Weltweit waren in diesem Jahr sechs Athletinnen schneller, unter ihnen mit der Britin Dina Asher-Smith bloss eine Europäerin. Das unterstreicht, welch vielversprechende Perspektiven Kambundji an den Europameisterschaften in Berlin (7. bis 12. August) besitzt. Sie gehört nun dort zu den Topfavoritinnen.

Nach dem Sieg bei Spitzenleichtathletik Luzern am vergangenen Montag in 11,12 Sekunden hatte Kambundji zu Protokoll gegeben, dass sie am liebsten noch vor Berlin unter elf Sekunden laufen würde, nun ging der Wunsch in Erfüllung. Ihren am vorletzten Donnerstag an der Athletissima in Lausanne erzielten Schweizer Rekord verbesserte sie gleich um acht Hundertstel.

Sowohl nach Lausanne als auch nach Luzern hatte Kambundji noch Potenzial im Finish gesehen. Sie hatte das Gefühl, hinten heraus am kämpfen zu sein. Konkret sagte sie nach Luzern: "Wenn ich merke, dass die anderen kommen, will ich zu viel." Insofern war es vielleicht sogar ein Vorteil, dass sie in Zofingen nicht wirklich gefordert wurde. Die zweitplatzierte Sarah Atcho distanzierte sie um 26 Hundertstel. Ausserdem profitierte sie von Topbedingungen, blies doch ein Rückenwind von 1,1 m/s. "Es ist wirklich ein Traum in Erfüllung gegangen", sagte Kambundji nach ihrem achten SM-Titel in Serie über 100 m. "Das motiviert mich, noch besser zu werden. Denn ich glaube nicht, dass es ein optimales Rennen war."

Eine Zeit unter elf Sekunden hatte Kambundji erstmals 2015 für möglich gehalten, als sie an den Weltmeisterschaften in Peking 11,07 Sekunden gestoppt wurde. Danach musste sich sich aber bis Juli 2017 gedulden, ehe sie diese Zeit egalisierte. Insofern war ihr klar, dass sie etwas ändern musste, um einen weiteren Schritt vorwärts zu machen.

Deshalb trennte sie sich im vergangenen Herbst nach vier Jahren vom deutschen Trainer Valerij Bauer. Die darauffolgende Zusammenarbeit mit dem Niederländer Henk Kraaijenhof beendete sie nach zwei Monaten. Im April schloss sie sich US-Coach Rana Reider an, der unter anderen die niederländische Topsprinterin Dafne Schippers betreut. Dieser schreibt nun ihre Trainingspläne, die sie manchmal alleine umsetzte. Sie kann aber auch immer wieder auf ihren früheren Jugendtrainer Jacques Cordey und den in Magglingen in der Trainerausbildung tätigen Adrian Rothenbühler zählen.

"Es half mir, dass ich im Herbst auf mein Gefühl hörte", so Kambundji. Sie macht nun weniger Krafttraining und absolviert mehr Läufe. Bereits an den Hallen-Weltmeisterschaften im März in Birmingham brillierte sie mit dem Gewinn der Bronzemedaille. Nun ist sie über 100 m in eine neue Sphäre vorgedrungen.

Den Titel bei den Männern in der Königsdisziplin sicherte sich wie erwartet Alex Wilson. Der 27-jährige Basler, ein gebürtiger Jamaikaner, siegte in 10,14 Sekunden knapp vor dem für den BTV Aarau startenden Silvan Wicki (11,17). Den eigenen Schweizer Rekord aus dem vergangenen Jahr verpasste Wilson lediglich um drei Hundertstel.