Es war nun nicht gleich so, dass die Young Boys am Ende jubelnd die Arme hochgerissen hätten. Dies hätte denn auch etwas seltsam ausgesehen nach einem 2:2 vor eigenem Publikum. Aber ein zufriedenes Lächeln konnte der eine oder andere Berner beim Gang in die Kabine nicht verbergen. Ihnen war natürlich klar, dass sie eine Punkteteilung erreicht hatten, welche in die Kategorie «gutes Unentschieden» einzuordnen ist, weil der Abstand auf die zweitklassierten Basler gewahrt werden konnte. «Das war ein nächster Schritt in Richtung Titel», sagte Captain Steve von Bergen. «Es sieht nun wirklich sehr gut aus», sagte Verteidiger Loris Benito. «Ich kann mit diesem Punkt sicher besser leben, als Raphi», sagte Adi Hütter und meinte damit den Basler Trainer.

Zu viele Chancen zugelassen

Hütter zeigte sich angetan davon, dass seine Mannschaft und der FC Basel vor ausverkauftem Haus mit einem spektakulären Spiel und Traumtoren durch Hoarau und Xhaka beste Werbung für die Super League gemachte hatten. In der Tat war es eine Partie, wie man sie selbst in der Bundesliga in dieser Saison nur selten zu sehen bekommt. Voller Intensität und gestaltet von zwei Teams, welche nichts mit taktischem Geplänkel am Hut hatten und entschlossen nach vorne spielten; der FCB allerdings erst nach einer halben Stunde, als er aus dem Nichts durch Xhaka das 0:1 wettgemacht hatte.

Hütter machte dem Gegner ein Kompliment, weil dieser es mit dem Rücken zur Wand geschafft habe, die klareren Chancen zu kreieren und YB an den Rand der vierten Saisonniederlage zu bringen. So ganz zufrieden war der Österreicher trotz des Spektakels mit der Vorstellung seines Teams nicht. Er monierte, dass man dem Gegner zu viele Tormöglichkeiten zugestanden habe. «Auf diese Art kann man ein Spiel auch mal verlieren. Manchmal ist es nötig, defensiv intelligent zu spielen», sagte Hütter. Es konnte ihm nicht gefallen haben, wie viel Raum die Gäste in der letzten halben Stunde bei ihren Kontern vorfanden.

Noch keine Vorentscheidung

Wie von Bergen dürfte daher auch ihm in der einen oder anderen Szene das Herz in die Hose gerutscht sein. «Nach dem Pfostenschuss von Stocker wusste ich nicht, was ich tun sollte. Ein Tackling? Den Ball wegschlagen? Das hätte ebenso gut ein Eigentor geben können», räumte Innenverteidiger von Bergen ein, der die Hände über dem Kopf zusammenschlug, nachdem die Situation glücklich bereinigt war. «Aber unter dem Strich haben wir eine gute Leistung gezeigt und auf dem Platz hat dieses Spiel Spass gemacht.» Von einer Vorentscheidung im Titelrennen wollte von Bergen trotz 16 Punkten Vorsprung nichts wissen. «Es sind noch 27 Punkte zu vergeben und solange wir mathematisch nicht als Meister feststehen, müssen wir konzentriert weiterspielen. Aber klar: Es ist gut, dass wir alles in der eigenen Hand haben.»

Benito sagte: «In einigen Situationen hatten wir Glück. Ich denke, wir werden mit einem gewissen Abstand zum Spiel erst richtig realisieren, wie gut dieses Unentschieden ist.» Dass er im Moment noch etwas enttäuscht sei über das 2:2 zeige vielleicht einfach, wie verwöhnt man bei YB durch die vielen guten Resultate geworden sei. «Wir hätten unserem fantastischen Publikum halt nur zu gerne einen Sieg geschenkt», sagte Benito. Hütter sagte: «Bei drei Heimspielen können wir im April den Sack zumachen. Aber dann müssen wir besser spielen als heute.»