Langlauf
Als Hasen auf die Alp - Dario Cologna und Nathalie von Siebenthal wollen zum Abschluss der Tour de Ski alle Angriffe abwehren

Die Ausgangslage ist delikat. Auf der letzten Etappe der Tour de Ski, die 435 Höhenmeter mit bis zu 30 Steigungsprozent hinauf auf die Alpe Cermis, kommt den beiden Schweizer Ausnahmekönnern Dario Cologna und Nathalie von Siebenthal am Sonntag die Rolle des Hasen zu. Beide spüren im Jagdstartrennen den Atem der starken Konkurrenz im Nacken.

Rainer Sommerhalder
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Dario Cologna, der in der Gesamtwertung auf dem dritten Platz liegt, zeigt sich vor dem letzten Rennen der Tour de Ski selbstbewusst.

Dario Cologna, der in der Gesamtwertung auf dem dritten Platz liegt, zeigt sich vor dem letzten Rennen der Tour de Ski selbstbewusst.

Keystone

«Der dritte Platz ist noch nicht im Trockenen», warnt Cologna. Gegen vorne gibt es für ihn im Normalfall nichts mehr zu gewinnen. Der Russe Sergej Ustjugow ist mehr als zwei Minuten voraus, Vorjahressieger Martin Johnsrud Sundby knapp eine. Die Musik spielt im Rücken des Schweizer Langlaufstars.

Cologna zusammen mit seinen Konkurrenten Sergej Ustjugow (l.) und Martin Johnsrud Sundby.

Cologna zusammen mit seinen Konkurrenten Sergej Ustjugow (l.) und Martin Johnsrud Sundby.

Keystone

Der immer stärker auftrumpfende Finne Matti Heikkinen und der französische Skatingspezialist Maurice Manificat verlassen das Starttor nur 26 und 28 Sekunden hinter Cologna. Sie werden auf der gut fünf Kilometer langen Anfahrt zum Kultaufstieg zusammenspannen und den vermeintlichen Hasen im Visier haben, wenn sie in die ersten Rampen steigen.

Selbstbewusstes Schweizer Duo

Doch der Bündner gibt sich selbstbewusst: «Heikkinen und Manificat sind zwar gute Kletterer. Aber sie werden im Aufstieg Gas geben müssen.» Will heissen, auch ein vermeintlicher Hase kann schnell laufen und Cologna will diesen Podestplatz mit allem, was sein Körper nach der neuntägigen Tour noch hergibt, verteidigen.

Die Form stimmt, denn der dreifache Olympiasieger gewann in der zweitletzten Etappe die Erkenntnis: «Ich war in der Lage, jederzeit mitzugehen.»

Ähnlich selbstbewusst tönt es bei Nathalie von Siebenthal. Der 23-jährigen Gesamtsiebten sind zwar mit den beiden Finninnen Anne Kylönen und Kerttu Niskanen und der Schwedin Charlotte Kalla gleich drei Jägerinnen mit weniger als 20 Sekunden Rückstand auf den Fersen, doch auch von Siebenthal selber hat eine Beute ausgemacht.

Visiert den sechsten Rang im Gesamtklassement der Tour de KSi an: Nathalie von Siebenthal.

Visiert den sechsten Rang im Gesamtklassement der Tour de KSi an: Nathalie von Siebenthal.

Keystone

«Ich will die Russin Tschekalewa überholen und auf den sechsten Platz laufen», kündigt die Berner Oberländerin an. Sie freue sich enorm auf den Schlussaufstieg. Wer im Sommer als Bergbäuerin auf die Alp geht, der wird im Winter die Cermis nicht fürchten.

Wenn man den derzeit enorm starken Eindruck von Siebenthals in den Anstiegen zum Massstab nimmt, darf man der zierlichen Schweizerin gar die Tagesbestzeit auf der Bergstrecke zutrauen.

Der Finish als Schwachstelle

Dario Cologna und Nathalie von Siebenthal zeigten auf der zweitletzten Etappe, einem Massenstartrennen im klassischen Stil, ähnliche Darbietungen. Beide waren stets in den vorderen Rängen präsent, führten das Feld etwa zur Rennhälfte sogar an, verloren aber auf dem letzten Kilometer den Kampf um die Podestplätze.

Wobei die Lücke bei der Bernerin im Ziel doch deutlich grösser war als bei Cologna. Dieser ging nach dem Antritt von Sundby gemeinsam mit Ustujgow als erster Verfolger in den letzten Anstieg, stiess dort bei einem Spurwechsel kurz mit dem Finnen Heikkinen zusammen und verlor dabei ein wenig den Rhythmus. «Der letzte Aufstieg war nicht optimal», übte der 30-Jährige Selbstkritik.

«Natürlich wäre in der Tageswertung mehr möglich gewesen, denn ich habe mich heute sehr gut gefühlt.» Cologna hätte sich ein noch höheres Renntempo gewünscht, «damit sich die zwei, drei Athleten, die derzeit etwas stärker sind als die anderen» – damit meinte er wohl sich, Sundby und Ustujgow –, «dauerhaft hätten absetzen können».

Er habe in dieser Etappe aber mit einem Auge immer auch aufs Gesamtklassement geschielt, «und dafür waren die beiden Bonussprints unterwegs wichtiger als der Rang im Ziel». In beiden hamsterte der Schweizer Zusatzsekunden.

Der Husten als treuer Begleiter

Einen Gegner kann Dario Cologna derzeit bei bestem Willen nicht abschütteln. Der aggressive Reizhusten als Folge des Leistungsasthmas begleitet den dreifachen Gesamtsieger während der gesamten Tour hartnäckig.

Der Husten macht Dario Cologna zu schaffen.

Der Husten macht Dario Cologna zu schaffen.

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Wie bereits in Toblach musste Cologna nach dem Rennen vom Samstag zuerst ein Asthmamittel inhalieren, bevor er Auskunft zum Rennverlauf geben konnte. Die kalten Temperaturen sind Gift für Colognas Atemwege. Aufhalten können sie ihn aber nicht. Höchstens ab und zu ein wenig bremsen. Hoffentlich nicht am Sonntag beim ultimativen Alpaufzug.