Eishockey
Andres Ambühl löst das Olympia-Ticket – was ist mit Inti Pestoni?

Ambris Kunstschütze Inti Pestoni gibt Patrick Fischer beim Deutschland Cup zu denken.

Klaus Zaugg
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Andres Ambühl (38) gestern nach seinem Tor zum 1:2 gegen Russland.

Andres Ambühl (38) gestern nach seinem Tor zum 1:2 gegen Russland.

Bild: Andy Müller / Freshfocus (Krefeld)

Die Resultate sind ernüchternd: 1:7 am Freitag gegen die Slowakei, 0:3 gegen Deutschland und am Ende wenigstens ein 3:2 gegen Russland. Dieser Sieg hat allerdings nur beschränkten Wert. Die besten Russen spielen in der NHL (was auch für die Schweizer gilt) und die Besten ausserhalb der NHL waren beim Karjala Cup in Helsinki engagiert. Besiegt worden ist also «Russland C». In früheren Zeiten war ein Deutschland Cup mit dieser sportlichen Ausbeute ein Grund zur Polemik und zu grosser Sorge. Aber die Zeiten haben sich geändert. Nationaltrainer Patrick Fischer hat ein neues Selbstverständnis und Selbstvertrauen in unser Hockey gebracht. Die Schweizer haben 2018 den WM-Final erreicht und sind 2019 und 2021 im Viertelfinal denkbar knapp erst in der Schlussphase gegen Kanada (in der Verlängerung) und Deutschland (nach Penaltys) gescheitert. Also hat Patrick Fischer vor der Abreise zum Deutschland Cup den Halbfinal beim olympischen Turnier und bei der WM 2022 als Ziel skizziert.

Diese Zielsetzung korrigiert er nun nicht. Natürlich sei er mit dem ersten Spiel (1:7 gegen die Slowakei) nicht zufrieden. «Wir waren alle enttäuscht. Da fehlten uns Biss und Wille.» Die Partie gegen Deutschland habe ihm schon besser gefallen. «Da waren wir aktiver und eigentlich besser, und ich kann keinem meiner Spieler einen Vorwurf machen.» Gegen Russland habe die Mannschaft Charakter gezeigt, auch nach einem 0:2 nicht aufgegeben und sei dafür belohnt worden. Redet der Nationaltrainer einen beunruhigend schwachen Auftritt schön? Die Mängel waren offensichtlich. Die Umstellung von unserer Lauf- und Tempoliga auf das rauere internationale Hockey, insbesondere vor beiden Toren, gelang nie ganz. Aber inzwischen hängt die Einschätzung der Mannschaft nicht mehr von den Resultaten eines Vorbereitungsturniers ab. Die Schweizer haben ja bewiesen, zu was sie tatsächlich fähig sind. Und so kann heute Patrick Fischer Turniere wie den Deutschland Cup als das nehmen, was sie für eine grosse Hockeynation sind: eine Gelegenheit zum Testen. «Wir haben verschiedene taktische Varianten ausprobiert.» Die Resultate sind also zweitrangig und die Klubs sind froh, wenn alle gesund wieder zurückkehren.

Der Deutschland Cup ist allerdings doch etwas mehr als nur eine Testgelegenheit. Patrick Fischer hat zwar die Mannschaft fürs olympische Turnier in den Grundzügen bereits festgelegt. Aber die Tickets für Peking wird er erst am 19. Januar aushändigen. Er will nur Spieler aufbieten, die in Form sind und bei seiner Entscheidung fliessen die Eindrücke ein, die er soeben beim Deutschland Cup gewonnen hat. Er sagt, es gebe zwei oder drei Spieler, die nach dem Deutschland Cup ihren Platz im Olympia-Team betoniert und andere, die olympischen Kredit verloren haben. Einen oder zwei werde er noch einmal testen und fürs zweite und letzte Vorbereitungsturnier im Dezember in Visp aufbieten. Namen nennt er nicht.

Passt Freidenker Pestoni in ein Olympia-Team?

Einer hat seinen Platz auf sicher: Andres Ambühl. Der 38-jährige HCD-Leitwolf war in Krefeld der beste Schweizer. Und ein Stürmer wird Patrick Fischer in seinen olympischen Gedankenspielen noch beschäftigen: Inti Pestoni. Ambris Kultstürmer ist inzwischen 30 geworden und hat schon mehr als 30 Länderspiele bestritten. Aber über den Status eines «Operetten-Nationalstürmers» ist er nie hinausgekommen. So werden Internationale genannt, die für Vorbereitungsturniere aufgeboten werden, aber nie bei einem Titelturnier zum Zuge kommen. Inti Pestoni passt als taktischer Freidenker und Individualist eigentlich nicht in ein Olympia- und WM-Team. Aber er ist eben auch Kunstschütze. Er hat den Siegestreffer gegen Russland erzielt (3:2). Schlau manövriert er sich in die Abschlussposition, cool trifft er ins Netz. Der Abschluss ist das ewige Problem unserer Stürmer auf internationalem Niveau.

Deutschland Cup

Schweiz – Russland 3:2 (0:1, 2:1, 1:0)

Tore: 20. Pautow (Sorkin, Tsyplakow/Ausschluss Martschini) 0:1. 30. Gontscharuk 0:2. 37. Ambühl (Corvi, Moser) 1:2. 39. Andrighetto (Vermin, Martschini) 2:2. 59. Pestoni (Alatalo/Ausschluss Schtschemerow) 3:2. – Schweiz mit Waeber im Tor.

Deutschland – Schweiz 3:0 (0:0, 1:0, 2:0)

Tore: 28. Rieder (Noebels, Fischbuch/Ausschluss Schmid) 1:0. 59. Pföderl (Loibl, Noebels) 2:0. 60. Hager 3:0 (ins leere Tor). – Schweiz mit van Pottelberghe im Tor.

Schweizer Kader, Tor: van Pottelberghe (Biel), Waeber (ZSC Lions), Wüthrich (Bern). – Verteidiger: Alatalo (Lugano), Egli (Davos), Frick (Lausanne), Müller (Lugano), Riva (Lugano), Schlumpf (Zug), Untersander (Bern), Weber (ZSC Lions). – Stürmer: Ambühl (Davos), Andrighetto (ZSC Lions), Bertaggia (Lugano), Corvi (Davos), Eggenberger (Rapperswil-Jona), Fazzini (Lugano), Martschini (Zug), Moser (Bern), Nussbaumer (Davos), Pestoni (Ambri-Piotta), Rod (Genève-Servette), Thürkauf (Lugano), Vermin (Servette).

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