Wieder waren Ihre Vorbereitungen durch das mysteriöse Virus beeinträchtigt. Wie muss man sich diese Beschwerden vorstellen und kennen Sie die Ursache?

Carlo Janka: Wir wussten schon letztes Jahr nicht, was es ist, woher es kam und wie lange es dauert - und heuer war es genau gleich. Ich begann ganz normal mit dem Aufbautraining. Plötzlich stieg der Puls schon bei der geringsten Anstrengung. Selbst bei alltäglichen Sachen wie Treppensteigen wurde ich müde - und plötzlich ging gar nichts mehr.

Wie geht es Ihnen im Moment, sind Sie fit?

Janka: Rein körperlich bin ich wieder auf Kurs. Die Fitness hat sich stark verbessert, obwohl ich vom Konditionstraining vielleicht nur 30, maximal 40 Prozent von dem machen konnte, was ich mir vorgenommen hatte. Doch das war schon im Vorjahr so, und trotzdem habe ich die Saison durchgestanden. Ich weiss schon fast nicht mehr, wie es ist, wirklich fit zu sein.

Nun ist das Virus unter Kontrolle?

Janka: Seit ich auf Schnee trainiere, sind die Symptome verschwunden. Nach dem Camp in Ushuaia in Argentinien waren die Probleme wie weggeblasen. Ich glaube bald, es handelt sich um eine «Anti-Schnee-Allergie». Wenn der Schnee fehlt, werde ich krank . . .

Dann wird nach dieser durchzogenen Vorbereitung die Erwartungshaltung gedämpft sein?

Janka: Für mich ist die Messlatte gleich hoch wie im letzten Jahr - wenn nicht höher. Ich will die Resultate bestätigen. Es ändert für mich nichts daran, ob jetzt die Vorbereitung nicht so gut oder nur halboptimal war.

Doch dazu kommt noch der erhöhte Druck, für die andern das Mass aller Dinge zu sein?

Janka: Der Druck ist eher geringer. Die drei grossen Ziele, Olympia-, WM- und Weltcup-Gesamtsieg, habe ich ja schon erreicht. Meine Karriere ist also gerettet (lacht). Alles, was kommt, ist eine Zugabe - das reduziert den Leistungsdruck.

Haben Sie sich nach diesem Traumwinter etwas Besonderes geleistet als Belohnung?

Janka: Grundsätzlich habe ich alles, was ich zum Leben brauche. Grössere Anschaffungen standen nicht an. Ich gönnte mir schöne Ferien im Frühling - sonst leistete ich mir nichts Aussergewöhnliches.

Jetzt sind Sie der Gejagte, nicht mehr der Jäger?
Janka: Die Situation hat sich geändert. Ich steige trotzdem locker in die Saison.

Diese Lockerheit werden Sie kaum verlieren?
Janka: Die ist auch nicht «verlierbar». Die Gelassenheit ist mir in die Wiege gelegt worden. Andere Athleten müssen mit mentalem Training daran arbeiten. Ich habe in diesem Bereich nie etwas unternehmen müssen.

Wer sind aus Ihrer Sicht die gefährlichsten Rivalen im Kampf um den Gesamtweltcup?
Janka: Die üblichen Verdächtigen, und vielleicht schleicht sich der eine oder andere neue an. Ich werde auf jeden Fall alles unternehmen, damit ich in diesem Kreis involviert bleibe.

Eine kleine Schwäche war jedoch selbst in der grossartigen letzten Saison auszumachen. Auf Eis hatten Sie Abstimmungsprobleme. Sind diese behoben?
Janka: Wir haben das «Idealpaket» noch nicht gefunden. Aber wir arbeiten daran und hoffen, bei solchen Verhältnissen den entsprechenden Ski bereitzuhaben.

Am Wochenende gehts in Sölden los.
Janka: Die Auftaktrennen haben einen speziellen Charakter. Es sind quasi die Überraschungsrennen des Jahres, auch für mich selber. Wo steht man? Funktioniert das Material? Aber die Vorfreude überstrahlt alles.

Höhepunkt der Saison ist die WM in Garmisch. Wenn Sie wählen könnten: Sie Weltmeister oder Dani Albrecht Weltmeister und Sie Zweiter - welcher Variante würden Sie den Vorzug geben?
Janka: (Pustet die Luft raus, überlegt lange) Schwierige Frage. Beides hätte seinen Reiz. Wenn Dani in Garmisch eine Medaille holen könnte, wäre das die Krönung seines Comebacks und eine der grossen Geschichten des Skisports. Ich würde mich extrem mitfreuen. Aber schliesslich verfolgt man auch seine eigenen Ziele. Aber wenn ich hinter Dani Zweiter wäre, würde ich das sofort unterschreiben.