Tennis

Albtraum im Garten Eden - Federer bei Comeback mit bitterer Niederlage

Roger Federer ist nach zehn Wochen Wettkampfpause mit einer Niederlage auf die ATP-Tour zurückgekehrt. Am Rasen-Turnier in Stuttgart zog er gegen Tommy Haas trotz Satzführung und Matchball den Kürzeren.

Als Roger Federer Mitte März das Masters-Turnier von Indian Wells gewinnt, ist Tommy Haas einer der ersten Gratulanten. Seit diesem Jahr amtet der 39-Jährige als Turnierdirektor des grössten Turniers ausserhalb der Grand-Slam-Events und in dieser Funktion überreicht er Federer am 19. März den Siegerpokal. Gestern sind die Rollen vertauscht: Haas, der Spieler, als Sieger, Federer nach dem 6:2, 6:7 (8:10), 4:6 als Verlierer und erster Gratulant.

Federer führt mit Satz und Break, vergibt im Tiebreak des zweiten Durchgangs einen Matchball, schenkt seinem Gegner mit seinem ersten Doppelfehler den zweiten Durchgang. «Es ist sehr frustrierend. Das ist nicht gut genug für mich», geht der 35-Jährige bei seiner Rückkehr nach einer zehnwöchigen Pause hart mit sich ins Gericht. Letztmals hatte er 1999 in Washington gegen Björn Phau (ATP 407) gegen einen so schlecht Klassierten verloren.

«Das Turnier hier hat eine Seele, darum ist es etwas ganz Besonderes für mich», sagt Federer vor dem Spiel. Saftig grüne Wiesen, verschlungene Waldwege und Seeterrassen machen den Killesberg zum Kleinod Stuttgarts. Auf dem Südhang, an exklusiver Lage, liegt sie, die Anlage des TC Weissenhof, während des Rasenturniers so etwas wie ein Garten Eden, wo während der Spiele Erdbeeren gegessen werden.

Müdigkeit als positives Gefühl

«Es tut mir leid für das Turnier und die Zuschauer», sagt Federer, aber auch, dass er Positives mitnehmen könne wie die 23 Asse, die ihm gelungen sind. «Es war nicht alles schlecht, überhaupt nicht. Ich fühle mich, als könnte ich mich gleich hinlegen und schlafen. Es ist eine andere Müdigkeit als nach einem Training und es ist gut, dass ich das wieder einmal spüre.» Vielleicht würden Niederlagen wie diese oder jene im März in Dubai auch helfen, weil sie zeigen, wie eng es an der Spitze sei.

Deutschland ist eines seiner bevorzugten Jagdreviere. 13 seiner 91 Titel hat er dort gewonnen (8 Mal in Halle, 4 Mal in Hamburg, 1 Mal in München) – aber noch nie in Stuttgart. Mit 15 Titeln ist er auch auf Rasen der erfolgreichste Spieler der Geschichte und mit einem achten Erfolg in London wäre er alleiniger Rekordhalter. «Wimbledon ist in meinem Kopf sehr präsent», gesteht Federer. Und «natürlich», sagt er, «habe ich das Gefühl, dass meine Chancen in diesem Jahr grösser sind.»

Haas auf Abschiedstournee

Trotz Enttäuschung unterlässt Federer es nicht, die Leistung seines Bezwingers zu honorieren: «Natürlich gönne ich es ihm sehr. Vielleicht war ich im dritten Satz etwas gehemmt, weil es Tommy war.» Federer und Haas verbindet eine lange Freundschaft. Haas war schon die Nummer zwei der Welt, er gewann 15 Turniere und in Sydney 2000 Olympia-Silber. Doch er ist auch derjenige, der sich neun Mal hat operieren lassen müssen und Jahre in Spitalbetten und Rehazentren verbrachte.

Haas hätte auch Federers erster Gegner bei dessen Profi-Debüt im Sommer 1998 in Gstaad sein sollen, doch wegen einer Magen-Darm-Infektion hatte der Deutsche seinerzeit auf das Spiel verzichten müssen. Ende Jahr hört Haas, der den Erfolg gegen Federer als «Schock» bezeichnete, auf. Er befindet sich auf einer Abschiedstournee durch den Tennis-Zirkus, bei dem auch die Familie im Mittelpunkt steht.

Geplatzte Feier unter Freunden

Auf der Tribüne fiebert Haas’ Tochter Valentina (6) mit. «Ich kenne sie sehr gut. Sie hat ihn immer unterstützt, das habe ich natürlich gehört. Das war sehr süss. Manchmal habe ich mir eingeredet, dass es eine meiner Töchter ist», sagt Federer, der ohne Familie nach Stuttgart reiste. Statt mit Haas an die Spielerparty zu gehen, fahre er nun nach Hause. Und in Halle bringe er seine beiden Töchter mit, dann habe er die Vorteile. «Oder alle vier Kinder, wenn es sein muss. Für Wimbledon.»

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