Nationalmannschaft

Akanjis Emotionen und Behramis Flirt mit der Super League

Nationalspieler Valon Behrami denkt an einen Wechsel in die Schweiz.

Nationalspieler Valon Behrami denkt an einen Wechsel in die Schweiz.

Nach dem 2:0 gegen die Färöer-Inseln brauchten die Schweizer Nationalspieler gar nicht erst erwähnen, woran sie primär dachten: Ferien! Dennoch hatte der eine oder andere Interessantes zu berichten.

Am Ende verliessen sie alle zufrieden das kleine, aber schmucke Nationalstadion von Torshavn. Die Schweizer Fans, weil ihre Mannschaft auch das sechste WM-Qualifikationsspiel gewann (2:0). Die einheimischen Fans, weil sie endlich einmal ein Fussballspiel bei Sonnenschein und Windstille verfolgen konnten (auf den Färöern regnet es an 210 Tagen im Jahr; d. Red.). Die Schweizer Nationalspieler, weil die letzte, wichtige Prüfung vor den Ferien erfolgreich absolviert wurde. Und die Färinger Kicker, die sich noch lange nach dem Abpfiff von ihrem euphorischem Anhang feiern liessen und die froh darüber sein konnten, dass sie von den in allen Bereichen dominanten Schweizern nicht niedergekantert wurden.

In der Interviewzone im Stadionbauch war die Atmosphäre entsprechend gelöst. Besonders interessant waren die Voten von zwei Schweizern.

Den Trainer mit Ruhe beeindruckt

Zum einen Manuel Akanji. Der 21-Jährige Basel-Profi wurde für das Spiel im hohen Norden zum ersten Mal überhaupt in die A-Nati berufen. Und prompt bekam er in der Innenverteidigung den Vorzug vor Timm Klose. Trainer Petkovic begründete die Wahl mit der Ruhe, die Akanji in den Trainings ausgestrahlt habe und von der er, der Trainer, beeindruckt sei.

Akanji selber erfuhr am Matchtag vom Platz in der Startelf. Das habe ihn, so der Winterthurer, erst einmal nervös gemacht. Es sei in den Stunden vor dem Spiel zwar wieder besser geworden – doch als er sich vor den vollen Rängen aufwärmte und vor allem beim Einmarsch ins Stadion und beim Abspielen der Nationalhymnen, da sei es ihm kalt den Rücken runter gelaufen. „Dass ich so emotional reagiere, hätte ich nicht gedacht.“

Auf dem Platz habe er schnell zur Ruhe zurückgefunden – aus zwei Gründen: Die ersten Aktionen seien ihm gelungen. Und vor allem habe er dank der guten Arbeit seiner Vorderleute nicht allzu viel zu tun gehabt. Fast hätte Akanji mit einem Kopfball sein Natidebüt mit einem Tor gekrönt. «Ja schade, der hätte eigentlich rein sollen. Aber auch so war es ein wunderschönes Erlebnis.» Nun geht es für Akanji in den USA-Urlaub, wo er sicher nochmals von den ersten Schritten in der A-Nati träumen wird und sich berechtigte Hoffnungen machen darf, auch beim nächsten Zusammenzug dabei zu sein.

Behrami möchte näher zur Familie

Ganz sicher anwesend sein wird dann Valon Behrami, vorausgesetzt natürlich seine Gesundheit lässt dies zu. Der blondierte Mittelfeld-Vorkämpfer war auch auf den Färöer-Inseln der Chef auf dem Platz und nicht wegzudenken aus dieser homogenen Mannschaft.

Lächelnd trat er vor die Journalisten und erzählte, wie gut ihm die Tage im Kreis der Nationalmannschaft getan hätten, nachdem die Saison mit Watford nicht optimal verlaufen sei. Fünf Wochen Urlaub hat Behrami nun vor sich. Und in dieser Zeit dürfte sich seine Zukunft klären. Denn dass er in England bleibt, das ist ungewiss. Geht es nach Behrami, sogar unwahrscheinlich. Er hat bei den Klubbossen von Watford seinen Wunsch deponiert, England zu verlassen und wieder näher zum Tessin zu kommen, wo seine Familie zuhause ist.

«Ich habe einen Vertrag in Watford, den gilt es zu respektieren, wenn ich keine Freigabe erhalten sollte. Aber ich habe andere Wünsche.» Serie A oder Super League, so hört man es aus Behrami heraus, dürfte es werden. Super League? «Ja, eine spannende Liga. Ich würde mich dort, glaube ich, wohlfühlen.» Mit Sion gibt es gemäss Behrami konkrete Gespräche, weit fortgeschritten aber sind diese nicht. «Sie bemühen sich sehr. Aber ich weiss es noch nicht. Schauen wir mal.» Möglich, dass auch Klubs wie der FC Zürich oder YB um die Dienste von Behrami buhlen, seit in der Szene bekannt ist, dass er wieder näher beim Tessin spielen will.

Oder zieht es Behrami am Ende gar vor die Haustür seiner Tessiner Villa - zum FC Lugano? Mit dem Startplatz in der Europa League haben die Luganesi jedenfalls ein attraktives Lockmittel. Und Geld für den Lohn Behramis würde Lugano-Zampano Renzetti auch irgendwo auftreiben…

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