Achtelfinal-Statistik
Grosses Frankreich, kleine Schweiz: Statistisch spricht nichts für Petkovics Team – mit einer kleinen Ausnahme

Frankreich stellt im heutigen Achtelfinal gegen die Schweiz das weitaus wertvollere Team, die Buchmacher sehen für die Schweizer eine 1-zu-6-Chance. Im Quervergleich der beiden Mannschaften gibt immerhin eine Statistik etwas Hoffnung.

Ralf Streule
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Blaise Matuidi bejubelt das 2:0 im WM-Spiel der Franzosen gegen die Schweiz am 20. Juni 2014. Am Ende hiess es 5:2 für die Grande Nation.

Blaise Matuidi bejubelt das 2:0 im WM-Spiel der Franzosen gegen die Schweiz am 20. Juni 2014. Am Ende hiess es 5:2 für die Grande Nation.

Was für ein Glück, dass im Fussball nicht immer der statistisch Bessere gewinnt. Wäre es so, müssten die Schweizer gegen das grosse Frankreich heute Abend schon gar nicht antreten. Die Buchmacher sahen die Schweizer Chancen gestern noch bei 1 zu 7, mittlerweile immerhin bei 1 zu 6. Was vielleicht damit zu tun hat, dass bei Frankreich Spieler wie Pavard, Digne, Hernandez oder Dembélé angeschlagen oder verletzt sind. Und dennoch: Keinem anderen Team wurde an dieser EM in den Achtelfinals so wenig Kredit eingeräumt.

Na gut, mit einer Ausnahme: Österreich kam am Samstag gegen Italien auf eine ebensolche Aussenseiter-Quote. Der östliche Nachbar hat bewiesen: Entschieden ist das Spiel damit noch lange nicht.

Das wahrscheinlichste Resultat zwischen der Schweiz und Frankreich? Ein 0:1 - mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 5,75.

Vielleicht lässt sich ja andernorts über die Fussballstatistik ein Fünkchen Hoffnung finden?

Schweizer Top-Spieler stünden im französischen Team auf Platz 15

Wenig Hoffnung gibt's, was den Wert der Teams angeht. Die Franzosen stellen nach England die wertvollste Mannschaft der Europameisterschaft, wenn man sich an den Schätzungen von transfermarkt.com orientiert. Zudem steht mit Kylian Mbappé der teuerste Spieler überhaupt an dieser EM in den Reihen des Gegners. Sein Transferwert wird auf 160 Millionen Euro geschätzt. Folgende Übersicht zeigt: Gleich vierzehn Franzosen sind wertvoller eingeschätzt als die teuersten Schweizer Manuel Akanji und Denis Zakaria. Die Altersstruktur der Mannschaften hingegen ähnelt sich.

Die Bilanz gegen Frankreich

Immerhin sieht es in der bald 120-jährigen Länderspiel-Bilanz nicht ganz so schlecht aus für die Schweizer. 33 Mal trafen die Teams aufeinander. 13 Siegen der Franzosen stehen 10 Unentschieden und 10 Schweizer Erfolge gegenüber. Dumm nur, dass die Schweizer Siege schon lange her sind - und allesamt in Testspielen errungen wurden. Den letzten Schweizer Sieg gab's 1992. Und eine der deutlichsten Niederlagen 2014 an der WM:

Die Spiele gegen Frankreich seit 1992

  • EM Gruppenphase 2016: Schweiz-Frankreich 0:0
  • WM Gruppenphase 2014: Schweiz - Frankreich 2:5
  • WM Gruppenphase 2006: Schweiz - Frankreich 0:0
  • WM-Qualifikation Oktober 2005: Schweiz - Frankreich 1:1
  • WM-Qualifikation März 2005: Schweiz - Frankreich 0:0
  • EM-Gruppenphase 2004: Schweiz - Frankreich 1:3
  • Testspiel 2003: Schweiz - Frankreich 0:2
  • Testspiel 1992: Schweiz - Frankreich 2:1

Aus welchen statistischen Werten sollen die Schweizer denn nun Mumm hernehmen? Jedenfalls nicht aus den Platzierungen in der Fifa-Weltrangliste, in der Frankreich hinter Belgien auf Rang zwei steht. Und die Schweiz auf Platz 13.

Die Vergleiche aus der EM-Gruppenphase

Probieren wir es mit der offiziellen Uefa-Statistik aus den EM-Gruppenspielen. Auch wenn der Quervergleich mit Vorsicht zu geniessen ist: Schliesslich spielte Frankreich in einer nominell weit stärkeren Gruppe. Zu den französischen Gruppengegnern gehörten Portugal und Deutschland.

Zwar sind die Franzosen im Schnitt pro Spiel 200 Meter weiter gerannt. Die Schweiz kam aber tatsächlich zu mehr Abschlüssen. Wobei auch dies je nach Lesart Negatives bedeuten kann: Frankreich brauchte weniger Abschlüsse für gleich viele Tore. Dafür war die Schweizer Flankenpräzision höher. Und ja, sogar in Sachen Ballbesitz und Zweikampfquote haben die Schweizer aus der Gruppenphase die Nase vorn, wie die nächste Grafik zeigt. Nur, wie gesagt: Aufgrund der unterschiedlichen Gruppengegner ist das ein Faktor, den niemand überschätzen wird.

Statistik der Einzelspieler: Immerhin in einer Disziplin geht der Sieg an die Schweiz

Vielleicht gibt's in den ausführlichen Einzelspieler-Statistiken der Uefa etwas zu finden, das die Schweizer aufmuntert?

Top-Speed? Nein: Coman (33,7 km/h) schlägt Embolo (32.8 km/h).

Passgenauigkeit? Nein: Varane (94,7 Prozent) schlägt Freuler (94 Prozent).

Zurückgelegte Distanz in den drei Spielen? Nein. Kanté (32,1 km) schlägt Freuler (31,7 km).

Anzahl Torvorlagen? Ja! Zuber steht mit deren drei sogar auf Platz eins aller Spieler.

Quervergleich aus der EM-Qualifikation gibt Mut

Erst der Blick auf die vergangene EM-Qualifikation erlaubt so etwas wie einen Direktvergleich, der zuversichtlich stimmt: Die Türkei rang dort den Franzosen einen Sieg und ein Unentschieden ab. Die Türkei, die den Schweizern vor einer Woche unterlag.

Wenn das kein gutes Omen ist.