Champions League
Als Lucas Moura sein Tor sieht, kommen ihm die Tränen – so tickt der «Super-Superheld»

Lucas Moura schiesst Tottenham Hotspur mit einem Hattrick beim 3:2-Sieg gegen Ajax Amsterdam in den Champions-League-Final. Lucas wer? Den 26-jährigen Brasilianer kannten bloss eingefleischte Fussball-Fans. Kein Wunder, in seiner Karriere spielte er bislang stets nur die zweite Geige.

Philipp Reich
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Ajax - Tottenham (08.05.2019)
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Trotz dem 0:2 Rückstand aus der ersten Halbzeit schaffen die Spurs die Wende und gewinnen das Rückspiel mit 3:2.
Trainer Mauricio Pochettino sinkt nach dem unerwarteten Sieg seiner Mannschaft zu Boden.
Nach der nervenzehrenden Partie jubelt der dreifache Torschütze Moura.
In der Nachspielzeit kann Moura noch einmal voll aufdrehen und das 3:2 erzielen.
Kein Durchkommen - Frenkie de Jong (r.) blockt den Schuss von Dele Alli ab.
Christian Eriksen (l.) wird von Frenkie de Jong (r.) verfolgt.
Moura bejubelt seine zwei Treffer, mit denen er seine Mannschaft wieder ins Spiel gebracht hat.
Vier Minuten später folgt der zweite Treffer zum Ausgleich.
In der 55. Minute trifft Lucas Moura zum 2:1.
Doch die Zeitspanne zwischen der 50. und 60. Spielminute gehört den Spurs. Danach steht es nur noch 2:2.
Kieran Trippier schreit seinen Frust in die Welt hinaus.
Zur Pause steht es 2:0, das freut nicht nur die Ajax-Fans im Stadion.
Tottenhams Dele Alli (r.) ist nicht zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Die beiden Ajax-Spieler Kasper Dolberg (M.) und Donny van de Beek (l.) planen unterdessen schon wieder ihren nächsten Streich.
Ajax ist nicht jung, nicht wild. Mit der Abgeklärtheit einer alteingesessen Mannschaft verwaltet Ajax seinen Vorsprung aus dem Hinspiel.
Zusammen mit Vorlagengeber Dusan Tadic (r.) feiert Ziyech (l.) das 2:0.
In der 35. Minute darf auch Hakim Ziyech einnetzen, Hugo Loris kann hier nicht mehr reagieren.
Dusan Tadic (M.) wagt einen Schuss auf das gegnerische Tor.
Nach dem 0:2 ist Tottenham-Trainer Mauricio Pochettino nicht zum Lachen zu Mute.
Hakim Ziyech kommt zu spät, Torhüter Hugo Loris hat alles im Griff.
Jan Vertonghen (M.) hat gegen die beiden Ajax-Spieler Hakim Ziyech (l.) und Noussair Mazraoui (r.) das Nachsehen.
Duell in luftiger Höhe: Ajax-Spieler Lasse Schöne (l.) gegen Christian Eriksen (r.) von den Spurs.
Schiedsrichter Dr. Felix Brych beobachtet ganz genau, wie Frenkie de Jong Dele Alli den Ball abluchst.
Auch seine Teamkollegen freuen sich über den frühen Führungstreffer.
Nach seinem Treffer gibt es für den jungen Spieler kein Halten mehr.
Donny van de Beek (2.v.l.) kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, als de Ligt (3.v.l.) einnickt.
Die Szene zum 1:0.
Bereits in der fünften Minute fällt das 1:0 für Ajax durch Matthijs de Ligt.
Tottenhams Moussa Sissoko (l.) duelliert sich mit Ajax-Oldie Dusan Tadic (r.).
Für Ajax sieht die Ausgangslage etwas besser aus, doch auch auf dem 1:0 darf man sich nicht ausruhen.
Nach dem 0:1 im Hinspiel ist Tottenham heute gefordert.
Vor dem Spiel befindet sich ganz Amsterdam im Ausnahmezustand.

Ajax - Tottenham (08.05.2019)

KEYSTONE/AP/MARTIN MEISSNER

«Ajax führt 2:0 und stirbt dann in Schönheit. Der Sensenmann trägt Glatze und kommt mit einem strammen linken Schuss», heisst es im «11Freunde»-Ticker. Gemeint ist natürlich Lucas Moura, der beim Tottenham-Wunder bei Ajax Amsterdam sämtliche Tore zum 3:2-Sieg erzielt und den «jungen Wilden» so den Stecker zieht. Das Ajax-Märchen ist tot, es lebe das Tottenham-Wunder.
96. Minute: Lucas Moura schiesst Ajax ins Tal der Tränen.video: streamable
Das 3:2 fällt erst im allerletzten Angriff, in der 96. Minute – Ajax wortwörtlich am Boden, Tottenham im siebten Himmel. Dank Lucas Moura. Der 26-jährige Brasilianer ist nach Alessandro del Piero, Ivica Olic, Robert Lewandowski und Cristiano Ronaldo erst der fünfte Spieler, dem in einem Champions-League-Halbfinal ein Hattrick gelingt.

Heute hiess unser Rezept: Mit Herz und Moura. Ich hoffe, sie bauen ihm eine Statue in England.  

(Quelle: Teamkollege Christian Eriksen über Lucas Moura)

«Das war ein grosses Geschenk von Gott. Es ist unmöglich zu beschreiben, was ich gerade fühle. Ich bin so glücklich und stolz auf meine Mitspieler», sagt der Matchwinner nach dem Schlusspfiff. «Wir haben auf dem Feld alles gegeben und uns diesen Moment verdient. Das ist der beste Moment meiner Karriere – meines Lebens. Ich kann mich nur bei meinen Mitspielern bedanken.»

Unten in den Katakomben der Johan-Cruyff-Arena kommt Moura irgendwann auch beim brasilianischen TV-Team an. Die Reporter von «Esporte Interativo» machen dem Namen ihres Arbeitgebers alle Ehre und zeigen dem 35-fachen Nationalspieler auf einem kleinen Bildschirm als erstes seinen Siegtreffer. Als Moura sieht und hört, wie er Tottenham in den Champions-League-Final geschossen hat, kann er seine Emotionen nicht mehr kontrollieren. Sofort schiessen ihm Tränen in die Augen.

Der Brasilianer scheint nah am Wasser gebaut zu sein. Schon nach seinem Doppelpack beim 3:0-Sieg im letzten August gegen Manchester United weinte er Freudentränen. In Amsterdam setzte Lucas Moura aber noch einmal einen oben drauf. Für Lucas Moura war es der dritte Hattrick seiner Karriere und das erste Mal, dass sich der brasilianische Dribbelkünstler so richtig ins Rampenlicht schoss.

Vor eineinhalb Jahren kam er für 28,4 Millionen Euro zu Tottenham, doch für die grossen Momente sind bei den «Spurs» andere zuständig. Bislang stand der Mann mit der Rückennummer 27 stets im Schatten von Harry Kane, Heung-min Son, Christian Eriksen und Dele Alli.

Moura galt vor seinem Gala-Auftritt eher als Vorbereiter, als Mann für Zweikämpfe, Ballgewinne und Tempo-Dribblings, obwohl er schon immer regelmässig Tore schoss. «Beschleunigen, dribbeln und Chancen kreieren sind die DNA meines Spiels», sagte Moura einst über sich selbst. Oft zieht er das Risiko dem sicheren Pass vor, er liebt 1-gegen-1-Situationen und spielt lieber vertikal als Querpässe. Das kann einen Trainer schon mal zur Verzweiflung bringen. Nicht Maurico Pochettino. Der Tottenham-Trainer vertraut seinem Schützling blind.

Ich habe immer gesagt, dass meine Spieler Helden sind. Jetzt sind sie Superhelden und Lucas Moura ein Super-Superheld.

(Quelle: Tottenham-Trainer Maurico Pochettino)

Bereits vor sechs Jahren kam Moura im Alter von 20 Jahren von seinem Jugendverein Sao Paulo nach Europa – und zwar gleich zu Paris St-Germain. 40 Millionen Euro blätterte der neureiche Scheichklub für das 1,72 Meter grosse Supertalent hin. Doch wirklich durchsetzen konnte er sich nie, stets pendelte er zwischen Ersatzbank und Startelf. Im Sommer2017 kamen schliesslich Neymar und Kylian Mbappé und fortan pendelte Moura eher zwischen Bank und Tribüne.

Für Neuankömmling Neymar damals unverständlich: «Er ist ein starker Spieler, der kaum zum Einsatz kommt. Ich denke, das ist sehr unfair», so der Superstar über seinen Landsmann. 2011 hatten Moura und Neymar mit der brasilianischen U20-Nationalmannschaft die Südamerika-Meisterschaft gewonnen – Neymar wurde mit neun Toren Torschützenkönig, auf Rang 2 folgte bereits Moura mit vier Treffern.

Für die A-Nationalmannschaft wurde Moura, der in 35 Einsätzen vier Tore erzielt hat, zuletzt nur unregelmässig aufgeboten. Zu gross war die Konkurrenz, zu unauffällig der kleine Rechtsaussen. Das hat sich nun geändert. Mit seinen drei Toren beim Tottenham-Wunder von Amsterdam hat er sich nicht nur in ganz Fussball-Europa einen Namen gemacht, sondern sicher auch bei Nationaltrainer Tite wieder in Erinnerung gerufen.

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