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Alles unter Kontrolle - Lara Gut steuert, welches Bild die Öffentlichkeit von ihr hat

Lara Gut ein Star? Eine Zicke? Eine Diva? Die 26-Jährige wurde noch nie Weltmeisterin oder Olympiasiegerin. Trotzdem steuert sie mittlerweile sogar, welches Bild die Öffentlichkeit von ihr hat – das freut aber nicht alle

Martin Probst
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Lara Gut spricht zu den Medien und plant zuvor genau, was sie sagt.

Lara Gut spricht zu den Medien und plant zuvor genau, was sie sagt.

Keystone

Tennishalle Zermatt, 9 Uhr morgens: Vier Weltmeister, ein Olympiasieger und ein Sportler, der beides ist, warten auf ihren Auftritt als Fotomodel. Die Zeit zwischen den Werbeshootings für Sponsoren nützen Carlo Janka, Beat Feuz, Patrick Küng, Luca Aerni, Sandro Viletta und Wendy Holdener, um mit den Journalisten zu plaudern.

Lara Gut ist weder Weltmeisterin noch Olympiasiegerin. Trotzdem fährt sie einen Sonderzug und steht abseits. Sprechen will sie nicht mit den Medien. Dafür gibt es später am Tag schliesslich eine Pressekonferenz. Nur für sie. Star-Allüren? Zicke? Diva? Schnell könnten Vorurteile entstehen – und von den Schreibenden in die Welt gesetzt werden. Das ist auch alles schon passiert.

Verwandlung von Prinzessin zur Diva

Der Boulevard liebte die «Skiprinzessin» Lara Gut, als sie 17-jährig die Schweiz verzückte. Die Verwandlung von der Prinzessin zur Diva passiert dann schnell. Besonders, wenn es um Schlagzeilen geht. Lara Gut fühlte sich – oft zu Recht – falsch dargestellt und missverstanden. «Ich kann ein ganz gutes Interview geben, in dem aber zwei Sätze nicht richtig sind, auf die ich nicht so geachtet habe. Und diese lassen dann ein ganz falsches Bild von mir entstehen», sagte sie 2016 dem «Tages-Anzeiger».

Carlo Janka ein Strassenrowdy?

Carlo Janka ein Strassenrowdy?

SDA Screenshot

Wie schnell das gehen kann, zeigt ein Beispiel. Zurück zur lockeren Plauderei in der Tennishalle in Zermatt. Carlo Janka hat im Sommer ein Formel-1-Rennen besucht und sagt, als er gefragt wird, wie es war: «Jeder Skifahrer denkt, ein guter Autofahrer zu sein. Das Prinzip ist ja auch das gleiche: schnell in die Kurve und schnell wieder raus.»
Im richtigen Kontext ist diese Aussage kein Problem. Doch ein wenig gekürzt, ein wenig verdreht, wird aus Janka schnell ein Raser, ein Verkehrsrowdy. Lara Gut hat in den zehn Jahren, die sie schon in der Öffentlichkeit steht, oft erlebt, wie Dinge anders dargestellt wurden, als sie wirklich sind.

Das Selbstporträt

Die Konsequenz: Lara Gut wurde immer vorsichtiger. Was ihr zugleich eine Aura der Unnahbarkeit verleiht. Weil sie, wann immer möglich, auf Distanz geht. So kann die 26-Jährige verhindern, dass sie unvorbereitet mit Fragen konfrontiert wird. Für eine Pressekonferenz kann sie eine Art Drehbuch erarbeiten. Die gestellten Fragen, vor allem aber ihre Antworten, steuert sie dann gekonnt in die von ihr vorgegebene Richtung. Kurz gesagt: Lara Gut nimmt dem Gespräch einen Teil der Spontanität, wie sie beispielsweise in der Tennishalle entsteht.

Lara Gut beantwortet nicht gerne unvorbereitet Fragen. (Archivbild)

Lara Gut beantwortet nicht gerne unvorbereitet Fragen. (Archivbild)

Keystone/CYRIL ZINGARO

Wenn sie so auftritt, erinnert Lara Gut an eine Malerin, die sich auf der Leinwand selbst porträtiert. Das Bild, das entsteht, ist ihres und nicht fremdgezeichnet. Sie hat die Kontrolle. «Ich liebe Pläne, ich mag es, Pläne zu ändern. Aber ich mag es überhaupt nicht, keinen Plan zu haben», sagt sie. Das spontane, nicht planbare Gespräch? Ein Graus! Die Tessinerin will die Leitplanken selbst setzen und die Kontrolle haben.

Ihre Herausforderung

Darum mag Lara Gut auch Facebook und Co. In den sozialen Medien kann sie sich so darstellen, wie sie es will. Sie kann zeigen, was sie will und schreiben, wie sie will. «Es ist für mich ein sehr guter Weg, meine Fans an meinem Leben teilhaben zu lassen», sagt sie. Zumindest an dem Teil des Lebens, den sie teilen will. Ähnliches gilt für die Kolumne, die sie in der Zeitung «Le Matin» schreibt. Als Autorin kann sie sich selbst beschreiben. Das hat viele Vorteile.

228 Tage lang hat sie nach dem Unfall an der WM in St. Moritz nicht mit den Medien gesprochen. «Jeder Athlet, jede Athletin hat eine persönliche Herausforderung. Einer liebt vielleicht Süssigkeiten zu sehr. Meine Challenge war schon immer die Medienarbeit», sagt sie. Umgekehrt ist aber auch die Arbeit mit ihr für die Medien eine Herausforderung. Nicht wenige Reporter klagen und wünschen sich mehr Feuz in Gut. Der Berner spricht meist frei von der Leber. Lara Gut hingegen plant, bevor sie teilt. Sie verrät genau so viel Privates, dass es sie interessant macht, aber nie mehr als nötig.

Nach zehn Jahren im Fokus ist sie ein Profi der Selbstinszenierung. Die Pressekonferenz in Zermatt hat sie live via Facebook übertragen. Über 30 000 Menschen haben zugeschaut und ihre Fans können noch Monate später nachhören, was sie gesagt hat. Sie hält den Aufwand so gering wie möglich, gerade weil sie die Medienarbeit nicht mag. Persönliche Interviews gibt sie sehr selten. Warum auch etwas mehrmals erzählen, wenn einmal öffentlich reicht? Mit diesem Sonderzug fährt sie ziemlich gut.