Super League

Alle Schlüsselspieler gehalten: YB will näher an den FCB rücken

Michael Frey, von Lille via Luzern zu YB zurückgekommen, könnte zusammen mit Guillaume Hoarau ein starkes Angriffsduo bilden.

Michael Frey, von Lille via Luzern zu YB zurückgekommen, könnte zusammen mit Guillaume Hoarau ein starkes Angriffsduo bilden.

Super League Vom Titel spricht bei den Bernern diesmal niemand, aber dem FCB näher kommen möchten sie schon

«Wir wollen Basel angreifen. Zu dieser Aussage stehe ich», hat Steve von Bergen vor ziemlich genau einem Jahr gesagt. «Unsere Entwicklung unter Adi Hütter ist so gut, dass wir Basel fordern können», hat von Bergen nun am Dienstagmorgen gesagt. Es ist die 16. Saison, die der Captain der Young Boys als Profi¬ in Angriff nimmt. Kein Zweifel: Mit dieser Erfahrung im Rücken ist der 33-Jährige grundsätzlich dazu befähigt, die Qualität einer Mannschaft einzuschätzen und eine entsprechende Saisonprognose abzugeben. Vermutlich wäre er vor einem Jahr mit seiner Ankündigung auch gar nicht so weit danebengelegen, gäbe es nur die vielen Unwägbarkeiten im Fussball nicht. Weil aber Topskorer Guillaume Hoarau lange ausfiel, war schon im Winter Makulatur, was von Bergen vor dem Saisonstart aus Überzeugung angekündigt hatte.

treffsicher: Guillaume Hoarau

treffsicher: Guillaume Hoarau

Aus Spott wird man klug. Diesmal ist der Neuenburger vorsichtiger, sagt aber gleichwohl: «Wir haben sehr gut trainiert. Wir sind sehr motiviert. Wir haben sehr viel Qualität. Wir haben uns sehr gut weiterentwickelt.» Er benützt das Wörtchen «sehr» sehr oft, weil er sich sehr sicher ist, dass die Chancen sehr gut sind, dem Serienmeister Basel näher zu rücken und die Meisterschaft spannender zu gestalten.Mut macht ihm die Rückrunde, als YB keinegrossen Verletzungssorgen kannte und einen Punkt mehr als Basel holte. «Wir müssen nun mal eine ganze Saison lang mit Basel mithalten, nicht nur einige Monate», sagt von Bergen.

Entscheidet die Kaderbreite?

Könnte YB einmal eine Spielzeit lang in Bestbesetzung durchspielen, dann wären die Aussichten gar nicht so übel, dem FCB Paroli zu bieten. Doch dies ist Wunschdenken in Zeiten, in denen die Spieler nicht selten über 50 Partien bestreiten. «Basel hat weiterhin das breitere Kader als wir», räumt Sportchef Fredy Bickel ein. Und damit das grosse Plus, jeden Ausfall zu kompensieren, ohne dass die Qualität darunter leidet. YB dagegen muss hoffen, dassnichts passiert, die grössten Leistungsträgernicht wieder monatelang pausieren müssen.14 Partien ist Torjäger Hoarau in der letzten Saison ausgefallen. Als er wieder da war, schoss er in 22 Spielen 18 Tore. Was wäre für YB möglich gewesen, hätte der Franzose durchspielen können?

Zwar haben die Berner derzeit 27 Spielerim Kader, aber Loris Benito, Taulant Seferiund Thomas Fekete sind dauerverletzt, undvon den Nummern 16 bis 22 lässt sich nicht sagen, sie könnten einen Stammspieler über längere Zeit gleichwertig ersetzen. «Wir haben das Bestmögliche gemacht und alle Schlüsselspieler gehalten», sagt Hütter. Der Österreicher ist zufrieden mit seinem Kader. «Wir haben im Frühjahr eine gute Basis für die kommenden Aufgaben gelegt und uns sehr gut vorbereitet.»

Der Trainer weiss, dass er für seine mit Hoarau, Alexander Gerndt, Yoric Ravet, Miralem Sulejmani und Yuya Kubo ohnehin schon gut bestückte Offensive mit den Zuzügen von Michael Frey (Luzern) und Thorsten Schick (Sturm Graz) noch mehr Optionen hat. Über seinen 26-jährigen Landsmann Schick sagt er: «Ich hatte ihn einst als 19-Jährigen zu Altach geholt. Er ist schnell und stark im Abschluss. Ein guter Typ, den wir noch brauchen werden.»

«Vielleicht noch etwas tun»

Gibt es über die Qualität des Berner Angriffsspiels kaum zwei Meinungen, so existieren Zweifel, ob die Abwehr gut genug ist, um in der Super League, im Cup und auf internationaler Ebene die Ziele zu erreichen. Selbst von Bergen sagt: «Wir müssen sehen, dass wir weniger Gegentore bekommen. Aber unser Angriffsfussball führt dazu, dass der Gegner in unserer Platzhälfte mehr Platz hat.» Er selber ist übermorgen in St. Gallen und am Dienstag im Champions-League-Qualifikationsspiel in Lemberg gegen Schachtjor Donezk gesperrt.

Auf Milan Vilotic stand Hütter bisher nicht besonders und Alain Rochat ist auch nicht jünger geworden. Da ist es gut, dass der junge Gregory Wüthrich rechtzeitig zum Saisonstart wieder fit ist. «Wenn wir eine Gruppenphase erreichen, können wir auf dem Transfermarkt vielleicht noch etwas tun», sagt Hütter. Sollte man meinen, angesichts der 48 Millionen Franken, die YB jährlich ausgibt, wie Besitzer Andy Rihs vor einer Woche in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» verriet und damit ein bisher streng gehütetes Geheimnis lüftete.

In Erinnerung gerufen hat man bei YB auf die kommende Saison hin mit einer neuen grafischen Umsetzung den alten Wahlspruch «YB Forever», der schon 1925 für die starke Verbundenheit der Fans mit ihrem Klub stand. Gelbschwarz hofft nun, es müsse ihn dereinst nicht erweitern auf: «YB Forever Zweiter».

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