Beide haben jüngst mit starken Resultaten auf sich aufmerksam gemacht. Beide wurden sie 2017 ausgezeichnet als Schweizer Nachwuchssportlerin und Nachwuchssportler des Jahres. Und beide müssten sie jüngst von einer schweren Knieverletzung genesen. Doch diese Tage der Blessuren sind vorbei.

Am Wochenende auf der Lenzerheide ging die tolle Leistung von Aline Danioth im Slalom ob der Ränge drei und vier des Duos Wendy Holdener & Melanie Meillard beinahe etwas vergessen. Danioth deutete mit Platz 19 erneut ihre vielversprechende Zukunft an. In den kommenden Tagen gilt es, den Bühnenwechsel zu vollziehen. Juniorinnen statt Profis als Gegnerinnen. «Ich will schon zeigen, was ich kann», sagt sie mit verschmitztem Lächeln. Bedeutet: Gold wäre schon schön.

Im derzeit starken Schweizer Slalomteam kann Danioth in Ruhe Erfahrungen sammeln. «Es hat durchaus Vorteile, wenn alle auf Wendy schauen», sagt die 19-Jährige. Ihre Träume formuliert sie selbstbewusst, aber reflektiert: «Irgendwann einmal möchte ich den Gesamtweltcup gewinnen. Aber wohlverstanden: Das ist ein Traum. Es ist einfach schwieriger, hart zu arbeiten, wenn man keine Träume hat.»

«Irgendwann einmal möchte ich den Gesamtweltcup gewinnen»

«Irgendwann einmal möchte ich den Gesamtweltcup gewinnen»

Gerade in schwierigen Momenten wie zuletzt können solche Gedanken helfen. Sieben Monate musste Danioth seit Anfang 2017 pausieren. Kreuzband, Meniskus, Innenband – alles war kaputt. «Ich wurde bei diesem Rückschlag ins eiskalte Wasser geworfen. Jeder Tag war beim Aufwachen eine Challenge.» Doch Danioth meisterte die Herausforderung. Und lernte, gelassener zu werden. «Wenn ich früher in einem Training mal zwei oder drei Läufe verpatzte, sah ich schon den Weltuntergang kommen. Ich vergass, das Schöne an einem Tag zu erkennen.» Das Schöne: Dass sie überhaupt Skifahren kann. Das soll auch in Davos nicht anders sein.

Zuerst: neun Sekunden Verspätung

Die Geschichte des Skirennfahrers Marco Odermatt beginnt auf der Mörlialp. «Ich bestritt als Viereinhalbjähriger mein erstes Skirennen. Das gefiel mir so gut, dass ich neun Sekunden länger auf der Piste sein wollte als der Sieger.» So kann man das nachlesen auf seiner Homepage. Odermatt lacht, wenn man ihn darauf anspricht. «Richtig erinnern kann ich mich natürlich nicht mehr, aber kürzlich sah ich wieder einmal das Foto meiner Zieldurchfahrt.»

Jetzt, knapp 16 Jahre später, ist aus Odermatt ein Jungprofi geworden. Einer, auf dessen Schultern grosse Hoffnungen der Skination Schweiz liegen. Anders als bei Aline Danioth ist die Schweiz in Odermatts Paradedisziplin, dem Riesenslalom, in jüngster Zeit nicht gerade von Erfolgen verwöhnt. Im Gegenteil. Die Erinnerungen an erfolgreiche Tage sind längst verblasst. Das ist Odermatt sehr wohl bewusst. Aber belastet ihn das auch? «Nein, das tut es nicht!», sagt er mit bestimmter Stimme. «Noch gibt es genügend andere Fahrer vor mir, in deren Schatten ich reifen kann.»

(archiv)

Marco Odermatt auf der Piste

(archiv)

Im Sommer 2012 trat Odermatt der Sportmittelschule Engelberg bei. Seither ist er umgeben von guten Sportlern. «Und darum war es irgendwie immer auch logisch, dass ich einmal Profi werden möchte. Jeder in dieser Schule hat dieses Ziel.» Seit dem Erwerben der Matura im letzten Sommer fühlt sich Odermatt als ‹echter› Profi. «Aber es war ein fliessender Übergang. Das grosse Aha-Erlebnis hat es nicht gegeben.»

Hoffnung wird greifbar

Jüngst hat Odermatt die erfolgreichsten Tage seiner Karriere hinter sich. In den letzten vier Europacup-Riesenslaloms belegte er die Ränge 4, 3, 2 und 1. «Leistungsmässig stimmt das sicher, aber emotional war mein erstes Weltcup-Rennen im Spätherbst 2016 in Sölden noch etwas bedeutender.» In jenem Rennen erreicht er gleich den 17. Rang. Es ist die Zeit, in der die Schweiz erstmals ein bisschen Notiz nimmt vom Nidwaldner. Die «NZZ am Sonntag» widmet ihm ein grosses Porträt, Titel: «Der Frechdachs». Die Hoffnung auf bessere Riesenslalom-Tage wird greifbar.

Doch bald muss Odermatt den ersten Rückschlag verkraften. Im Januar 2017 zieht er sich einen Meniskus-Schaden zu. «Es war ein eigentlich harmloser Innenskifehler. Ich habe die Verletzung rasch akzeptiert, ändern kannst du sowieso nichts.»

Das Comeback in dieser Saison ist geglückt. Zumindest auf Europacup-Ebene. Doch es würde kaum überraschen, wenn Odermatt bald auch wieder im Weltcup für Aufsehen sorgen würde. Nun steht aber vorerst die Junioren-WM in Davos auf dem Programm. Odermatt wurde bereits 2016 in Sotschi Junioren-Weltmeister. «Ich bin darum wohl Favorit – das ist eine neue Ausgangslage.» Eine Ausgangslage, mit der bei den Frauen-Rennen auch Aline Danioth umgehen muss. Für den weiteren Verlauf einer Karriere können solchen Erfahrungen nur helfen.