Rugby

Aargauer Rugby Hoffnung auf dem Sprung zum Profi in Frankreich

Jeremy Toa, hier noch im Dress der Hausen Baboons, hat den Sprung nach Frankreich geschafft.

Jeremy Toa, hier noch im Dress der Hausen Baboons, hat den Sprung nach Frankreich geschafft.

Der Aargauer Jeremy Toa, Sohn samoanischer Einwanderer, ist drauf und dran, als Profi in der französischen Top-Liga durchzustarten.

«Mein Vorbild? Jesus Christus! Er ist für meine Sünden gestorben und hat mein Leben sehr stark geprägt.» Anders als erwartet, bewundert der 19-jährige Jeremy Toa nicht eine Rugby-Ikone, sondern ein Protagonist des christlichen Glaubens. Als religiös möchte sich Toa aber nicht bezeichnen: «Ich bin gläubig, aber nicht religiös.» Eine aussergewöhnliche Aussage. Und dies ist nicht das einzige Aussergewöhnliche im Leben von Jeremy Toa. Doch der Reihe nach.

Der Sohn samoanischer Einwanderer entdeckte seine Faszination für den Rugby-Sport sehr früh. Bereits im Alter von fünf Jahren schleppte ihn sein Vater ins Training mit. Und nur ein Jahr später schloss er sich in Würenlos einer Mannschaft an. Mit elf Jahren dann der Schock: Jeremy muss aufhören. Seine Zahnspange machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Seine Faszination für den Rugby-Sport aber blieb.

Der Samoaner Latai Toa (links) ist Trainer der «Hausen Baboons», sein Sohn Jeremy Toa Captain (Mitte). Dazugestossen ist im Herbst der Fijianer Saukarasa Ravisinga.

Der Samoaner Latai Toa (links) ist Trainer der «Hausen Baboons», sein Sohn Jeremy Toa Captain (Mitte). Dazugestossen ist im Herbst der Fijianer Saukarasa Ravisinga.

Es kam, wie es kommen musste. Im Jahr 2011 war die Zahnspange weg und Jeremy stand wieder auf dem Platz. Wieder bei Würenlos. Und dann sogar in der Schweizer U18-Nationalmannschaft. «Es ist der sehr starke Teamgeist, der Rugby von anderen Sportarten unterscheidet. Es müssen alle an einem Strick ziehen.

Auch werden Entscheide vom Schiedsrichter, anders als zum Beispiel im Fussball, von allen Spielern akzeptiert», begründet Toa seine Faszination für den Sport, der in der Deutschschweiz ein Schattendasein fristet. «Aber wir sind auf einem guten Weg. Rugby breitet sich rasant aus und es gibt viele junge, hungrige Talente», sagt Toa. Dazu hat auch er seinen Teil beigetragen.

Drei Vereine hatten Interesse

Zusammen mit seinem Schulfreund Joel Brühlmann gründete Toa 2014 seine eigene Mannschaft. Was als kleines Grillfest unter Freunden nach der U18-Europameisterschaft anfing, endete in der Idee der Hausen Baboons. Der Name Baboons (Pavian) deshalb, weil während dem Fest der Film «Am Fusse des Kilimandscharo» geschaut wurde. «Die Paviane machen im Film alles platt. Deshalb haben wir uns für diesen Namen entschieden», erklärt ein schmunzelnder Jeremy Toa.

Mittlerweile spielt Toa für die Schweizer A-Nationalmannschaft – und ist nun für höhere Aufgaben bereit. Namentlich für US Oyonnax. Beim französischen Top14-Verein hat Toa einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Durch Kontakte des Technischen Direktors des Schweizer Rugbys, Sébastien Dupoux, wurden Toa Probetrainings in Lyon, in Grenoble und eben in Oyonnax ermöglicht. Der junge Schweizer wusste zu überzeugen. Alle drei Klubs bekundeten Interesse. Der 19-Jährige entschied sich für Oyonnax. «Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich dort hinmuss», sagt er. «Es war eine Art göttliche Führung.» 

Vorerst bleibt Toa der Sprung in die erste Mannschaft jedoch verwehrt. Wie viele andere Rugby-Talente spielt er vorerst einmal für die die U22-Mannschaft. Doch allein dadurch wird sich sein Alltag radikal verändern. Bisher trainierte er mit den Baboons zwei Mal pro Woche, an den restlichen Tagen individuell. In der Academy von Oyonnax stehen täglich zwei Trainings auf dem Programm. Die Spieler pushen sich gegenseitig und jeder will besser sein als die anderen.

England als Fernziel

Auf Toa wartet somit ein hartes Stück Arbeit, denn nur die Besten schaffen es in die erste Mannschaft. Und zu diesen möchte der Schweizer mit samoanischen Wurzeln gehören: «Ich will so schnell wie möglich ins Profi-Team.» Für Toa geht mit dem Wechsel nach Frankreich ein Kindheitstraum in Erfüllung: «Mir bedeutet das alles sehr viel. Ich habe hart dafür gearbeitet. Umso mehr freut es mich nun, meine Mitspieler, Trainer, Familie und alle Menschen, die mich auf meinem Weg unterstützt haben, stolz zu machen.» Doch der Wechsel nach Frankreich ist für Jeremy Toa nur die erste Etappe. Sein Fernziel ist klar: «Ich will in England spielen!» Und wie? «Ich gebe mein Bestes und Gott macht den Rest.»

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