Die Engelbergerin Michelle Gisin dürfte deshalb die letzte Kombinations-Olympiasiegerin sein. Nostalgiker haben Mühe mit den Plänen der FIS. In einer SRF-Umfrage haben knapp 70 Prozent der 10 000 Befragten angegeben, dass sie das Format gerne weiterhin sehen würden.

Die Kombination ist 1928 erstmals ausgetragen worden. In den Anfangszeiten des Skirennsports genossen die Kombinierer grosses Ansehen. Sie galt als Königsdisziplin. Nur ein kompletter Skifahrer könne ein solches Rennen gewinnen, lautete die Begründung.

«Keine Werbung für Skisport»

Von ebensolch kompletten Skifahrern gibt es heute nicht mehr viele. Die Rennen wurden mehr, die Belastungen grösser und die Kluft zwischen den schnellen und den technischen Disziplinen ging immer weiter auf. Im Weltcup hat längst das Spezialistentum Einzug gehalten. In den vergangenen Jahren gelang es nur Ausnahmeathleten wie Ivica und Janica Kostelic, Bode Miller, Tina Maze oder Anja Pärson, in allen Disziplinen regelmässig Siege einzufahren.

In den vergangenen Jahren gelang es nur Ausnahmeathleten wie Ivica und Janica Kostelic, Bode Miller, Tina Maze oder Anja Pärson, in allen Disziplinen regelmässig Siege einzufahren.

In den vergangenen Jahren gelang es nur Ausnahmeathleten wie Ivica und Janica Kostelic, Bode Miller, Tina Maze oder Anja Pärson, in allen Disziplinen regelmässig Siege einzufahren.

Von den Aktiven wäre dieses Kunststück lediglich der US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin zuzutrauen. FIS-Renndirektor Markus Waldner kritisierte ebendiese Entwicklung im Gespräch mit der «Nordwestschweiz»: «Wenn man die besten Abfahrer teilweise Slalom fahren sieht, ist das keine Werbung für den Skisport.»

Für die geplante Einstellung der Kombination gibt die FIS nicht nur sportliche Gründe an. Das Format rentiert schlicht nicht mehr. Die Rennen liessen sich in den vergangenen Jahren kaum vermarkten.

Dies bestätigt Thomas Stauffer, Cheftrainer der Männer bei Swiss Ski: «Es stimmt, dass zum Teil das Zuschauerinteresse nicht so gross ist, was aber von den Sendezeiten abhängt.» Die Kombinationsrennen werden normalerweise am Freitagnachmittag ausgetragen, wodurch das TV-Publikum und die Zuschauermassen am Pistenrand ausbleiben.

«Es wird schwierig, Rennen zu solch unattraktiven Zeiten zu finanzieren», so Stauffer. Darüber hinaus ist die Organisation einer Superkombination extrem aufwendig für das veranstaltende Skigebiet. Nur wenige Weltcup-Destinationen haben die Kapazitäten und Ressourcen, eine Abfahrt und einen Slalom auf demselben Berg und an demselben Tag durchzuführen.

Noch ist nichts definitiv 

Eine definitive Abschaffung der Kombination wurde vonseiten der FIS noch nicht kommuniziert; mit den Parallelrennen fördert der Weltverband allerdings bereits eine potenzielle Ersatzdisziplin. Derzeit fungieren sie als Zusatz zu den fünf bestehenden Wertungen und haben noch keinen eigenen Weltcup.

Gemäss Stauffer plane die FIS aber, den Parallelwettkampf künftig als eigenständige Disziplin einzuführen. Dies würde bedeuten, dass solche Anlässe demnächst auch auf Nachwuchsebene auf dem Programm stünden.

Thomas Stauffer:, Cheftrainer der Männer bei Swiss Ski.

Thomas Stauffer:, Cheftrainer der Männer bei Swiss Ski.

Atle Skaardal, FIS-Renndirektor der Frauen, will im Weltcup langfristig fünf bis sechs Parallelrennen pro Winter austragen. Die Rahmenbedingungen müssen noch festgelegt werden. Einiges ist unklar. Mit welchen Torabständen fährt man? Sollen der Parallelriesenslalom und der Parallelslalom voneinander getrennte Wertungen erhalten? Nach welchem System werden die Punkte verteilt?

Für Stauffer macht die Umdisponierung durchaus Sinn: «Der Vorteil von Parallelrennen ist, dass es für dieses Format viele beleuchtete Pisten gibt (da der Kurs sehr kurz ist, d. Red.) und damit zu besseren TV-Zeiten gesendet werden kann. Das beeinflusst die Zuschauerzahlen sicher positiv.» Überdies kann die neuartige Disziplin als City Event durchgeführt werden und bringt den Skiweltcup damit vermehrt in europäische Grossstädte.

Schweizer Erfolgsgeschichte

Letztlich haben die nationalen Verbände über die Disziplinenreform zu entscheiden. Hinsichtlich Olympia 2022 in Peking hat ausserdem das Internationale Olympische Komitee IOC ein Wörtchen mitzureden. Und auch die Fahrer können sich einbringen. «Die Athleten haben einen Vertreter im FIS Council. So können sie ein Stück weit mitentscheiden», sagt Stauffer.

Aus Schweizer Sicht wäre die Absetzung der Mischdisziplin äusserst bedauerlich. Unsere Kombinierer fuhren an den Grossanlässen verlässlich Edelmetall heraus. Sie holten insgesamt zehn Medaillen bei Olympischen Spielen und stellten zwölfmal eine Kombi-Weltmeisterin oder einen Kombi-Weltmeister.