bundesliga, wir nur noch 19.

Doch nun ein Lebenszeichen. Gerardo Seonae wechselt zu Leverkusen, der vierten oder fünften Kraft in Deutschland. Zum Glück: Denn wäre Gerardo Seoane auch nach dem dritten Meistertitel in Serie nicht in eine grosse Liga gewechselt, müsste man daraus schliessen, dass die Super League definitiv bedeutungslos geworden ist.

YB: Kommt nun Bruno Berner?

Leverkusen ist eine gute Adresse für den 42-Jährigen. Das Kader ist ziemlich hochkarätig, der mediale Druck nicht ganz so hoch wie in den grossen Zentren und die Zielsetzung realistisch.

Und YB? Wie lösen die Berner die Nachfolge? Bruno Berner, Trainer in Kriens, wäre ein logischer Entscheid, weil sein Profil jenem Seoanes ähnelt. René Weiler und Alex Frei (Wil) wären mutige Lösungen, weil sie Querdenker sind. Aber auch ein Maurizio Jacobacci (Lugano) und ein Mario Frick (Vaduz) haben wohl Aussenseiter-Chancen. Oder: YB holt sich wieder Impulse aus Österreich. Wie damals, als Adi Hütter die Berner aufgerüttelt hat.

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