Analyse
Eine Eishockey-Reform, die keiner braucht – und eine Umfrage, über die ihre «Narren» die Hoheit geniessen

Eishockey-Experte Klaus Zaugg zur aufgeschobenen Reform im Schweizer Eishockey. Und der Umfrage, deren Ausgang ihre «Narren» selber gestalten können. Eine Analyse.

Klaus Zaugg
Klaus Zaugg
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Die Spieler der NL-Vereine protestierten mit Bannern gegen die geplante Liga-Reform.

Die Spieler der NL-Vereine protestierten mit Bannern gegen die geplante Liga-Reform.

Juergen Staiger / KEYSTONE

Die «Reformnarren» (die Vertreter der 12 NL-Klubs) unter der Führung von SCB-Manager Marc Lüthi, Zugs Patrick Lengwiler und ihrem tüchtigen Mephisto Denis Vaucher (Ligamanager) haben soeben hochoffiziell beschlossen, mit ihren Reformen innezuhalten. Sie machen nun eine Umfrage, um die Meinung aller Beteiligten anzuhören.

Monatelang sind im stillen Kämmerlein im Stil von Geheimbünden unausgegorene, unsinnige Massnahmen beschlossen und verkündet worden. Diese Massnahmen haben heftige Kritik von allen Seiten, von Trainern und Spielern, die sogar eine Protestaktion ihrer Spielergewerkschaft veranstalteten. Und vor allem auch von den zahlenden Kundinnen und Kunden (von den Fans) heraufbeschworen.

Eishockey-Experte Klaus Zaugg.

Eishockey-Experte Klaus Zaugg.

Lz

Sogar René Fasel zeigt Unverständnis

Sogar René Fasel, als Präsident des internationalen Verbandes der höchste Hockeyfunktionär der Welt, hat sein Unverständnis kundgetan. Zu diesen Massnahmen gehört unter anderem die Erhöhung von vier auf sieben Ausländer in der höchsten Liga ab der Saison 2022/23. Es sind Reformen, die niemand braucht. Und nun, da das Kind mit dem Bade ausgeschüttet ist, geloben die «Reformnarren» also tatsächlich vorerst nichts mehr zu reformieren und doch noch die Meinung der direkt Betroffenen anzuhören. Aber Achtung: der Ausländer-Entscheid, der alle auf die Barrikaden getrieben hat, ist nicht zurückgenommen worden.

«In der richtigen Welt werden die wichtigen «Player» VOR und nicht NACH einer Reform um die Meinung gefragt»

Die Absicht hinter diesem «Scheinrückzug»: die Lage beruhigen, weitere Proteste der Fans und weitere Kritik verhindern. Wenn die Saison dann vorbei ist und die Aufmerksamkeit des Publikums im Sommer der Fussball-Euro und den Olympischen Spielen gilt, das Ding doch so durchziehen wie ursprünglich geplant.

In der richtigen Welt werden die wichtigen «Player» VOR und nicht NACH einer Reform um die Meinung gefragt. In zwei Tagen haben sich nun bereits über 10 000 Personen an der Online-Umfrage beteiligt. Gott sei dank haben die «Reformnarren» die Hoheit über diese Umfrage. Kein Schuft, wer denkt: So können sie das Resultat nach ihren Wünschen gestalten.

Längst geht es nur noch um Eitelkeiten

Dabei wäre die Lösung so einfach: zurück auf Feld eins. Alles so lassen, wie es ist. Eine Liga, die den sportlichen Aufstieg bis in den WM-Final ermöglicht hat, eine Liga mit den zweithöchsten Zuschauerzahlen der Welt, ein Ausbildungssystem, das vom Ausland bewundert wird, erst einmal so lassen wie es ist. Konzentration aller Kräfte auf die Bewältigung der aktuellen Virus-Krise. Und dann, wenn wir wissen, wie die Welt nach Corona aussieht und funktioniert, eine Reform unter Einbezug aller wichtigen «Player» machen. Nach dem Grundsatz: Tragt Sorge zu unserem Hockey.

Aber längst geht es nicht mehr um die Sache. Sondern um Eitelkeiten. Dabei könnten alle nur gewinnen, wenn dieses unsinnige Reformtheater nicht nur scheinheilig vorübergehend angehalten, sondern definitiv beendet würde.