Silvan Dillier, fährt man nach einem solchen Erfolg mit breiterer Brust im Feld des Giros?

Silvan Dillier: Das ist vielleicht etwas übertrieben formuliert. Ich gehöre von meinem Naturell auch nicht zum Typ «arroganter Fahrer». Aber man gewinnt tatsächlich etwas mehr Respekt. Ich erhalte vielleicht ein wenig mehr Platz, werde weniger abgedrängt.

Aber Sie werden als Konkurrent gleichzeitig auch gefährlicher!

Vielleicht ist es für mich jetzt schwieriger, in einer Fluchtgruppe zum Erfolg zu kommen. Die anderen Teams wissen, Dillier ist dabei und er kann Rennen gewinnen. Umgekehrt ist man für viele weniger relevant, wenn man nicht ums Gesamtklassement fährt.

Gab es viele Reaktionen auf Ihren Sieg?

Ja, ich habe selten in meiner Karriere so viele erhalten. Gestern zum Beispiel kam vor dem Start der ehemalige Weltmeister Maurizio Fondriest vorbei und hat mir gratuliert. Man kommt mit Personen in Kontakt, die man nicht erwartet hat.

Die Bilder zum Sieg von Dillier:

Zum Beispiel?

Verschiedenste Leute haben mir per SMS gratuliert. Etwa der frühere Sprinter Urs Freuler und einige aktive Schweizer Veloprofis. Ich kam leider nicht dazu, allen Gratulanten zu antworten. Vor allem, was in den sozialen Medien abgegangen ist, hat meine Kapazitäten überschritten.
Kann man einen solchen Erfolg während einer dreiwöchigen Rundfahrt überhaupt geniessen?
Ja. Mir war es wichtig, den Moment einzufangen und zu geniessen. Die Reaktionen sind schliesslich auch unmittelbar spürbar.

Ein solcher Sieg macht Lust auf mehr!

Dieser Sieg ist keine Garantie für weitere Erfolge. Dafür muss ich schon etwas tun. In den verbleibenden zwei Giro-Wochen wird es schwierig für mich. Es gibt praktisch nur noch Bergetappen oder Teilstücke für Sprinter. Aber danach folgen Gippingen und die Tour de Suisse. Dort rechne ich mir Chancen auf einen Erfolg aus.

Wie muss ein Rennen sein, damit es für Silvan Dillier erfolgsversprechend ist?

Alles, wo das Profil wie jenes der Flandern-Rundfahrt aussieht, liegt mir. Das wird sich in meiner Karriere auch nicht mehr gross ändern. Ich kenne meine körperlichen Voraussetzungen und meine Qualitäten.

Erklären Sie all jenen, die das Profil der Flandern-Rundfahrt nicht auswendig kennen, wie der perfekte Parcours von Silvan Dillier aussieht.

Das Rennen muss möglichst hart sein. So, dass alle Fahrer im Kampf um den Sieg den gleichen Effort leisten müssen. Ich weiss, dass ich solche Efforts besser verdaue als viele meiner Konkurrenten und so in der Schlussphase noch Reserven habe. Mir liegen kurze, heftige und kräftezehrende Anstiege deutlich besser als lange Passfahrten.

Haben Sie also schon vor der Etappe gewusst, dass ein Sieg möglich ist?

Ich habe im Vorfeld die Profile der Giro-Etappen angeschaut. Aber man muss dann an Tag X auch schauen, ob man die eigenen Ambitionen mit der Teamtaktik unter einen Hut bringt. Das war am Donnerstag der Fall.

Dann wussten Sie schon vor dem Rennen, dass Sie heute angreifen dürfen?

Ja, wir legen die Teamtaktik am Morgen im Mannschaftsbus fest.

«Mir war es wichtig, den Moment einzufangen und zu geniessen.»

Silvan Dillier, Radrennfahrer

«Mir war es wichtig, den Moment einzufangen und zu geniessen.» 

Von welchen Erfolgen träumen Sie?

Im Radsport gibt es so vieles zu gewinnen. Siege an Etappen der Tour de Romandie, der Tour de Suisse oder gar der Tour de France. Oder natürlich einen Eintages-Klassiker zu gewinnen.

Es steht also noch einiges auf Ihrer To-do-Liste.

Ja, auf jeden Fall. Aber ich führe keine solche Liste (lacht).