Sechstagerennen

Alkohol, leichte Mädchen und wilde Verfolgungsjagden im «Wädlitempel»

Heute Abend fällt der Startschuss. Das Sechstagerennen bietet sportliche Unterhaltung - nur noch, muss man sagen, früher gab sich auch das Rotlichtmilieu ein Stelldichein. Und es kam zu handfesten Auseinandersetzungen.

Heute Abend jagen sie wieder durch das Zürcher Hallenstadion. Das 54. Zürcher Sechstagerennen wird eröffnet. Nach dem kurzzeitigen Aus hat sich der Anlass wieder zu einem Ereignis gemausert. Die glorreichen Zeiten der 50er- und 60er-Jahre bleiben aber unerreicht. Heute ist es ein sportlicher Anlass. Die leichten Mädchen bleiben in den Bordellen oder am Sihlquai und Alkohol gibt es heute überall in der Stadt bis weit in die Nacht hinein.

Verfolgungsjagden nach der Polizeistunde

Das war früher anders. Nach der Polizeistunde durften die Kneipen nichts mehr ausschenken. Da kam das 1954 ins Leben gerufene Zürcher Sechstagerennen gerade recht. Für sechs Tage verwandelte sich das Hallenstadion deshalb in ein Tollhaus. Während sich die Rennfahrer auf der Bahn wilde Verfolgungsjadgden mit bis zu 70 km/h lieferten, feierten die Zuschauer im «Wädlitempel» bis zum Umfallen.

Weil damals während dem Rennen im Hallenstadion auch nach Mitternacht noch Alkohol ausgeschenkt wurde, kamen auch Prostituierte und boten sich den Freiern an. Beim Sechstagerennen 1960 kam es zwischen einer Prostituierten und einem Freier zu einem so heftigen Streit, das sie ein Glas nach ihm warf. Allerdings verfehlte sie den Mann und das Glas landete auf der Rennbahn.

In den 90er-Jahren blieben die Zuschauer immer mehr aus, bis das Zürcher Sechstagerennen schliesslich 2001 eingestellt wurde. Seit 2006 findet es allerdings wieder statt. Mit grossem Erfolg.

Exportschlager Sechstagesrennen

Sechstagerennen gehören zu den ältesten Sportdisziplinen überhaupt. Zum ersten Mal durchgeführt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England. Das Gesetz verbot die Sonntagsarbeit und deshalb dauerten die Rennen eben sechs Tage. Die Idee wurde nach Amerika exportiert, wo die Sonntagsarbeit ebenfalls verboten war.

1896 fanden im New Yorker Madison Square Garden Sixdays statt. Dabei wurde während 144 Stunden ohne jeglichen Unterbruch gefahren. Nach drei Austragungen wurde das unmenschliche Spektakel jedoch verboten, weil die Radrennfahrer wie Zombies um die Bahn schlichen und oft vor Müdigkeit stürzten.

Die Veranstalter fanden schnell eine Lösung, ab 1899 wurden Zweierteams gebildet und die Fahrer konnten sich so oft sie wollten ablösen. In Europa wurde die neue Disziplin deshalb nach ihrem Ursprungsland als «Américaine» bezeichnet. Heute noch ist diese Disziplin das Kernstück jedes Sechstagesrennen. Das Zürcher Sechstagerennen dauert noch bis zum 5. Dezember.

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