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Als erster Schweizer Spitzensportler: Der Schwinger Curdin Orlik outet sich

Curdin Orlik sicherte sich beim Eidgenössischen 2019 einen Kranz.

Curdin Orlik sicherte sich beim Eidgenössischen 2019 einen Kranz.

Der 27-jährige Curdin Orlik outet sich als erster Schweizer Spitzensportler. Er sagt: «Ich dachte: Ich will nicht schwul sein. Aber ich bin es. Nun ist es raus.»

Der Spitzenschwinger Curdin Orlik hat sich als schwul geoutet. Im «Magazin» des «Tages-Anzeiger» setzt er die Öffentlichkeit erstmals darüber in Kenntnis. «Ich bin so, ich kann nichts dafür. So bin ich geboren», sagt der 27-jährige Orlik.

Der Bündner, der nach einem Umzug für den Berner Teilverband antritt, ist im Sägemehl ein Böser. Curdin Orlik gewann am vergangenen Eidgenössischen in Zug einen Kranz, 2017 stand er im Schlussgang des Unspunnenfests. Bis heute gewann der ältere Bruder des noch bekannteren Armon Orlik fünf Kranzfeste.

«Ich will frei sein»

Der Schwinger suchte den Gang an die Öffentlichkeit von sich aus, sein Sportpsychologe kontaktierte den Journalisten. Er habe sich auch überlegt, in einem gewöhnlichen Interview beiläufig zu erwähnen, dass er schwul sei, so Orlik, «als wäre es das Normalste der Welt.» Doch davon sei er abgekommen, denn: «In der Welt, aus der ich komme, wird Schwulsein eben nicht als das Normalste der Welt betrachtet.»

Und so trafen sich Orlik und der Journalist mehrmals. Stundenlang erzählte der Sportler von sich und vom Leben, das er glaubt, führen zu müssen. «Ich will frei sein», sagt Orlik, viel zu lange habe er verdrängt, wer er wirklich sei. «Ich bin keiner, der vor Leuten herumknutscht, aber ich will mich mit einem Mann in die Badi legen und ihn berühren können.»

Orlik ist seit vier Jahren Vater und sagt, er oute sich auch deshalb. «Ich tue das auch für meinen Sohn, ihn will ich auf gar keinen Fall anlügen. Ich wusste schon immer, dass ich schwul bin, sicher seit ich zwölf war. Aber ich dachte: Das ist falsch, das kann nicht sein.»

Der Bruder bewundert ihn für seinen Mut

Er habe seither oft ein Versteckspiel führen müssen, egal wo er war. «Auf dem Schulhausplatz habe ich Sachen gehört: Du schwule Sau, du Schwuchtel. Oder beim Fussball: So ein schwuler Pass! Auch beim Schwingen. Klar, niemand meinte das ernst, aber wenn du selbst so bist, dann denkst du: Scheisse, das ist nicht gut. Ich dachte: Ich will nicht schwul sein. Aber ich bin es. Nun ist es raus.»

Die nahen Vertrauten – die ehemalige Partnerin, die Eltern, Bruder Orlik und einige Kollegen – weihte Orlik schon vor einiger Zeit in das Geheimnis ein, das ihn so lange belastete. «Insgeheim wusste ich, dass sie mich weiterhin lieben würden – aber die Angst, sie könnten mich verstossen, war grösser», erinnert er sich an das Gespräch mit seinen Eltern. Sein Bruder Armon sagt, er bewundere Curdin: «Dass sich mein Bruder outet, ist das Mutigste, das jemand machen kann.»

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