Kennen Sie Pascal Erlachner? Nein? Er ist Schiedsrichter, startete seine Karriere 2004 und arbeitete sich während der vergangenen 13 Jahre sukzessive bis an die Spitze des nationalen Fussballs. Heute leitet der 37-jährige Solothurner regelmässig Spiele der Super und Challenge League und zählt zu den Top 10 der Schweizer Schiedsrichter. Erlachner ist Schiedsrichter mit Leib und Seele. Aber er ist auch nur ein Mensch. Mal pfeift er die Spiele gut, mal etwas weniger gut, mal sogar schlecht.

Zur Sache: Pascal Erlachner leitete am Samstag den Abstiegsgipfel zwischen dem FC Vaduz und den Zürcher Grasshoppers. GC siegte im Rheinpark Stadion mit 4:2. So stehen die Liechtensteiner fünf Runden vor Schluss im Kampf gegen die Relegation in die Challenge League mit dem Rücken zur Wand.

GC muss sich nach dem Sieg gegen Vaduz keine Sorgen mehr um den Abstieg machen.

GC muss sich nach dem Sieg gegen Vaduz keine Sorgen mehr um den Abstieg machen.

Dass Vaduz nach einer 2:1-Führung wegen krasser Abwehrfehler innert fünf Minuten drei Tore kassierte, war nach dem Schlusspfiff allerdings nur eine Randnotiz. Der Sündenbock aus Sicht der Liechtensteiner für das 2:4 war schnell gefunden: Der Sündenbock ist der Schiedsrichter! Der Sündenbock heisst Pascal Erlachner!

Ein nicht gegebener Penalty nach einem vermeintlichen Foul an Albion Avdijaj und ein Fehlentscheid vor dem Ausgleichstreffer von GC zum 1:1 sorgten in den Reihen des FC Vaduz für grossen Ärger. Vor Numa Lavanchys Flanke vor dem Torschuss von Caio zum 1:1 soll der Ball deutlich hinter der Grundlinie gewesen sein. Schaut man sich die Fernsehbilder an, wird spätestens beim Betrachten der Zeitlupe klar, dass der Ball tatsächlich im Aus war.

Erlachner: «Je nach Perspektive»

Halt: War der Ball wirklich im Aus? Oder etwa doch nicht? Sind wir alle einer optischen Täuschung zum Opfer gefallen? Erlachner jedenfalls ist alles andere als überzeugt davon, dass der Ball hinter der Grundlinie war. «Die Frage, ob der Ball im Aus war oder nicht, kann man nicht zu hundert Prozent beantworten», sagt Erlachner.

«Es darf bei der Betrachtung dieser Szene nämlich auf keinen Fall ausser Acht gelassen werden, dass man die Position des Balls je nach Kamera-Perspektive anders wahrnimmt. Mein Assistent war nahe dran und hat die ganze Sache genau beobachtet. Und er war sich absolut sicher, dass der Ball nicht in vollem Umfang hinter der Grundlinie war.»

«Der Fehler des Schiedsrichters und seines Assistenten kostet uns vielleicht den Platz in der Super League.»

Roland Vrabec:

«Der Fehler des Schiedsrichters und seines Assistenten kostet uns vielleicht den Platz in der Super League.»

Die Aussage von Erlachner hat, wie wir aus der Vergangenheit wissen, durchaus ihre Berechtigung. Und weil der Turn- und Sportlehrer alles andere als ein Selbstdarsteller ist, muss man seine Worte ernst nehmen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Vaduz-Trainer Roland Vrabec die Sache anders beurteilt als Erlachner. «Der Fehler des Schiedsrichters und seines Assistenten kostet uns vielleicht den Platz in der Super League», sagte ein sichtlich erboster Vrabec nach dem Schlusspfiff.

«Wir wurden in den vergangenen Wochen schon gegen die Young Boys, den FC Basel und Sion benachteiligt. Das kann so ganz einfach nicht weitergehen. Ich habe lange Zeit geschwiegen. Jetzt aber ist zu viel passiert. Jetzt muss ich mich wehren.»