Challenge League
Zweiter FCA-Assistent Ercüment Sahin hofft auf eine Vertragsverlängerung

Ercüment Sahin ist keiner, der in den Vordergrund drängt. Der 47-Jährige scheut keine Arbeit. Nichts, für das er sich zu schade wäre! Der schweizerisch-türkische Doppelbürger verkörpert das, was man hierzulande häufig als «ehrlichen Arbeiter» bezeichnet.

Dean Fuss
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Er hilft, wo er kann: Assistenztrainer Ercüment Sahin hofft auf eine Verlängerung seines Engagements beim FC Aarau.Freshfocus

Er hilft, wo er kann: Assistenztrainer Ercüment Sahin hofft auf eine Verlängerung seines Engagements beim FC Aarau.Freshfocus

Andy Mueller/freshfocus

Seine Erscheinung mag etwas darüber hinwegtäuschen: die sehr muskulösen Waden, der leicht gebräunte Teint, der zielstrebige Gang. Doch spätestens im persönlichen Gespräch wird klar: Sahin ist ein sympathischer Typ. Keiner, der mit Worthülsen um sich wirft, nur um sich selber in ein besseres Licht zu stellen.

So überrascht es auch nicht, dass er sich im familiären Klima des FC Aarau wohlfühlt. Und das, obwohl er in der vergangenen Winterpause durch die Verpflichtung von Andy Ladner als neuen Assistenztrainer de facto degradiert wurde.
Zwar ist Sahin weiterhin Assistenztrainer, doch Ladner hat die mit diesem Posten klassisch verbundenen Aufgaben übernommen. Sahin kümmert sich stattdessen um die Videoanalyse des nächsten Gegners, die Beobachtung der FCA-Spieler im Training und die Leitung des Trainingsprogramms der nicht oder nur teilweise eingesetzten Spieler nach Match-Tagen.
Mit der Verpflichtung Ladners war Sahins Abgang in Aarau bereits im Januar besiegelt. Zumindest machte es diesen Anschein. Die Klubverantwortlichen erteilten ihm damals die Freigabe. Er hätte den FCA jederzeit verlassen dürfen, hätte er ein anderes Angebot erhalten. Doch Sahin blieb. «Ich spürte weiterhin grosses Vertrauen, Akzeptanz und Respekt gegenüber meiner Person und meiner Arbeit», erklärt er seine damaligen Beweggründe.

Ein eingespieltes Trio

Und das könnte sich nun auszahlen. Denn Schällibaum, Ladner und Sahin wurden im Verlauf der Rückrunde mehr und mehr zum eingespielten Trio. «Die Zusammenarbeit zwischen uns läuft optimal», sagt Sahin. «Das zeigt sich auch darin, dass mir Marco gesagt hat, dass er alles Mögliche dafür tun werde, dass ich bleiben kann.»

Und der Cheftrainer beliess es ganz offensichtlich nicht einfach bei mündlichen Bekenntnissen, sondern macht sich auch bei den Klubverantwortlichen stark für seinen zweiten Assistenten. Denn vor rund zwei Wochen traf sich Sahin mit Sportchef Raimondo Ponte für erste Gespräche. «Ob das dann tatsächlich klappt, steht noch in den Sternen», sagt Sahin. «Aber ich bin sehr gerne hier und hoffe, dass ich bleiben kann.»

Die Familie soll in die Schweiz kommen

Das würde für den Sohn türkischer Gastarbeiter auch privat ganz gut passen. Denn nach Möglichkeit will Sahin zusammen mit seiner Frau und den gemeinsamen Kindern ab Sommer wiedervereint in der Schweiz leben. Derzeit sind Tochter Melis (9) und Sahins Ehefrau noch in der Türkei, während er zusammen mit Sohn Enis (17) bei seinen Eltern in Bachenbülach im Kanton Zürich lebt.

Der 17-Jährige verbrachte seine Kindheit grösstenteils in der Schweiz und hatte im vergangenen Sommer schon vor dem Engagement seines Vaters beim FCA entschieden, dass er seine berufliche Ausbildung in der Schweiz absolvieren will. Basis für die familiäre Wiedervereinigung, wäre aber ein neuer Arbeitsvertrag – und wenn es nach Sahin geht, dann ist das beim FC Aarau.

Sahin ist vorsichtig optimistisch

«Ich bin zuversichtlich, dass wir hier eine für alle Beteiligten gute Lösung finden werden. Schliesslich haben wir als Trio mit dieser Rückrunde einen starken Leistungsausweis für unsere Arbeit», sagt Sahin, der sich selber als optimistisch geprägten Realisten bezeichnet. Nervös wird Sahin deshalb auch angesichts des nahenden Endes seines Vertrages nach Ablauf der Saison nicht.

«Sollte es beim FCA nicht klappen, wäre das zwar sehr schade, aber ich habe keine Angst, dass ich keinen neuen Job finden werde.» Der ehemalige Goalgetter des FCZ setzt dabei voll auf das breite Netzwerk, das er sich in seiner Spieler- und Trainerlaufbahn sowohl in der Schweiz als auch in der Türkei aufgebaut hat. Das entbehrt auch nicht einer gewissen Logik, denn «ehrliche Arbeiter» von Sahins Natur kann man eigentlich immer gut gebrauchen.