Corona-Massnahmen

Zwischen Erleichterung und Zwang: So dürfen die Aargauer Sportklubs wieder trainieren

Ab Montag dürfen die Sportklubs im Kanton Aargau fast wieder im gewohnten Rahmen trainieren – aber nicht alle sind vollumfänglich erleichtert. Ein Klub wird im Trainingsbetrieb durch die Lockerungen sogar wieder eingeschränkt.

Fast drei Monate stand die Sportwelt infolge der Coronakrise still. Nach den ersten Lockerungen im Mai, welche vor allem den Spitzensportlern zugutekamen, dürfen nun auch die Breitensportler und Nachwuchs­athleten aufatmen. Ab Montag können die Klubs – unter Einhaltung der Schutz- und Hygienemassnahmen – wieder annähernd unter normalen Umständen trainieren. Doch so einfach ist es nicht überall. Hier und da sind immer noch Kompromisse gefragt. Ein Überblick im Kanton:

Handball: Fragezeichen Trainingshallen

Die erste Mannschaft des HSC Suhr Aarau hat im Mai unter Einschränkungen trainiert und befindet sich derzeit in der Sommerpause. Beim TV Endingen fand der offizielle Trainingsstart am 1. Juni statt. Während der STV Baden sein Fanionteam seit Anfang Mai ein Mal wöchentlich in der Halle beübte, nimmt beim TV Möhlin auch die erste Garde das Mannschaftstraining erst am Montag wieder auf. Im Nachwuchs war bisher maximal in den Elitekategorien spärlich und unter massiven Einschränkungen trainiert worden. Ab diesem Wochenende geht das Training für die meisten Teams bis hin zu den Kleinsten wieder los. Einzige Einschränkung: Bei einigen Trainingshallen in der Region warten die Vereine noch auf grünes Licht für die Nutzung.

Kampfsport: Zweikämpfe für alle

Wer nicht als «Leistungssportler» nach den klar definierten Kriterien von Swiss Olympic eingestuft wurde, der musste sich als Kampfsportler bisher mit Kraft- und Konditionstraining begnügen. Zweikämpfe waren nicht erlaubt. Das gehört nun der Vergangenheit an. Besonders einschneidend ist diese Lockerung deshalb für die Schwinger, die sich aus Prinzip nicht zu den klassischen Leistungssportlern zählen lassen wollten. Die Athleten dürfen sich per sofort wieder in die Zwilchhosen stürzen und gegeneinander antreten. Die Schwingklubs des Kantons beginnen ab Montag wieder mit den Trainings – unter Einhaltung der geltenden Schutzmassnahmen. Wettkämpfe wird es in der Saison 2020 aber kaum mehr geben. Das Homberg-Schwinget oberhalb von Reinach von Anfang September dürfte als einziges Fest im Kanton über die Bühne gehen.

Die Freiämter Ringer mussten mit Ausnahme von einem knappen Dutzend Athleten, die die Spitzensport-Kriterien erfüllen, bisher ebenfalls auf das klassische Kampftraining verzichten. Darunter auch Kämpfer des NLA-Teams. «Für sie war es besonders hart, zuschauen zu müssen», unterstreicht Cheftrainer Marcel Leutert. Nun ist der Ring aber wieder frei für alle Athleten. Wenn alles glatt läuft, dann können die Freiämter im September sogar wieder in der Mannschaftsmeisterschaft auf Titeljagd gehen.

Dieselbe Hoffnung haben auch die Brugger Judoka, die per sofort wieder komplett die Matten im Sportausbildungszentrum Mülimatt in Beschlag nehmen dürfen. Bereits seit 18. Mai waren die Top Cracks im Trainingseinsatz. Ab Montag wird der normale Trainingsbetrieb inklusive aller Schutzmassnahmen aufgenommen.

Landhockey: Umbau statt Lockerungen

Bei Rotweiss Wettingen wurde das Training im Mai wieder aufgenommen, allerdings in beschränktem Rahmen. Auf einem Viertel des Spielfelds durften sich jeweils nur fünf Personen aufhalten. Trainiert wurde ohne Körperkontakt, technische Übungen oder Schusstraining standen im Fokus. Zu grossen Veränderungen kommt es aber trotz der Lockerungen nicht: Weil am 15. Juni die Bagger aufkreuzen, um den Kunstrasen zu sanieren, verzichtet der Verein darauf, das bisherige Konzept wegen bloss einer Woche anzupassen. «Wir trainieren bis zur Pause wie bisher», bestätigt Klubpräsident Beat Brunner. Danach verabschiedet sich der Klub in die Sommerpause, worauf nach den Schulferien das Feldtraining wieder aufgenommen wird. Im September soll schliesslich die neue Saison ihren Startschuss erleben.

Leichtathletik: Zurück zum Normalbetrieb

In den Aktiv-Kategorien des BTV Aarau Athletics wird seit dem 11. Mai wieder trainiert. Im Nachwuchs war das aufgrund der Einschränkungen (unter anderem Fünfergruppen und Schutzkonzepte) bislang nicht möglich. Ab sofort geht der BTV nach knapp zwölf Wochen Pause nun zurück in den Normalbetrieb über, das Training geht in allen Bereichen wieder los. Wo möglich, gilt es weiterhin, Abstand zu halten und die mittlerweile alltäglichen Vorsichtsmassnahmen (Händewaschen etc.) zu beachten. Ausserdem ist noch offen, ob die Stadt Aarau allenfalls Einschränkungen für die Benutzung der Garderoben und Duschen erlässt.

Radsport: Endlich grössere Gruppen

Die Radsportler hatten das Privileg, ihrem Sport trotz Coronakrise an der frischen Luft frönen zu dürfen – allerdings mehr oder weniger solo. Mit den Lockerungen des Bundes ist ab sofort nun auch das Radfahren in Gruppen wieder gestattet. Dementsprechend starten auch Klubs wie der RV Sulz mit Tourenfahrten für die verschiedenen Trainingsgruppen. Punkto Wettkämpfen zeichnet sich ebenso ein Lichtblick ab: Ab 1. Juli werden die Brugger Abendrennen wieder ausge­tragen.

Die Mountainbiker des RC Gränichen trainierten schon in den letzten Wochen in Vierergruppen plus jeweils einem Übungsleiter. Nun kann man gemäss dem technischen Leiter Beat Stirnemann zum Normalbetrieb zurückkehren. «Dazu gehört auch, dass sich die Biker per sofort wieder wie gewohnt auf dem Dorfplatz zum Training besammeln. Wir wollen zeigen, dass wir wieder da sind.» Die Gränicher zeigen sich so oder so sehr progressiv. Mit der Übernahme der Organisation der Mountainbike-SM Ende Juli wolle man gemäss Stirnemann auch «ein Zeichen für die Sportler setzen». Rentieren tut ein solcher Anlass mit den immer noch bestehenden Einschränkungen punkto Zuschauern nämlich kaum.

Schwimmen: Es wird komplizierter

Beim SC Aarefisch Aarau blickt man den Lockerungen mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn der nächste Schritt in Richtung Normalität hat zur Folge, dass ab sofort organisierte Verein-Schwimmtrainings im Hallenbad Telli verboten sind. «Als wir von diesem angepassten Schutzkonzept erfahren hatten, konnten wir es kaum fassen. Es war ein Schock, denn für uns gibt es keine logische Erklärung für diesen Entscheid», erzählt Aarefisch-Cheftrainer Dirk Thölking. Das Bad im Telli dient dem Klub nebst den Freibädern im Aarauer Schachen und in Suhr als eines von drei Trainingsstandorten. Der Entscheid hat zur Folge, dass der Verein umdisponieren muss. «Wir wechseln fast wöchentlich irgendwelche Trainingszeiten. Das hat enormen Mehraufwand zur Folge und braucht grosse Flexibilität von allen Beteiligten», sagt Thölking. Trotz allem will der SC Aarefisch nebst den Trainings auch den Wettkampfbetrieb schrittweise aufnehmen. Als offizieller Startschuss gilt der Mehrkampf-Cup am 18. Juli in Suhr, der rund einen Monat später als geplant unter Einhaltung der Schutzkonzepte über die Bühne gehen soll.

Turnen: Langsam herantasten

«Wir konnten lange Zeit nicht trainieren. Wir freuen uns, dass es wieder losgehen kann», sagt Basil Baumgartner, Präsident des STV Wettingen. Polysportive Vereine müssen auch die Schutzkonzepte der jeweiligen Fachverbände beachten. Beim STV Wettingen, der ab Dienstag das Training wieder aufnimmt, steht vorläufig aber das Turnen im Vordergrund – und zwar noch ohne Wettkampfziele. «Das Ziel ist, dass wir uns nach zwei, drei Monaten ohne Turnen möglichst schnell wieder an die Bewegungen gewöhnen. Aber es braucht Zeit, bis man sich wieder wohlfühlt, um Schwierigkeiten turnen zu können», sagt Präsident Baumgartner.

Meistgesehen

Artboard 1