Eishockey-WM
Als die Ordnung verloren ging: Die Schweiz vergibt gegen Tschechien eine 4:2-Führung und verliert 4:5 n.P.

Die Schweizer Nationalmannschaft hat an der WM in Dänemark im dritten Spiel die erste Niederlage erlitten. Das Team von Trainer Patrick Fischer unterlag Tschechien 4:5 nach Penaltyschiessen.

Marcel Kuchta
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Kopf an Kopf: Die Tschechen (links Filip Chytil) und die Schweiz (Dean Kukan) lieferten sich ein enges Duell.

Kopf an Kopf: Die Tschechen (links Filip Chytil) und die Schweiz (Dean Kukan) lieferten sich ein enges Duell.

Keystone

Als Nino Niederreiter in der 28. Minute mit dem dritten Powerplay-Treffer des Abends zum 4:2 traf, da schien die Schweiz gegen Tschechien dem dritten Sieg im dritten WM-Spiel und somit den Punkten 6, 7 und 8 entgegenzusteuern. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Mannschaft von Nationaltrainer Patrick Fischer erneut überzeugt. Offensiv wirblig, kreativ und eben endlich auch im Überzahlspiel effizient. Hinten souverän und konzentriert. Was sollte da noch passieren?

Nun: Es passierte einiges. Nach dem 4:2 spielten die Schweizer, wie es Nino Niederreiter nach dem Ende des zweiten Drittels treffend bezeichnete «Habakuk» zusammen. Auf Deutsch: Die Ordnung ging völlig verloren. Jeder machte auf dem Eis irgendetwas, vor allem in der Defensive, die sich irgendwann in ihre Einzelteile auflöste. Die logische Konsequenz war, dass die Tschechen, die schon geschlagen schienen, wieder ins Spiel zurückfanden und recht einfach zum Ausgleich kamen.

Vermins goldene Chance

Doch damit nicht genug des Dramas: Als sich die Lage der Dinge im dritten Drittel wieder einigermassen beruhigt hatte, auch wenn die Fehlerquote immer noch ziemlich hoch war, da bot sich den Schweizern in der Schlussphase erneut die goldene Chance, die Entscheidung noch in der regulären Spielzeit zu erzwingen.

Erst hatte man die Gelegenheit, vier Minuten in Überzahl zu agieren, was in einer Grosschance von Nino Niederreiter mündete, welche der Doppeltorschütze aber vergab. Wie auch wenig später Joel Vermin, der gar die goldene Gelegenheit hatte, einen Penalty zu verwandeln (56.), nachdem er in Unterzahl enteilt war. Doch auch der Lausanne-Stürmer scheiterte am immer stärker agierenden, tschechischen Goalie Francouz.

Timo Meiers schnelle reise nach Kopenhagen

Den unkomplizierten San Jose Sharks sei Dank 

Es ist sehr ungewöhnlich, dass ein NHL-Spieler schon einen Tag nach dem Ausscheiden seiner Mannschaft aus den NHL-Playoffs im Flugzeug Richtung Europa sitzt. Doch die San Jose Sharks und deren GM Doug Wilson erwiesen sich im Zusammenhang mit der WM-Freigabe für ihren Flügelstürmer Timo Meier als unglaublich unkompliziert.

Schon am Morgen nach dem Out gegen die Vegas Golden Knights hatte Meier sein Austrittsgespräch und konnte so bereits am Montagabend kalifornischer Zeit seinen Flug nach Kopenhagen antreten. Mit ihm zusammen übrigens auch die beiden Dänen im Team der Sharks, Mikkel Bödker und Jannik Hansen. Schon am Dienstagvormittag landete das San-Jose-Trio in Kopenhagen. Timo Meier wäre nach eigener Aussage, trotz der hektischen letzten Stunden, bereit gewesen, schon am Abend gegen die Tschechen zu spielen. Doch der Schweizer Trainer-Staff entschied, dem 21-Jährigen noch eine Verschnaufpause zu gewähren.

So durfte er sich das Spiel in aller Ruhe von der Tribüne aus ansehen. Heute Nachmittag (16.15 Uhr) im Duell gegen Weissrussland wird der Appenzeller mit Sicherheit auflaufen. Die Wasserverdrängung des kräftigen Flügels, der in der eben für ihn zu Ende gegangenen NHL-Saison in 91 Spielen 23 Tore erzielte, können die Schweizer auf jeden Fall gut gebrauchen. Nach Meiers Ankunft reiste dafür gestern ZSC-Lions-Verteidiger Dave Sutter, der bisher nicht gemeldet war, in Richtung Heimat ab.

Das Glück verabschiedete sich endgültig

So musste am Ende das Penaltyschiessen über die definitive Punktvergabe entscheiden. Dort verliess die Schweizer das Abschlussglück aber endgültig. Als einziger der zehn Schützen traf der Tscheche Michal Repik (Ex-Zug) und sorgte damit für eine aus Sicht der «Eisgenossen» ärgerliche, weil unnötige 4:5-Niederlage.

Ein Punkt war aufgrund des lange Zeit günstigen Spielverlaufs ein zu karger Lohn für die Schweizer, die auch ein Opfer ihrer Unerfahrenheit wurden. Trotzdem: Mit einem Sieg am Mittwochnachmittag gegen die bisher desolaten Weissrussen können sich die Fischer-Boys den Viertelfinals einen weiteren Schritt nähern. Das ist die gute Nachricht.

Matchtelegramm

Tschechien - Schweiz 5:4 (1:1, 3:3, 0:0, 0:0) n.P.

6226 Zuschauer. - SR Gofman/Reneau (RUS/USA), Goljak/Lasarew (BLR/RUS). - Tore: 12. Niederreiter (Hofmann/Ausschluss Sulak) 0:1. 17. Kubalik (Necas/Ausschluss Müller) 1:1. 21. Hofmann (Andrighetto, Diaz/Ausschluss Kubalik) 1:2. 23. Moser (Vermin, Müller) 1:3. 25. Moravcik (Sklenicka, Hyka/Ausschlüsse Krejcik; Baltisberger) 2:3. 28. (27:21) Niederreiter (Moser, Untersander/Ausschluss Jaskin) 2:4. 28. (27:43) Jaskin (Moravcik, Nestrasil) 3:4. 35. Repik (Kubalik) 4:4 (Strafe angezeigt). - Penaltyschiessen: Jaskin -, Rod -; Hyka -, Andrighetto -; Necas -, Niederreiter -; Nestrasil -, Corvi -; Repik 1:0, - Strafen: 13mal 2 Minuten gegen Tschechien, 9mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Tschechien: Francouz; Gudas, Moravcik; Hronek, Sulak; Sklenicka, Jordan; Polasek, Krejcik; Hyka, Faksa, Cervenka; Repik, Plekanec, Kubalik; Nestrasil, Necas, Jaskin; Chytil, Horak, Kousal.

Schweiz: Genoni; Diaz, Müller; Untersander, Kukan; Fora, Frick; Genazzi; Rod, Schäppi, Scherwey; Niederreiter, Corvi, Andrighetto; Baltisberger, Haas, Hofmann; Riat, Vermin, Moser.

Bemerkungen: Schweiz ohne Berra (Ersatztorhüter), Senn (überzählig), Meier, Siegenthaler, Walser (alle nicht gemeldet) und Sutter (abgereist). - Francouz lenkt Schuss von Hofmann an die Latte ab (4.). - 56. Vermin scheitert mit Penalty an Francouz. - Timeout Schweiz (60.). - Schüsse: Tschechien 27 (5-7-6-9); Schweiz 29 (7-9-13-0). - Powerplay-Ausbeute: Tschechien 1/5; Schweiz 3/9.

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